Dr. Thomas Heiler (66) ist am Montagabend im Beisein von über 200 Gästen im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses mit dem „Kulturpreis der Stadt Fulda“ gewürdigt worden. Der langjährige Stadtarchivar und Leiter des städtischen Kulturamtes habe sich während seiner über 27-jährigen Tätigkeit bei der Stadt Fulda außerordentliche Verdienste um die Erforschung, Publikation und Vermittlung der Stadtgeschichte erworben, hieß es in der Begründung. In diesem Zusammenhang habe er sich weit über den dienstlichen Rahmen hinaus engagiert.
„Seine besondere Gabe besteht darin, fundiert recherchierte geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge für ein breites Publikum spannend und unterhaltsam aufzubereiten. Ich möchte hier nur an seine Bildbände mit historischen Fotografien, seine Schlaglichter zur Stadtgeschichte oder seine fesselnden Vorträge wie etwa den zum Aschenberg erinnern“, lässt sich Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) zitieren.
Das Fuldaer Stadtoberhaupt erinnerte an Dr. Heilers maßgebliche Beteiligung an örtlichen Projekten zur Erforschung der Stadtgeschichte, wie beispielsweise zum 1250. Todestag des Heiligen Bonifatius im Jahr 2004 oder an Dr. Heilers intensive Zuarbeit zur Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen zum 1275-jährigen Jahrestag der Klostergründung Fuldas im Jahr 2019. Ein weiteres Beschäftigungsfeld ist die Geschichte jüdischen Lebens in Fulda, der sich Dr. Thomas Heiler seit Jahren seit dem Mittelalter intensiv widmete. Auch die Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel geht auf Dr. Heiler zurück.
In den 14 Jahren seiner Amtszeit als Leiter des städtischen Kulturamts habe Dr. Heiler dieses mit seiner Kompetenz und Persönlichkeit maßgeblich geprägt und in hohem Maße dazu beigetragen, dass sich Fulda als Kulturstadt regional wie auch überregional als Kulturstadt profilieren konnte, stellte Oberbürgermeister Wingenfeld heraus, der im Namen des Magistrats als auch seines Vorgängers, Gerhard Möller, Dr. Heiler dankte. Dr. Heiler stehe für den Gedanken und das Ziel, das kulturelle Erbe zu bewahren zugleich für den Willen, neue Räume und Formate für kulturelles Leben zu erschaffen, sagte das Fuldaer Stadtoberhaupt vor dem Hintergrund des Ausbaus der heimischen Kulturangebote wie beispielsweise die Fuldaer Domplatzkonzerte.
Durch seine engagierte Mitarbeit im Fuldaer Geschichtsverein, in diesem Dr. Heiler viele Jahre im Vorstand als Schriftführer wirkte und diesem er seit kurzem als Vorsitzender vorsteht, verbinde Dr. Heiler seine hauptberufliche Tätigkeit im Stadtarchiv mit der ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein der historisch interessierten Bürger, erklärte Wingenfeld. Einen enormen Anteil habe er am zweibändigen Werk der vom Geschichtsverein herausgegebenen Stadtgeschichte, für die er nicht nur wichtige Beiträge verfasst habe, sondern auch die Redaktion und Druckbetreuung sowie die Herstellung der Register übernommen hatte.
Kulturarbeit als Berufung
Das städtische Kulturamt umfasst die Bereiche: Musikschule, Stadtarchiv, Volkshochschule, Vonderau Museums, Theater- und Musikmanagement, Veranstaltungs- und Eventmanagement sowie Querschnittsaufgaben wie beispielsweise im Bereich der öffentlichen Kulturförderung. Langjährige Wegbegleiter beschrieben den Geehrten als jemand, der lieber gute und sinnstiftende Arbeit im Hintergrund verrichtete als sich mit seinem umfänglichen kulturellen Wissen zu profilieren. Der Auftritt auf roten Teppichen und im Scheinwerferlicht gehörte nicht zu seinen Steckenpferden und seinem Erstreben. Vielmehr verstand Dr. Thomas Heiler es als Aufgabe, Kulturarbeit als Bildungsauftrag in seiner Wirkungsstätte zu begreifen.
So sagte der Leiter des Schlosstheaters Fulda, Christof Stibor, über seinen langjährigen Vorgesetzten: „Mit Dr. Heiler hatten wir in der Amtsleitung nicht nur einen renommierten Historiker, Germanisten und Archivar, sondern darüber hinaus auch einen umsichtigen, wachsamen und mit Augenmaß agierenden Experten für Kulturpolitik, ausgestattet mit einem feinen Seismographen für aktuelle Entwicklungen.“ Und die Leiterin der städtischen Musikschule Fulda, Natalya Oldenburg: „Dr. Heiler beeindruckt mit seinem Wissen, ohne dabei profilierend wirken zu wollen. Wer ihm einen Augenblick gehört, der merkt schnell: hier spricht jemand, der Kultur nicht nur verwaltet, sondern wahrhaftig lebt und auch versteht.“
Das Stadtlexikon, die Preisverleihung des Fuldaer Literaturpreis, die Villa Franz Erhad Walther und viele weitere gehen auf Dr. Thomas Heiler zurück. Der Versuch einer Ausdifferenzierung von Beruf und Privatleben wäre nach Dr. Wingenfeld bei Dr. Heiler von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. „Dr. Heiler betrachtet die Arbeit zugleich als ein Hobby, nur so ist zu erklären, dass er den Fuldaer Geschichtsverein als stellvertretender Vorsitzender mit steuert; die Vorträge und Exkursionen mit organisiert und auch als Autor zahlreicher Publikationen verfasst hat.
Dieses umfassende Engagement von Dr. Heiler als Historiker, Germanist, Archivar und Autor bringe nach Dr. Wingenfeld immer wieder zum Ausdruck, dass ihm der gewählte Beruf als tatsächliche Berufung tatsächlich immer wieder aufs Neue eine Inspiration wie auch Motivation gewesen sei. Dieser umfassende Einsatz, so Wingenfeld, sei der tiefgreifendere Grund für die Verleihung des Kulturpreises der Stadt an ihn gewesen.
Wissenschaftliches Arbeiten im Zeitalter von KI immer wichtiger
Dr. Heiler setze nach den Worten von Dr. Heiko Wingenfeld in einer Zeit der zunehmenden Spezialisierung und Ausdifferenzierung einen mit hohem Anspruch an die wissenschaftliche Korrektheit wohltuenden Kontrast an die Fuldaer Kulturlandschaft adressiert in einer klaren und verständlichen Sprache. Nicht zuletzt im Zeitalter fortschreitender Digitalisierung einhergehend mit zunehmendem Manipulationspotenzial durch KI-gesteuerte Mechanismen komme dem seriösen wissenschaftlichen Arbeiten und Archiven ein besonderer Gesellschafts- als auch Bildungsauftrag zu.
Vor dem Hintergrund seines Eintritts in den Ruhestand fertigten Wegbegleiter und Vereinskollegen des Fuldaer Geschichtsvereins eine Festschrift an, die in einer Feierstunde in Fulda an Dr. Thomas Heiler anlässlich seiner Verabschiedung als langjähriger Stadtarchivar und Kulturamtsleiter übergeben worden war. In dieser aufgeführt sind 27 Buchveröffentlichungen, bei denen Dr. Heiler als Autor, Co-Autor oder Herausgeber fungierte, 104 Publikationen sowie 153 Einträge im Fuldaer Stadtlexikon, die auf den Geehrten zurückgehen. Dies sei nach den Worten von Oberbürgermeister Wingenfeld „wahrhaftig beeindruckend“. Jüngst erschien sein aktuellstes literarisches Werk „Schlaglichter der Fuldaer Geschichte Bilder und Objekte aus 1275 Jahren“ (Parzeller Verlag).
Am 31. Januar dieses Jahres trat Dr. Thomas Heiler in den Ruhestand. Ende Januar hatte bereits der Fuldaer Geschichtsverein Heilers langjähriges Wirken mit der Herausgabe einer Festschrift unter dem Titel „Vom Wert schriftlicher Überlieferung“ in besonderer Weise gewürdigt. Darin aufgeführt sind 27 Buchveröffentlichungen, bei denen Dr. Heiler als Autor, Co-Autor oder Herausgeber fungierte, 104 Publikationen sowie 153 Einträge im Fuldaer Stadtlexikon, die auf den Geehrten zurückgehen. Dies sei nach den Worten von Oberbürgermeister Wingenfeld „wahrhaftig beeindruckend“. Jüngst erschien sein aktuellstes literarisches Werk „Schlaglichter der Fuldaer Geschichte Bilder und Objekte aus 1275 Jahren“ (Parzeller Verlag).
Dr. Heiko Wingenfeld nutzte die gestrige Gelegenheit, um sich bei dem langjährigen Kulturamtsleiter und Stadtarchivar für die 10-jährige, gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu danken, bevor er ihm für seine außerordentlichen Verdienste den Kulturpreis der Stadt Fulda überreichte.
Dr. Thomas Heiler dankte in seiner Erwiderung für die besondere Ehre, die ihm gestern zuteilwurde, stellte im gleichen Atemzug aber auch die selbstkritische Frage, ob er das wirklich verdient, genug gegeben habe. Gelte doch in seiner protestantisch-ethischen Urheimat das Credo: Kein Tadel ist Lob und Anerkennung genug. „Ich sitze normalerweise lieber in der letzten Bank und nicht in der ersten Reihe; auch meine Arbeit als Kulturamtsleiter habe ich eher als Moderator verstanden oder die eines guten Schiedsrichters“, so Dr. Thomas Heiler in seinen einleitenden Worten seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Kulturamtspreises der Stadt an seine Person.
Was von der Arbeit übriggeblieben sei, sei nach Heiler „ein gutes Spiel“ gewesen, das kleine schwarze Männchen im Trikot des Schiedsrichters sei dadurch zwangsläufig aufgefallen, so Heiler. Habe er als Archivar gesprochen, ging es ebenso wenig um ihn, als vielmehr um die Bestände, die präsentiert wurden.
Weg zur Geschichte hat Ursprung in der Biografie seines Vaters
Zu seinem Geschichtsstudium habe ihn die Biografie seines Vaters geführt. Geboren 1924, 1941 von der Schulbank in den Krieg eingezogen, führte ihn sein Weg zunächst nach Frankreich und von dort aus nach Russland, wo er verwundet und in Kriegsgefangenschaft genommen wurde. „Als er 1949 nach Deutschland zurückkehrte, brach er das Abitur ab und lernte aus der Not heraus einen ungeliebten Beruf und hat dann sein Leben so gemeistert“, erinnert sich Dr. Thomas Heiler, der als junger Mann mit der Frage an seinen Vater herantrat, warum er mitgemacht habe. „Die Fragen mussten ihm quälend vorgekommen sein, aber mehr außer ein paar Worte aus der Kriegsgefangenschaft waren nicht aus ihm herauszubekommen.
Erst im Nachhinein ist mir klargeworden, dass er gar nichts hätte antworten können. Mein Vater war neun Jahre alt, als die NSDAP an die Macht kam, mit 17 wurde er in den Krieg eingezogen; mit 25 kehrte er zurück. Da war seine Biografie bereits vorgezeichnet.“
Heiler weiter: „Dieser Krieg – und das wissen wir heute – hat natürlich auf die Biografie der Jugendlichen abgefärbt. Ich, Ende der 50er Jahre geboren, konnte mir durch das Schweigen der Eltern ein Bild zeichnen. Und so erwuchs in mir, der Wunsch, Geschichte zu studieren. Heute weiß ich, meine Vorwürfe an meinen Vater waren selbstgerecht und anmaßend.“
Im Studium erwuchs in dem jungen Studenten die Erkenntnis, dass man sehr vorsichtig sein sollte, über Menschen zu urteilen, die in anderen Zeiten gelebt haben und agieren mussten. Heiler betonte: „Im Studium galt es, nicht die Geschichte der Feldherren, Generäle oder Politiker zu erforschen, sondern Geschichte von unten machen. Sich mit der Frage auseinandersetzen: Wie war das Leben zu dieser Zeit und wie haben die einfachen Leute gelebt? Sein Doktorvater, Dr. Reiner Ziegler, vertrat die Maxime, dass man aus drei Aufsätzen keinen vierten schreiben sollte. „Er hat uns schon relativ – bereits ab dem vierten Semester – früh in die Archive geschickt“, erinnert sich Heiler.
„Es geht darum, an die Geschichte immer wieder neue Fragen zu adressieren“
„Archive sind Bollwerke gegen Fake News. Das war immer mein Credo“, konstatierte Dr. Thomas Heiler, der gestern dem Auditorium, als er sich Ende 1997 als jemand, der von auswärts kam, in Fulda bewarb, und zuerst das Finanzamt für das Fuldaer Rathaus hielt, mit dem Begriff „Stadtschloss“ als Verwaltungssitz aber wenig anzufangen wusste, auch die eine oder andere Anekdote zuteilwerden ließ und damit für ein Schmunzeln in den Gesichtern sorgte. War er auch zuvor noch niemals in Fulda gewesen, konnte er immerhin auf seine Studien und Ausbildung zum Diplom-Archivar zurückgreifen.
Dr. Thomas Heiler dankte in der Feierstunde posthum dem früheren Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger und Kulturamtsleiter und Historiker Dr. Werner Kirchhoff dafür, die Geschichte der Stadt verwalten und mitbestimmen zu dürfen. „Sie haben in mir offenbar jemanden erkannt, der für das Thema gebrannt hat“, so Dr. Heiler, dem es Motivation war, zu zeigen, wie bedeutend die fuldische Geschichte in der Vergangenheit gewesen war und in der Gegenwart ist. „Man denkt immer, dass Geschichte etwas Vollendetes sei, etwas, das man auswendig lernen kann – natürlich versuchen wir als Historikerinnen und Historiker immer neue Erkenntnisse hinzuzufügen –, aber letztlich geht es darum, immer wieder neue Fragen an die Geschichte zu stellen, und die stellen sich in unterschiedlichen Zeiten ganz anders.“
Über die Person Dr. Thomas Heiler:
1959 in Ludwigsburg geboren studierte Heiler nach dem Erlangen der Allgemeinen Hochschulreife zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim von 1980 bis 1986 zunächst Geschichte und Germanistik in Würzburg, bevor er sich von 1987 bis 1991 in München zum Diplom-Archivar ausbilden ließ. Parallel dazu studierte er von 1988 bis 1990 Geschichte, Germanistik und nordische Philologie in München. Seine berufliche Laufbahn begann er 1991 als stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Würzburg. Im gleichen Jahr begann er seine Doktorarbeit über das historiografische Werk des fürstbischöflichen Sekretärs und Archivars Lorenz Fries, die er 1998 beendete. Am 1. Mai 1998 wurde er beim Magistrat der Stadt Fulda als Leiter des Stadtarchivs angestellt. Am 1. Oktober 2011 übernahm er hinzu die Leitung des städtischen Kulturamtes. Am 31. Januar 2026 trat Dr. Thomas Heiler in den Ruhestand.
Hintergrund:
Der Kulturpreis der Stadt Fulda kann nach der städtischen Ehrenordnung für besondere Leistungen kultureller Art verliehen werden. Seit der Erstvergabe im Jahr 1960 wurden bislang 17 Persönlichkeiten mit dem Preis ausgezeichnet, um deren langjährige Verdienste auf den Gebieten der Bildenden Kunst, der Literatur oder der Regionalgeschichtsforschung zu würdigen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen unter anderem Prof. Edmund Stengel, Dr. Aloys Jestaedt, Leonhard Fessel, Ernst Kramer, Dr. Naftali Herbert Sonn, Lioba Munz OSB, Erwin Sturm, Prof. Günther Willms, Dr. Otto Berge, Gerold Effert und Walter Heller, Franz Erhard Walther und die Eheleute Helen und Prof. Tassilo Bonzel, Günter Sagan und Elmar Schick sowie zuletzt im Jahr 2023 Gisbert Seng. +++ jessica auth







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