Holzostereier statt Klappern

Die kleineren gleichen in der Größe einem Hühnerei

Helmut Kümmel

Helmut Kümmel ist ein Profi beim Herstellen von Klappern. Durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage fast Null. Was macht der Klappermann ohne Aufträge? „Onkel Helmut ich bruch e Klapper“, die Bitte seines Neffen Thomas Lang war Auslöser vor über vierzig Jahren, dass der Rödersbacher mit seinem Hobby, dem Bau von unterschiedlichen Klappern begann. Eine zeitaufwändige Arbeit, denn drei Tage brauche er ,um einen aus 35 Teilen bestehenden Klapperkasten oder fünf Klapperspatzen herzustellen.

In diesem Jahr fällt das gewohnte Klappern aus. Zumindest, dass Scharen von Kindern in den Tagen von Gründonnerstag bis zum Auferstehungsgottesdienst an Ostern durch die Straßen ziehen und zu Gebet und Gottesdienst einladen. In manchen Pfarreien wird wohl die Aufforderung, vor der Haustüre oder vom Balkon zu klappern befolgt werden. Der 81-jährige Helmut Kümmel ist aber ein eingefleischter Schreiner mit über 40-jähriger Berufserfahrung. Im Keller seines Hause befindet sich eine gut eingerichtete Werkstatt mit Drehbank. So kam der künstlerisch begabte und mit Fantasie gesegnete Holzwurm auf die Idee kleine und große Ostereier zu drechseln. Holz habe er genügend und eigentlich eigne sich jedes Holz zum Bearbeiten, so Helmut Kümmel. Man brauche ein gutes Augenmaß und scharfe Werkzeuge. Obsthölzer wie Apfel-, Kirsch- oder Birnenholz seien leichter zu bearbeiten als harte Hölzer wie die Kiefer. Diese sei nur mit scharfen Werkzeugen zu bearbeiten und nach fünf Werkstücken müssten die Eisen neu geschärft werden. Gerne nutzt er auch die Robinie, auch als „Falsche Akazie“ bekannt oder stockige Buche. Buchenholz das lange gelegen habe sei nur noch als Brennholz zu nutzen, aber weil es eine schöne Maserung habe, liebe er daraus Ostereier zu drechseln. Zuerst fertigt Helmut Kümmel aus dem Rohholz ein zylindrisches Holzstück , das er in die Drehbank einspannt. Darauf markiert er die Ansatzstellen für die Drechseleisen.

Bei kleiner Geschwindigkeit der Drehbank wird die Eiform gedrechselt. Etwaige Unebenheiten werden mit unterschiedlichen Schmirgelpapieren beseitigt. Zwei Sorten Holzostereier produziert der geschickte Schreiner. Die kleineren gleichen in der Größe einem Hühnerei, während die größeren einem Straußenei ähneln. Letzteres hat einen flachen Boden und wird mit einem Loch versehen. In dieses kommt ein Glasröhrchen, so dass man einen Zweig oder eine Blume hineinstecken kann. Am Schluss werden die Holzostereier mit einem speziellen Wachs, das ihm sein Ebersburger Freund Hubert Baier besorgt hat, gewachst, um die Struktur des Holzes zu betonen. Wenn schon nur ganz wenige Klappern, so wenigstens ein schönes Ostergeschenk, hat sich Helmut Kümmel gedacht und verkauft die Eier für 2,50 (klein) bzw. 20 Euro (groß mit Glasröhrchen) das Stück. Es seien alles „Bio-Eier vom freilaufenden glücklichen Schreiner“ sagt er verschmitzt und lacht, bevor er mir eines in die Hand drückt. Helmut Kümmel, Tel.: 06656/475.

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