Hessischer Wald in stabilem Zustand

Wiesbaden. „Der Zustand des hessischen Waldes ist trotz der diesjährigen Witterungsbedingungen stabil geblieben. Das positive Gesamtergebnis wurde insbesondere aufgrund der günstigeren Resultate bei der älteren Buche erreicht“, sagte Hessens Umweltministerin Priska Hinz bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2015 im Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus. Nach den Ergebnissen der diesjährigen Waldzustandserhebung ist die mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten und Altersstufen um 2 %-Punkte auf 21 % zurückgegangen. Lediglich die jüngeren Bäume in der Rhein-Main-Ebene und landesweit die jüngeren Eichenbestände zeigen einen merklich ungünstigeren Zustand. „Erfreulich ist die sehr geringe Absterberate die gerade einmal bei 0,1 % liegt“, erläuterte die Ministerin.

Witterungseinfluss auf den Wald

Das Jahr 2015 zeigte einmal mehr, dass neben den biotischen Einflüssen und Luftschadstoffen das jeweilige Witterungsgeschehen zu den wesentlichen Einflussfaktoren auf den Waldzustand gehört. „Konnten die hessischen Wälder noch mit ausreichenden Wasservorräten im Boden starten, so folgten ein viel zu trockenes Frühjahr und ein extrem heißer Sommer mit Temperaturrekorden. Erste Trockenheitsschäden am Wald und fast 120 Waldbrände waren die Folge“, so Hinz. Die Vegetationsperiode, die Monate von Mai bis September, war in Bereichen Südhessens extrem trocken und erreichte teilweise nur rund die Hälfte des normalen Niederschlags. Hitzeperioden mit Spitzentemperaturen von knapp 40°C verschärften diese Situation noch. Die diesjährige Trockenperiode stellt auch für Südhessen ein seltenes Ereignis dar und kann zu Recht als Dürreperiode bezeichnet werden.

Inwieweit die außergewöhnlichen Witterungsereignisse in diesem Jahr noch zu langfristigen Beeinträchtigungen und Schäden führen, werden erst die nächsten Jahre zeigen. Im Zeitraum der Datenerhebung, im Juli und August, waren insbesondere in Mittel- und Nordhessen viele Böden noch bzw. wieder ausreichend mit Wasser versorgt. Die Auswirkungen des Trockenjahres 2003 und der Sturmereignisse zu Beginn der 1990er Jahre waren über mehrere Folgejahre festzustellen. Die weitere Entwicklung wird daher aufmerksam verfolgt.

Kronenzustand der Bäume

Das Gesamtergebnis in 2015 wird maßgeblich durch die gute Entwicklung der in Hessen häufigsten Baumart, der Buche, sowie einem stabilen Zustand bei älteren Eichen, Kiefern und Fichten beeinflusst. „Nach einem sehr hohen Blattverlust älterer Buchen in 2014 (35%) hat sich der Kronenzustand in 2015 um sechs Prozent-Punkte auf 29% verbessert. Nachdem im letzten Jahr 80% der älteren Buchen mittel bzw. stark fruktifizierten, blieb eine Fruchtbildung in 2015 nahezu aus“, verdeutlichte die Ministerin. Die Blüte und die anschließende Fruchtbildung stellen eine erhebliche Belastung für den Stoffhaushalt dar.

Die Kronenverlichtung bei den jüngeren Bäumen hat tendenziell leicht um einen Prozentpunkt auf sieben Prozent zugenommen, insbesondere bei den jüngeren Eichen ist sie allerdings deutlich angestiegen (2014: 9%; 2015: 16 %). Hier waren durch die extreme Witterung in 2015 auch Trockenheitsschäden vermehrt zu beobachten.

Waldzustand im Rhein-Main-Gebiet

Angespannter bleibt die Situation der Wälder in der Rhein-Main-Ebene, insbesondere bei den älteren Eichen und den jüngeren Bäumen. So beträgt die mittlere Kronenverlichtung der jüngeren Bäume (alle Baumarten) in diesem Jahr 17% und liegt damit um zehn Prozent-Punkte über dem Landesdurchschnitt. In der Rhein-Main-Ebene wird sich der Trockenstress für die Wälder mit ungünstigem Grundwasseranschluss aufgrund der Klimaänderungen weiter erhöhen. „Die Hessische Landesregierung ist sich ihrer besonderen Verantwortung für diese Region bewusst und wird für die Sanierung der Wälder im Hessischen Ried ein spezielles Programm auflegen“, so Hinz. Für Waldsanierungs- und Waldumbaumaßnahmen werden in den nächsten vier Jahren erhebliche personelle und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt.

Waldböden und Bodenschutzkalkung

Trotz aller Bemühungen und Erfolge zur Reduktion der Säureeinträge in den letzten Jahrzehnten hat sich der Zustand der Waldböden bislang nur teilweise verbessert. Die Erholung der Böden wird unter anderem durch die Freisetzung von im Boden zwischengespeichertem Schwefel und einem weiterhin hohen Eintrag an Stickstoff verzögert. Nach den Ergebnissen der Bodenzustandserhebung hat sich die Kalkung als wirksam zum Schutz des Waldbodens erwiesen und soll zielgerichtet fortgeführt werden. Bis zu einer Revitalisierung und Stabilisierung der Waldböden, bleiben Bodenschutzkalkungen in begrenztem Umfang weiterhin nötig. Der Waldumbau ist auf naturnähre und klimastabilere Wälder ausgerichtet und bleibt auch in Zukunft Bestandteil der forstlichen Förderung für kommunale und private Waldbesitzer. Im Jahr 2015 wurden in allen Waldbesitzarten rund 7.200 Hektar Wald gekalkt. „Langfristig möchten wir aber erreichen, dass bei einer naturnahen Waldbewirtschaftung möglichst auf die Kalkung verzichtet wird“, machte die Umweltministerin deutlich. +++ fuldainfo

[sam id=“15″ codes=“true“]

Mehr zum Thema – Wie funktioniert die Waldzustandserhebung?