Grünflächenpflege in Schlüchtern: Petition fordert mehr Schutz für Artenvielfalt

Birgit Heinrich und Dirk Höpfner (rechts) haben Bürgermeister Matthias Möller eine Petition zur Optimierung der Mäh- und Pflegepraxis überreicht. Die Unterschriftenaktion läuft noch. Foto: Stadt Schlüchtern

Wie eine Stadt ihre Grünflächen pflegt, ist längst mehr als eine Frage von Ordnung und Erscheinungsbild. Zwischen Verkehrssicherheit, wirtschaftlichem Aufwand und dem Schutz von Pflanzen und Tieren liegt ein Spannungsfeld, das auch in Schlüchtern diskutiert wird. Eine Unterschriftenaktion fordert die Stadt deshalb auf, ihre bisherige Mäh- und Pflegepraxis stärker an den heutigen Erkenntnissen des Arten- und Naturschutzes auszurichten.

Initiatorin der Petition ist die Schlüchternerin Birgit Heinrich. In einem offenen Brief wird angeregt, die bisherige Praxis zu überprüfen und dort zu optimieren, wo dies möglich ist. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, notwendige Pflegearbeiten infrage zu stellen. Vielmehr gehe es um eine Grünflächenpflege, die Verkehrssicherheit, Wirtschaftlichkeit und den Schutz heimischer Arten miteinander verbindet.

„Unser Anliegen richtet sich ausdrücklich nicht gegen notwendige Pflegearbeiten. Wir wünschen uns vielmehr eine Grünflächenpflege, die Verkehrssicherheit, Wirtschaftlichkeit und den Schutz unserer heimischen Arten miteinander verbindet“, betont Heinrich.

Unterstützt wird die Unterschriftenaktion von mehreren Organisationen und Gruppen. Dazu gehören der BUND Schlüchtern-Steinau, der Imkerverein Schlüchtern, der Kreisjagdverein Schlüchtern, der NABU Steinau, die Ökologische Forschungsstation, Bündnis 90/Die Grünen, der Wanderverein „Die Spechte“ sowie der Gewerbeverein WITO.

Im Mittelpunkt des offenen Briefes stehen konkrete Vorschläge für eine differenziertere Pflege der Grünflächen. Blühstreifen und entsprechend geeignete Flächen sollten demnach möglichst erhalten werden, sofern keine Bedenken hinsichtlich der Verkehrssicherheit bestehen. Dort, wo eine Pflege erforderlich ist, sollte nach den Vorstellungen der Initiatoren das Mähen mit anschließendem Abräumen des Schnittgutes dem Mulchen vorgezogen werden.

Hinter dieser Forderung steht die Überlegung, dass die Art und Weise der Grünflächenpflege unmittelbare Auswirkungen auf die dort lebenden Tiere und Pflanzen haben kann. „Beim Mulchen werden zahlreiche Insekten und andere Kleintiere unmittelbar getötet. Eine strukturierte und differenzierte Pflege könnte für ökologische Verbesserungen sorgen und am Ende sogar wirtschaftlicher sein. Das wäre doch für alle super“, erklärt Dr. Dirk Höpfner, Unterstützer der Aktion und Vorstandsmitglied im NABU Steinau.

Gemeinsam mit Birgit Heinrich hat Höpfner den offenen Brief inzwischen dem Schlüchterner Bürgermeister Matthias Möller überreicht. Damit ist die Diskussion auch unmittelbar bei der Stadtverwaltung angekommen.

Möller signalisiert Gesprächsbereitschaft und sieht in dem Thema einen wichtigen Ansatzpunkt für die weitere Entwicklung der Pflegepraxis. „Das Thema ist wichtig. Wir sind froh über alle Leute, die sich für ihre Heimat und ihre Umwelt interessieren und sie verbessern wollen. Deshalb sind wir natürlich offen dafür, in unserer Mäh- und Pflegepraxis Anpassungen vorzunehmen“, sagt der Bürgermeister.

Damit geht es bei der Diskussion nicht um die grundsätzliche Frage, ob öffentliche Grünflächen gepflegt werden müssen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie diese Pflege organisiert werden kann. Die Initiatoren der Unterschriftenaktion verbinden damit den Wunsch, vorhandene Grünflächen stärker unter ökologischen Gesichtspunkten zu betrachten, ohne dabei Anforderungen an Sicherheit und Pflege außer Acht zu lassen.

Gerade dieser Ansatz macht die Debatte für Kommunen interessant: Grünflächen sind einerseits Teil des öffentlichen Raums und müssen entsprechend gepflegt und sicher gehalten werden. Andererseits können sie Lebensräume für Pflanzen, Insekten und andere Kleintiere sein. Zwischen diesen Anforderungen eine praktikable Lösung zu finden, ist damit eine kommunale Aufgabe, bei der unterschiedliche Interessen zusammengebracht werden müssen.

Die Unterschriftenaktion läuft weiter. Der offene Brief liegt noch bis Sonntag, 18. Oktober, im Schlüchterner Café Wohnzimmer in der Krämerstraße 16 aus. Darüber hinaus kann das Anliegen auch online über OpenPetition unterstützt werden. Dort stehen ebenfalls weitere Informationen zur Aktion zur Verfügung. +++


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