Das deutsche Handwerk kommt nicht aus der Konjunkturflaute. Im zweiten Quartal hat sich die Stimmung in den Betrieben im Vergleich zum Vorjahr sogar weiter verschlechtert. Das geht aus dem jüngsten Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hervor. Der Geschäftsklimaindex für das Handwerk, der die aktuelle Lage und die Erwartungen der Betriebe widerspiegelt, sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Zähler auf 102 Punkte. Einen derart starken Stimmungsabfall in einem zweiten Quartal hatte es zuletzt im Corona-Jahr 2020 gegeben. „Das steht sinnbildlich für eine insgesamt besorgniserregende Lage im Handwerk“, sagte ZDH-Präsident Jörg Dittrich der FAZ. Besonders bereitet ihm die zuletzt wieder abgeschwächte Investitionstätigkeit der Betriebe Sorgen. Für einige Unternehmen rechneten sich Investitionen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht, andere hielten sich wegen der großen Unsicherheit zurück, sagte Dittrich.
Nur 16 Prozent der Handwerksbetriebe erhöhten im zweiten Quartal ihre Investitionen. Bei einem Drittel der befragten Unternehmen gingen die Investitionen dagegen zurück. Auch die meisten anderen Stimmungsindikatoren entwickelten sich zuletzt negativ. Betroffen sind nach Angaben des ZDH sämtliche Branchen und Gewerke des Handwerks. Damit steht die Entwicklung im Handwerk zunehmend im Kontrast zur deutlich verbesserten Stimmung in den Chefetagen anderer deutscher Unternehmen.
Der am Dienstag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex, für den das Münchner Ifo-Institut die Einschätzungen von rund 9.000 Führungskräften erfasst, stieg im August bereits den vierten Monat in Folge. Das Konjunkturbarometer legte um 2,1 Punkte auf 88,8 Punkte zu. Damit liegt der Index wieder über dem Niveau, das vor dem Ende Februar ausgebrochenen Iran-Krieg erreicht worden war. „Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs erholt sich die deutsche Wirtschaft“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest.
Im Handwerk ist von dieser Erholung dagegen bislang nichts zu spüren. Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate gingen gegenüber dem zweiten Quartal 2025 deutlich zurück. Nach Einschätzung des ZDH setzen den Betrieben insbesondere die gestiegenen Preise für Energie und Material zu. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Industrie nach handwerklichen Vorleistungen zurückhaltend. Auch der Aufschwung am Bau lässt weiter auf sich warten. Hinzu kommt eine verhaltene private Nachfrage, die nach Angaben des Verbands auch mit der schwachen Entwicklung am Arbeitsmarkt zusammenhängt.
Für das zweite Halbjahr 2026 rechnen die Handwerksbetriebe mit einer weiteren Eintrübung der Konjunktur. Aus Sicht des ZDH gewinnt deshalb die Arbeit der Bundesregierung an Bedeutung. Zahlreiche noch offene Reformvorhaben müssten abgearbeitet werden, heißt es im Konjunkturbericht. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks vertritt die Interessen von rund einer Million Handwerksbetrieben mit knapp sechs Millionen Beschäftigten in Deutschland. +++

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