Die Stadt Fulda verliert eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Reinhold Schäfer, ehemaliger Stadtverordneter, langjähriger Fraktionsvorsitzender und Stadtrat, ist am 3. Oktober im Alter von 90 Jahren verstorben. Mit ihm geht ein Mann, der die kommunale Landschaft seiner Heimatstadt über mehr als vier Jahrzehnte wie kaum ein anderer mitgestaltet hat. 43 Jahre lang gehörte er ununterbrochen der Stadtverordnetenversammlung oder dem Magistrat an – eine Spanne, die in der heutigen, oft von kurzer Atem geprägten Politik nahezu unvorstellbar wirkt. Sein Weitblick und seine Urteilskraft haben eine ganze Epoche der Stadtgeschichte definiert.
Geboren am 4. Mai 1936 in Fulda, gehörte Schäfer zu einer Generation, die die Schrecken des Zweiten Weltkriegs noch als Kinder miterleben musste. Diese Prägung schien sein späteres Handeln, das stets von Verantwortungsbewusstsein und dem Willen zum sozialen Zusammenhalt geprägt war, maßgeblich zu beeinflussen. Nach dem Abitur 1958 am Fuldaer Domgymnasium, der heutigen Rabanus-Marus-Schule, zog es ihn zum Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaften nach Frankfurt, Erlangen und Würzburg. Doch es zog ihn zurück: 1966 kehrte er nach dem Referendariat und dem zweiten Staatsexamen als Lehrer an seine „alte“ Schule, das Domgymnasium, zurück. Bis zu seiner Pensionierung blieb er dem Haus als Oberstudienrat für Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde treu – eine Kontinuität, die auch sein politisches Wirken charakterisieren sollte.
Schäfers Engagement war nie ein kurzlebiges Projekt, sondern stets auf Dauer angelegt. Diese Verlässlichkeit zeigte sich in allen Bereichen seines Lebens: ob als aktives Mitglied im Pfarrgemeinderat der Gemeinden St. Josef und später St. Paulus Ziehers-Nord, als Vorstandsmitglied der DJK Buchonia Fulda, als Personalrat am Domgymnasium oder als Schöffe am Landgericht Fulda. Überall brachte er sich mit der gleichen Intensität ein.
Seine politische Heimat fand er in der CDU. Bereits seit 1961 war er in der Jungen Union aktiv, 1968 folgte der erste Einzug in die Stadtverordnetenversammlung. Dort erlebte er in seiner ersten Periode die turbulenten Zeiten der Gebietsreform aus nächster Nähe mit – eine Erfahrung, die sein Verständnis für komplexe Verwaltungsstrukturen schärfte. Von 1972 bis 1985 leitete er als Vorsitzender den Ausschuss für Jugend, Sport und Familie, bevor er von 1985 bis 2001 als CDU-Fraktionsvorsitzender die wesentlichen Weichen in der Fuldaer Stadtpolitik stellte. Parallel dazu saß er von 1974 bis 1977 auch im Kreistag. Doch auch nach seinem Rückzug vom Fraktionsvorsitz war er nicht zu halten: Von 2001 bis 2011 gehörte er noch einmal zehn Jahre lang dem ehrenamtlichen Magistrat an. Sein Erfahrungsschatz und sein politischer Instinkt kamen dem Gremium auch in dieser späten Phase zugute.
Eine besondere Leidenschaft verband Schäfer mit dem Sport. Dieses Engagement beschränkte sich nicht nur auf seine Arbeit im Sportausschuss oder im Vorstand der Buchonia. Als Co-Autor des 2008 erschienenen Buches „Sportstadt Fulda“ in der Reihe „Dokumentationen zur Stadtgeschichte“ hat er das kollektive Gedächtnis der Stadt nachhaltig bereichert. Mit Fakten und lesenswerten Episoden zur Sporthistorie sorgte er dafür, dass die sportlichen Leistungen und Vereine der Region nicht in Vergessenheit geraten.
Für seine Verdienste wurde Reinhold Schäfer 1988 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Seit 2001 trug er zudem den Ehrentitel „Stadtältester“ – eine Würdigung, die angesichts seines Lebenswerks kaum passender hätte ausfallen können. Die Stadt Fulda wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. In diesen Stunden gilt das tiefe Mitgefühl seiner Ehefrau Ursula, seinen beiden Söhnen mit ihren Schwiegertöchtern sowie den fünf Enkelkindern. Mit Reinhold Schäfer verliert Fulda nicht nur einen Politiker, sondern einen Menschen, der Identität stiftete und Vorbild war. +++
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