Fulda entdeckt einen fast vergessenen Komponisten neu

Ein musikalischer Schatz aus Fulda steht im Mittelpunkt des zweiten Konzerts der Reihe „Hommage – Fulda hört hin“. Am 20. September wird der 200. Geburtstag von Hugo Staehle gefeiert – mit Werken, die teilweise seit Jahrzehnten kaum öffentlich zu hören waren.

Fulda hat viele Geschichten zu erzählen. Eine davon handelt von einem Komponisten, der viel zu früh starb und dennoch ein erstaunliches musikalisches Vermächtnis hinterließ: Hugo Staehle. 1826 in Fulda geboren, starb er bereits im Alter von knapp 22 Jahren.

Was aus ihm hätte werden können, lässt sich heute nur erahnen. Musikwissenschaftlich wird Staehle inzwischen in eine Reihe mit anderen früh verstorbenen Talenten wie Hans Rott, Ludwig Schuncke, Julius Reubke oder Lili Boulanger gestellt.

Sein 200. Geburtstag ist nun Anlass für eine besondere Wiederentdeckung.

Am Sonntag, 20. September, um 16.30 Uhr steht Staehle im Mittelpunkt des zweiten Konzerts der Reihe „Hommage – Fulda hört hin“ in der Aula der Alten Universität. Das Programm führt dabei von Fulda in die Welt – und wieder zurück.

Besonders außergewöhnlich ist die geplante Uraufführung seines Streichquartetts G-Dur. Das Werk wird vom Alinea-Quartett gespielt. Es ist zugleich das einzige Werk Staehles, das in der Landesbibliothek Fulda aufbewahrt wird.

Auch der Auftakt des Konzerts ist eine Rarität. Die „Tre Scherzi“ für Klavier solo wurden bislang erst einmal öffentlich aufgeführt. Diesmal übernimmt der Pianist Dongping Wang den Part.

Der 2002 in China geborene Musiker ist dem Fuldaer Publikum ebenfalls verbunden. Wang war 2022 Finalist beim PIANALE Piano Festival in Fulda und erhielt dort den EMCY-Preis sowie den Steingräber-&-Söhne-Sonderpreis.

Zum Abschluss wird es kammermusikalisch: Gemeinsam mit dem Alinea-Quartett spielt Wang Staehles Klavierquartett Nr. 1. Die Musiker treten dabei erstmals gemeinsam auf.

Das Werk entstand, als Staehle gerade einmal 21 Jahre alt war. Unter Kennern gilt es wegen seiner musikalischen Reife und seines Einfallsreichtums seit Langem als außergewöhnlich. Man könne es durchaus als Geniestreich des jungen Komponisten bezeichnen.

Ein Quartett mit Fuldaer Verbindung

Auch das Alinea-Quartett selbst hat einen besonderen Bezug zur Stadt. Das Ensemble wurde 2020 in München gegründet. Zu den vier Musikerinnen und Musikern gehört die Violinistin Fanny Schell, die in Fulda aufgewachsen ist.

Das Quartett versteht Kammermusik nicht als Konzertformat, bei dem Publikum und Musiker strikt voneinander getrennt bleiben. Gesprächskonzerte, der Austausch mit anderen Künsten und neue Formen der Vermittlung gehören zum Konzept.

Damit passt das Ensemble zum Anspruch der Reihe „Hommage – Fulda hört hin“: Musik und Kultur aus der Region sichtbar zu machen und zugleich Verbindungen zur Welt herzustellen.

Hommage – Fulda hört hin
Sonntag, 20. September 2026, 16.30 Uhr
Aula der Alten Universität, Fulda

Im Mittelpunkt steht ein Komponist, dessen Leben kaum zwei Jahrzehnte währte – dessen Musik aber noch immer Fragen offenlässt: Was wäre aus Hugo Staehle geworden, wenn ihm mehr Zeit geblieben wäre? +++


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