„In diesem Jahr steht der Jahresempfang der Marktgemeinde Burghaun bekanntlich nicht unter einem bestimmten Motto, wie in den vergangenen Jahren, jedoch im Zeichen der Kommunalwahl“, begann der Bürgermeister der Marktgemeinde Burghaun, Dieter Hornung (CDU), seine Rede anlässlich des traditionellen Empfanges der Marktgemeinde am vergangenen Donnerstagabend in der Haunehalle. „Demokratie gilt hier vor Ort; und so konnten wir zunächst stolz darauf sein, für die in Summe 84 Mandate in Ortbeiräten und der Gemeindevertretung 144 Kandidatinnen und Kandidaten zu wissen“, so der Bürgermeister weiter, der allen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich bei der „Personenwahl“ durchsetzen konnten. Sein besonderer Gruß galt demnach den bereits erfahrenen und neuen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern sowie allen ausgeschiedenen Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern.
„Wir haben dieser Veranstaltung, wie ich finde, einen würdigen Rahmen geschaffen, um das breitgefächerte, ehrenamtliche Wirken unserer Bürgerinnen und Bürger in Politik, Sport, Brandschutz und allen weiteren ehrenamtlichen Betätigungsfeldern zu geben“, stellte Hornung heraus. Nach drei erfolgten Veranstaltungsformaten sei der Empfang, so Bürgermeister Hornung, „im Bewusstsein der breiten Bevölkerung“ angekommen. Im vergangenen Jahr habe die Gemeinde aus der Bürgerschaft so viele Ehrenamtliche als „ehrungswürdig“ gemeldet bekommen wie noch nie.
Der Bürgermeister fuhr fort: „Sie alle sind, wie jedes Jahr, heute Abend Ehrengäste. Sie alle wurden vor dem Hintergrund Ihres Engagements und Ihrer Leistung für und um die Marktgemeinde Burghaun eingeladen.“ Besonders begrüßt am Donnerstagabend wurden der Ehrenbürger Hans Bolender, die Gemeindeälteste Erna Weber, der Gemeindeälteste Hans-Ludwig Mischitz, die Ehrenbeigeordneten Wolfgang Heinicke, Willy Helmke, Norbert Herr, den Ehrenortsvorsteher von Hünhan Franz Koch, die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Wilhelmine Hornung sowie den Träger des Bundesverdienstkreuzes Josef Weber sowie der Träger der Bundesverdienstmedaille Richard Heinrich.
Ein herzliches Willkommen galten außerdem den Mitgliedern des Gemeinderates der Burghauner nordsächsischen Partnerstadt Doberschütz und des neugewählten Bürgermeisters der Gemeinde, Andreas Mählmann (CDU) sowie dessen Amtsvorgänger, Bürgermeister der Gemeinde Doberschütz a.D. Roland Märtz. Ebenso zu dem gestrigen Empfang eingeladen war der Bürgermeister der Partnergemeinde Mertzwiller/Elsaß, Jean Klieber, dessen Frau kurz vor der Geburt steht und sich daher entschuldigen ließ. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem Hauptredner des Abends, Ministerpräsident des Landes Hessen a.D., Volker Bouffier, der ehrenamtlich aus dem mittelhessischen Gießen angereist war und seine gedanklichen Ausführungen ausdrücklich dem Ehrenamt, im Besonderen der ehrenamtlichen Kommunalpolitik widmete.
Hornung: „Die Mehrheitsfindung im Kreistag setzt den politischen Gestaltungswillen von allen voraus, die in unserer Heimat aktiv mitgestalten wollen.“
„In den letzten Wochen und Monaten lesen wir viel darüber, dass unsere Demokratie bedroht sei. Da Wählerinnen und Wähler, insbesondere bei Bundes- und Landtagswahlen, ihre Stimme zunehmend an die politischen Ränder vergeben. Bei der vergangenen Bundestagswahl waren es 27,73 Prozent; bei der Kommunalwahl entfielen 22,95 Prozent auf Parteien links und rechts der politischen Mitte – und das, obwohl sich diese Parteien vor Ort kaum engagieren. Lediglich in Neuhof trat die AfD an, die Linke hingegen in keine der 23 Kommunen im Landkreis Fulda.
Ehrenamtliche Arbeit vor Ort scheint nicht zur Kernkompetenz dieser Partei zu gehören. Zur Kreistagswahl traten insgesamt 12 Listen an, von denen 11 den Einzug in den Kreistag schafften. Die Mehrheitsfindung wird dadurch sicherlich nicht einfacher, sie erfordert von den politisch Verantwortlichen breite, tragfähige Lösungen, um Mehrheiten zu finden; gleichzeitig setzt sie aber auch den politischen Gestaltungswillen aller voraus, die in unserer Heimat aktiv mitgestalten wollen.“ Eine Gefahr für die Demokratie sieht Hornung aber nicht. Der Staat und damit insbesondere die Kommunen müssten handlungsfähig bleiben, in manchen Bereichen, so Bürgermeister Hornung, vielleicht auch wieder handlungsfähig werden. Handlungsfähigkeit habe aber auch etwas mit der finanziellen Ausstattung der Kommunen zu tun. Verantwortung trügen aber auch die Wählerinnen und Wähler, die mit ihrer Wahlbeteiligung Einfluss nehmen und zum Ausdruck bringen können, ob sie mit der Politik vor Ort zufrieden sind.
Chance zum Wandel liege in der Demokratie
„Wir alle in Burghaun haben uns bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr über eine Wahlbeteiligung von 87,31 Prozent gefreut. Umso enttäuschter ist es, dass bei der Kommunalwahl im Landkreis Fulda lediglich 60,55 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimme abgegeben haben. In Burghaun waren es immerhin knapp 65 Prozent“, so Hornung. Erschreckend sein es nach dem Bürgermeister der Marktgemeinde, dass bei der Stichwahl auf das Oberbürgermeisteramt in Hanau (Main-Kinzig-Kreis) nur noch 36,25 Prozent der Wählerinnen und Wähler zu Wahl gegangen seien. „Wenn nur noch jeder dritte Bürger wählen geht, dann ist unsere Demokratie aus meiner Sicht tatsächlich gefährdet. In der Demokratie liege nach Bürgermeister Hornung immer die Chance zum Wandel. „Wir haben stets die Möglichkeit, politische Mehrheiten zu verinnerlichen, denn am Ende hat der Wähler immer recht. Und genau deshalb muss Demokratie auch jeden Tag verteidigt werden.“ In den letzten fünf Jahren der vergangenen Legislaturperiode habe Burghaun gezeigt, wozu die Marktgemeinde in der Lage ist, wenn alle „an einem Strang ziehen“. Intensiv habe man in den Arbeitskreisen diskutiert. Bürgermeister Dieter Hornung unterbreitete den kommunalen Gremien gestern das Angebot, den eingeschlagenen Weg fortzuschreiten.
Kommunalpolitik als Schule für spätere politische Arbeit
Der ehemalige Hessische Ministerpräsident und Hessischer Innenminister (Kabinett Roland Koch) Volker Bouffier berichtete eingangs seines Grußwortes aus seinen eigenen politischen Anfängen, die er, aus einem politischen Haushalt stammend, in der Jungen Union begann, deren Vorsitzender er von 1978 bis 1984 in Hessen war. Die Interessen seines Wahlkreises Gießen II vertrat er ab 1982 mit kurzer Unterbrechung. Bevor er 1999 Hessischer Innenminister unter Roland Koch wurde und von 2010 bis 2022 als Ministerpräsident die Hessische Landesregierung führte, wirkte er viele Jahre als Kommunalpolitiker. Das meiste davon in der Opposition. Da zählen die Jahre doppelt, meinte der CDU-Politiker trocken auf dem Jahresempfang, womit er den Anwesenden ein Schmunzeln entlockte. Auch wenn das kommunalpolitische Unterfangen kein leichtes sei, so sei dies doch „eine herausragende Schule für politische Arbeit“.
Der ehemalige Hessische Ministerpräsident sei immer der Ansicht gewesen, dass das Ehrenamt der Kitt unserer Gesellschaft ist. Letztlich seien die, die sich ehrenamtlich engagieren, diejenigen, die mehr täten als sich tatsächlich müssten. Wenn jeder nur das täte, was er müsse, dann wäre diese Gesellschaft nicht nur ärmer und kälter, es würde auch vieles trotz tüchtiger Bürgermeister und Kommunalpolitiker so nicht funktionieren. In diesem Kontext dankte der ehemalige Berufspolitiker all jenen die sich ehrenamtlich in den Städten und Kommunen engagieren und ermutigte sie, ihre politische Arbeit fortzusetzen. Das Ehrenamt führe nach Bouffier dazu, das Menschen zusammenkommen. Ehrenämter beispielsweise in einem Verein machten aus einer anonymen Gesellschaft eine Gemeinschaft. Man teile Zeit und gemeinsame Interessen miteinander, Freude und manchmal auch Leid. „Das kann man nicht verordnen und auch nicht beschließen, das kann man nur unterstützen“, sagte Bouffier anlässlich des Empfanges der Marktgemeinde Burghaun. Und dennoch fehle es häufig an dem, was Ehrenämtler bräuchten: Unterstützung und Ermutigung.
Die ehrenamtlich geleistete Kommunalpolitik sei nach Bouffier eine „unverzichtbare und wichtige Aufgabe“, mühselig, aufwendig und zeitaufwändig bei sich in Grenzen haltender öffentlichen Bewunderung. Der ehemalige Hessische Ministerpräsident dankte am Donnerstag all jenen, die sich ehrenamtlich in Burghaun in der Kommunalpolitik engagieren, sich in der Vergangenheit engagiert haben oder dies in Zukunft tun werden. Keineswegs selbstverständlich sei es, bei einem fordernden Beruf auch noch ein politisches Ehrenamt anzunehmen.
Die Rede seines Vorredners, Bürgermeister Hornung aufgreifend, sagte Bouffier, dass die Gründe, warum Menschen die Extremen wählen, seien vielfältig. Neben der politischen Überzeugung, wie auch die Enttäuschung über politisches Handeln oder auch Nichthandeln schwer, gepaart mit einer generellen Verunsicherung durch alle Bereiche des Lebens. Unter Heranziehung, was gegenwärtig alles auf die Menschen einstürmt, dürfe man sich über manche Entscheidungen an der Wahlurne nicht wundern. Auch die Form der Kommunikation sei heute eine andere wie noch vor 40 Jahren. Eine besondere Verantwortung komme demnach ehrenamtlichen Politikerinnen und Politkern zu, die Einordnung geben. In diesem Zusammenhang zog der frühere Berufspolitiker auch die neuzeitlichen Kommunikationsformen, wie beispielsweise Smartphones und iPhones heran. Glücklich könnten sich demnach Regionen schätzen, die noch über eine Tageszeitung verfügten. Eine besondere Verantwortung kämen deshalb seriösen Medien zu als Kontrast zu denkwürdigen Plattformen wie TikTok und ähnlichen.
Ehrung für langjähriges Ehrenamt und herausragende sportliche Leistungen
Im Rahmen des Empfanges wurden eine Reihe an Personen geehrt und urkundlich ausgezeichnet, die sich über viele Jahre hinweg ehrenamtlich beispielsweise im gemeindlichen Feuerwehrwesen, in der Kommunalpolitik oder im Verein engagieren oder sich im besonderen Maße für das Gemeinwohl der Marktgemeinde verdient gemacht haben. Demnach wurde Mathias Rauschenberg zum Ehrenvorsitzenden der Gemeindevertretung und Gertraud Pfingstgräff zur Gemeindeältesten ernannt, Werner Fritsch mit dem Zinntaler der Marktgemeinde Burghaun und Steffen Landsiedel mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Gerda Golbach wirkte 50 Jahre als Schriftführerin im Verein Landfrauen Steinbach. Markus Scheu erhielt eine Anerkennungsprämie für seinen 30-jährigen aktiven und pflichttreuen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Rothenkirchen. Mit ihm wurden außerdem Jörg Lindemann, Werner Maul sowie Thomas Schmidt für ihre Dienste bei der Feuerwehr geehrt. Erneut durften sich für ihre herausragenden sportlichen Leistungen Katharina Werthhüller, Thea-Maria Link, Amalia Teckie und Clara Weber zu den Geehrten und urkundlich Ausgezeichneten zählen. Im Sport außerdem erfolgreich waren Lukas Fischer, Daniel Knoth und Alexander Röller.
Im Anschluss an den offiziellen Veranstaltungsteil lud die Gemeinde ihre Ehrengäste zum gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Beisammensein ein. Der Empfang wurde musikalisch begleitet vom Salonorchester Hofberg aus Hünfeld. Der Empfang wurde mit 4.000 Euro aus dem Förderprogramm „Dein Ehrenamt“ unterstützt. +++ jessica auth






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