Bei den Sparkassen ist der Boom in der privaten Baufinanzierung abrupt zu Ende gegangen. "Die Nachfrage ist von einem Tag auf den anderen eingebrochen, viele Projekte im Planungsstadium werden storniert", sagte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis dem "Handelsblatt". Dies sei unter anderem auf die Verunsicherung durch die diversen Krisen und die steigenden Materialkosten zurückzuführen. Im ersten Halbjahr 2022 sei die Nachfrage nach Immobilienkrediten noch hoch gewesen. "Das lag jedoch auch daran, dass viele Projekte planerisch und finanziell schon auf dem Weg waren", sagte Schleweis. "In den vergangenen Wochen hat sich das Bild schlagartig verändert."
Wenn die aktuelle Krisenphase überwunden ist, fordert Schleweis von der Politik Erleichterungen, damit sich künftig wieder mehr Menschen den Traum von einer eigenen Immobilie erfüllen können. "Für eigengenutztes Wohneigentum sollte die Grunderwerbssteuer drastisch gesenkt werden." Zudem brauche es gezielte Förderprogramme, zum Beispiel über die Staatsbank KfW. "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass für eine junge Familie mit zwei Durchschnittsgehältern Wohneigentum nur schwer erschwinglich ist." Optimistisch äußerte sich Schleweis zum Gewinn der 316 Sparkassen im laufenden Jahr. "Das Ergebnis wird unter dem Strich ähnlich positiv wie im vergangenen Jahr ausfallen." Damals hatten die Sparkassen nach Steuern 1,8 Milliarden Euro verdient. Zudem steckten sie drei Milliarden Euro in Vorsorgereserven. Eine "solche zusätzliche Vorsorge wird in den Krisenjahren nicht möglich sein", sagte Schleweis. Stattdessen müssten die Sparkassen wegen Kursverlusten bei Aktien und Anleihen Wertberichtungen im Wertpapierbestand vornehmen.
Immer mehr Stornierungen im Wohnungsbau
Die Stornierungswelle im Wohnungsbau reißt nicht ab. Im September waren 16,7 Prozent der befragten Unternehmen davon betroffen, nach 11,6 Prozent im Vormonat, so eine Erhebung des Ifo-Instituts. "Aufgrund der explodierenden Material- und Energiepreise sowie der steigenden Finanzierungszinsen ist die Planungssicherheit dahin", sagte Ifo-Forscher Felix Leiss. "Die Baukosten steigen immer weiter. Für einige Bauherren ist das alles nicht mehr darstellbar, sie stellen Projekte zurück oder ziehen ganz die Reißleine." Die Geschäftserwartungen trübten sich nochmals ein. Sie fielen auf -53,2 Punkte, was laut Ifo "außergewöhnlich schwach" ist. "Die Unternehmen verfügen im Schnitt immer noch über große Auftragsreserven, aber die Zukunftssorgen waren selten so groß", so Leiss. "Die Erwartungen notieren auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 1991." Weiterhin gab es viele Probleme beim Baumaterial, 32,7 Prozent der Unternehmen meldeten Engpässe. Im Vormonat hatte der Anteil noch bei 36,4 Prozent gelegen. "Die Materialengpässe entspannen sich nur langsam und die hohen Energiepreise verteuern das knappe Material zusätzlich", sagte der Ifo-Forscher. Die Bauunternehmen müssten die höheren Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben. "Für die kommenden Monate sind auf breiter Front weitere Preiserhöhungen geplant." Die Preispläne erhöhten sich von 48,4 auf 49,5 Punkte. +++
