Hessens Feuerwehrnachwuchs gestaltete in Wiesbaden seine Zukunft

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Fotos: P. Stock

Ein Wochenende mit weitreichenden Folgen für die Nachwuchsarbeit der Feuerwehren in Hessen ist am Samstag und Sonntag in Wiesbaden über die Bühne gegangen. Delegierte aus allen Landesteilen kamen zusammen, um die Zukunft der Kinder- und Jugendfeuerwehren zu beraten und einen organisatorischen Neuanfang auf Landesebene vorzubereiten. Im Mittelpunkt stand die Gründung der Hessischen Kinder- und Jugendfeuerwehr, unter deren Dach die bislang eng miteinander verbundenen Bereiche Kinderfeuerwehr und Jugendfeuerwehr künftig noch stärker zusammengeführt werden sollen.

Den Auftakt bildete am Samstag ein umfangreiches Arbeits- und Austauschprogramm in der Feuerwache 2 der Berufsfeuerwehr Wiesbaden. Unter dem Leitmotiv „Gemeinsam noch stärker“ beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops und Gesprächsformaten mit zentralen Zukunftsfragen der Nachwuchsarbeit. Diskutiert wurden Themen wie Beteiligung und Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen, der Übergang von der Kinderfeuerwehr in die Jugendfeuerwehr, Wertevermittlung, Inklusion sowie Schutzkonzepte. Die Gespräche machten deutlich, dass moderne Feuerwehrnachwuchsarbeit längst weit über die feuerwehrtechnische Ausbildung hinausgeht. Sie umfasst Bildungsarbeit, die Vermittlung gesellschaftlicher Werte, die Förderung von Gemeinschaft und die aktive Beteiligung junger Menschen.

Bereits am Vormittag hatten sich die Delegierten nach der Begrüßung zu einem World-Café in der Fahrzeughalle getroffen, bevor die Arbeit in den einzelnen Themenforen begann. Die Wahl des Veranstaltungsortes verlieh den Beratungen eine besondere Symbolik. Dort, wo im Alltag Einsatzfahrzeuge ausrücken und Gefahrenabwehr organisiert wird, wurde über die Zukunft jener jungen Menschen gesprochen, die vielerorts später Verantwortung in den Einsatzabteilungen übernehmen werden. Am Nachmittag ergänzten Besichtigungen und Führungen das Programm. Die Teilnehmer besuchten unter anderem die Flughafenfeuerwehr, den Hessischen Landtag, die Wiesbadener Innenstadt mit der Marktkirche, den Neroberg, das Dyckerhoff Zementwerk sowie die San-Arena der Berufsfeuerwehr Wiesbaden. Fachliche Impulse wurden dabei mit Begegnung, Austausch und gemeinschaftlichem Erleben verbunden.

Wie bedeutend die Nachwuchsorganisationen für die Feuerwehren im Land inzwischen geworden sind, zeigten die während des Wochenendes vorgestellten Zahlen. Rund 18.500 Kinder engagieren sich derzeit in den Kinderfeuerwehren Hessens, hinzu kommen etwa 26.500 Jugendliche in den Jugendfeuerwehren. Insgesamt stehen damit mehr als 45.000 junge Menschen für ehrenamtliches Engagement, Gemeinschaft und Verantwortungsbewusstsein. Die Hessische Kinder- und Jugendfeuerwehr zählt damit zu den größten Jugendorganisationen des Landes und wurde im Rahmen der Veranstaltung als zweitgrößter Jugendverband Hessens hervorgehoben.

Auch die aktuelle Entwicklung der Jugendfeuerwehren verdeutlicht die Dynamik der Nachwuchsarbeit. Landesweit wurden 26.571 Mitglieder gezählt, was einem Zuwachs von 295 Mitgliedern beziehungsweise 1,2 Prozent entspricht. Insgesamt gab es 5.724 Neuaufnahmen, 4.205 Austritte und 1.224 Übertritte. Derzeit bestehen in Hessen 1.964 Jugendfeuerwehren. Getragen wird diese Arbeit von einem erheblichen ehrenamtlichen Einsatz. Insgesamt wurden 266.800 Dienststunden geleistet, begleitet und unterstützt von 6.647 Betreuerinnen und Betreuern.

Der formale Höhepunkt folgte am Sonntag im Hessischen Landtag. Dort fand zunächst die 50. Delegiertenversammlung der Hessischen Jugendfeuerwehr statt. Im Anschluss trat die neue Hessische Kinder- und Jugendfeuerwehr zu ihrer ersten Delegiertenversammlung zusammen. Im Mittelpunkt stand der Beschluss über die neue Ordnung der Hessischen Kinder- und Jugendfeuerwehr im Landesfeuerwehrverband Hessen e. V. Mit der Zustimmung zur Neufassung wurden die organisatorischen Grundlagen geschaffen, um Kinder- und Jugendfeuerwehren künftig gemeinsam weiterzuentwickeln und die Nachwuchsarbeit auf Landesebene neu auszurichten.

Mit der neuen Struktur sollen bestehende Stärken gebündelt und bewährte Wege weiterentwickelt werden. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendfeuerwehren zu intensivieren, Übergänge zu erleichtern, Ressourcen effizienter zu nutzen und die Nachwuchsarbeit insgesamt zu stärken. Was vielerorts bereits seit Jahren selbstverständlich gelebt wird, erhält damit nun auch auf Landesebene einen gemeinsamen organisatorischen Rahmen.

An dem richtungsweisenden Wochenende nahmen auch Delegierte aus dem Vogelsbergkreis teil. Für die Kreisjugendfeuerwehr Vogelsbergkreis hatte die Veranstaltung nicht nur landesweite Bedeutung, sondern sendete zugleich ein wichtiges Signal in die Städte und Gemeinden des Landkreises. Dort wird täglich sichtbar, welche Rolle eine verlässliche, pädagogisch fundierte und zukunftsorientierte Nachwuchsarbeit für die Feuerwehren spielt. In den Kinder- und Jugendfeuerwehren werden die Grundlagen für späteres Engagement in den Einsatzabteilungen gelegt. Kinder und Jugendliche lernen Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft, technisches Verständnis und Zusammenhalt. Die neue landesweite Struktur soll diese Arbeit künftig zusätzlich unterstützen und den Austausch zwischen den verschiedenen Ebenen der Feuerwehrorganisation stärken.

Das Delegiertenwochenende in Wiesbaden machte damit deutlich, dass die Zukunft der Feuerwehren nicht erst mit dem Eintritt in die Einsatzabteilungen beginnt. Sie entsteht dort, wo Kinder und Jugendliche Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen und sich frühzeitig für ehrenamtliches Engagement begeistern. Mit der Gründung der Hessischen Kinder- und Jugendfeuerwehr ist dafür nun ein neuer organisatorischer Rahmen geschaffen worden. +++


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