Die Existenzsorgen unter Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmern in Deutschland bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Im Oktober 2026 sahen 19,4 Prozent der Betroffenen ihren Betrieb in der Existenz bedroht. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft, in der lediglich 6,7 Prozent der Unternehmen ein entsprechendes Risiko meldeten, ist der Anteil bei den Selbstständigen damit fast dreimal so hoch. Gegenüber dem Vormonat Juli, als der Wert bei 21,2 Prozent gelegen hatte, ging die Quote zwar erstmals seit drei Jahren leicht zurück. Allerdings liegt sie nach wie vor über dem Niveau des Vorjahresmonats Oktober 2025, in dem 19,0 Prozent verzeichnet worden waren.
Das Geschäftsklima bei den Selbstständigen verharrt derweil ungeachtet minimaler Zuwächse tief im Minus. Der entsprechende Indikator stieg im Oktober nur geringfügig auf minus 18,6 Punkte an, nach minus 18,8 Punkten im September. Während die Selbstständigen ihre laufenden Geschäfte zum vierten Mal in Folge besser einschätzten und der Wert von minus 16,6 auf minus 14,7 Punkte kletterte, fiel der Ausblick auf die kommenden Monate mit minus 22,5 Punkten wieder pessimistischer aus als im September mit minus 21,0 Punkten. In der Gesamtwirtschaft verbesserte sich das Geschäftsklima im gleichen Zeitraum von minus 3,5 auf minus 2,9 Punkte. Sowohl bei den Selbstständigen als auch in der Gesamtwirtschaft war dies der sechste Anstieg nacheinander. Katrin Demmelhuber vom ifo Institut erklärte dazu, dass sich die Konjunkturbelebung insgesamt zwar fortsetze, die Erholung bei den Selbstständigen jedoch noch nicht in der Breite ankomme.
Das mit Abstand größte Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung bleibt der Auftragsmangel. Zu Beginn des vierten Quartals meldeten 45,7 Prozent der Selbstständigen fehlende Aufträge, was einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorquartal mit 47,3 Prozent bedeutet. In der Gesamtwirtschaft war gut jedes dritte Unternehmen von Auftragsmangel betroffen, der Wert lag hier bei 34,9 Prozent. Insgesamt sahen sich 61,3 Prozent der Selbstständigen in ihren geschäftlichen Abläufen eingeschränkt, nach 63,3 Prozent im vorangegangenen Quartal. Finanzierungsengpässe wurden von 8,3 Prozent der Befragten genannt, nachdem dieser Anteil im Vorquartal noch bei 9,9 Prozent gelegen hatte. Matthias Henze, Gründer und CEO von Jimdo, bewertete die Gesamtlage weiterhin als extrem angespannt. Fast jeder Fünfte fühle sich existenziell bedroht, knapp die Hälfte leide unter ausbleibenden Aufträgen und das Geschäftsklima verharre deutlich im Minus. Dies werde öffentlich viel zu wenig beachtet. Die leichten Verbesserungen seien zwar erfreulich, bedeuteten aber noch keine substanzielle Veränderung der Lage.
In den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigte sich eine leichte Entspannung, auch wenn die Werte überwiegend negativ blieben. Im Dienstleistungssektor verbesserte sich das Klima minimal auf minus 10,3 Punkte gegenüber minus 10,7 Punkten im September. Bei den IT-Dienstleistern halten sich positive und negative Beurteilungen inzwischen beinahe die Waage. In der Unternehmensberatung überwogen im Oktober sogar erstmals seit zwei Jahren wieder die positiven Stimmen. Im Einzelhandel kletterte der Klimawert auf minus 27,0 Punkte nach zuvor minus 30,0 Punkten. Ursächlich dafür war eine deutlich bessere Bewertung der laufenden Geschäfte, wenngleich sich die künftigen Erwartungen im Handel parallel dazu leicht eintrübten.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung sieht der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD e.V.) die Politik in der Pflicht, an den gesetzlichen Rahmenbedingungen nachzubessern. VGSD-Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz betonte, dass die leichten Verbesserungen der vergangenen Monate durch eine hohe Staatsverschuldung teuer erkauft worden seien. Für einen nachhaltigen Aufschwung seien strukturelle Reformen erforderlich, insbesondere eine rechtssichere Statusfeststellung. Zudem drängt der Verband mit Blick auf die anstehende Rentenreform auf ein faires Beitragsmodell für Selbstständige. Lutz warnte davor, dass ein massiver Einbruch bei den Unternehmensgründungen drohe, wenn Teilzeit-Selbstständige durchgängig höhere Beiträge abführen müssten als vergleichbare Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen. +++

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