Die Kosaken hegten eine große Vorliebe für den Oberkalbacher Schnaps

Selbstgebrannter als wertvoller Anreiz zur Stippvisite

Ins Ruppelhanse-Haus in Oberkalbach drangen die wilden Kosaken ein und machten sich bis zum letzten Tropfen über den Selbstgebrannten her. Bild: P. Bickert

Es ist die Zeit der napoleonischen Kriege. Längst haben sich die Menschen in Osthessen an die französischen Besatzer gewöhnt, führte doch die „Alte Heerstraße“ – im Mittelalter auch als „Via Regia“ bekannt – durch das Kinzigtal über Hünfeld in den Osten und galt als Hauptverbindung der französischen Streitmacht beim Russland-Feldzug.

Dieser Feldzug des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte ging mit hohen Verlusten einher, und fehlender Nachschub, Krankheiten sowie die ständigen Angriffe der Kosaken machten die verbliebenen französischen Truppen mürbe und führten dazu, dass Napoleon den Rückzug aus Russland befahl. Verfolgt von russischen Truppen und ihren Verbündeten besiegelte die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 die Niederlage der Franzosen.

Mit dem Erscheinen der Kosaken, die französische Truppen auf dem Rückzug am Distelrasen überfielen, glaubten die Menschen in der Region, dass sie von den Franzosen befreit seien und nun ihr Leben wieder selbstbestimmt aufnehmen könnten. Schließlich waren die Russen ja Verbündete Preußens. Es sollte sich aber herausstellen, dass dies ein Trugschluss war, denn die wilden Gesellen brachten nicht Befreiung, sondern Läuse und Krankheiten mit, überfielen die Dörfer, raubten Bewohner aus, stahlen das Vieh aus den Ställen und verlangten, dass die Frauen in den Dörfern für sie kochten und wuschen, so auch in Oberkalbach.

Zunächst als „Hurra Kosaka“ dort noch umjubelt und vom Schultheiß, dem damaligen Dorfoberen, persönlich begrüßt, hießen die Reiter in der Bevölkerung bald nur „die welle Russe“, und besonders die Frauen und Mädchen im Ort mussten sich verstecken, da die Kosaken ihnen nachstellten. Besonderen Gefallen hatten die wilden Reiter aus dem Osten an dem heimischen Selbstgebrannten gefunden, und so kam es, dass sie bei einer Stippvisite in Oberkalbach in eine Schnapsbrennerei einbrachen. „Dieses Haus – heute als Ruppelhanse bekannt – wurde im 17. Jahrhundert von Clas Ullrich gebaut und bewohnt. Um 1813 betrieb den Hof die Familie Glock“, erzählt Peter Heil, Geschichtsreferent und Leiter des Arbeitskreises Chronik im Heimatverein Oberkalbach. Er kann mit mancher überlieferten Geschichte zu diesen ereignisreichen Zeiten aufwarten.

So hätten die Kosaken an den im Gewölbekeller stehenden Fässern die Spundböden einfach eingeschlagen und in Ermangelung von Trinkgefäßen den Schnaps mit Stalleimern, Holzschuhen und allen erdenklichen anderen Gefäßen geschöpft und auch daraus getrunken, weiß Peter Heil zu berichten und verweist auf die Erzählungen „Erlittene Geschichte“ – Bergwinkel-Studien von Alfred Kühnert. Dieser bezog seine Informationen aus den Überlieferungen des Schlüchterner Zeitzeugen Dr. Philipp Leonhard Marius Lotich, der im Jahr 1800 geboren wurde und als Junge durch die Gegend streifte und das wilde Treiben beobachtete und aufschrieb.

So soll ein wütender Kosak einen Hieb mit dem Schwert auf den Tisch bei Ruppelhanse ausgeführt haben. Die beschädigte Stelle wurde zwar ausgebessert, den Tisch gibt es aber heute noch, ebenso wie einen alten Topf, der damals mit Schweineschmalz gefüllt von den Kosaken entwendet wurde. Der Bauer schlich tags darauf in das Lager der Russen und holte sich sein Behältnis zurück, das heute noch als Mehltopf dient. „Wir wollen die Geschichte unseres Orts im Bewusstsein der Menschen lebendig halten. Daher ist es wichtig, alten Überlieferungen und geschichtsträchtigen Gebäuden die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt Peter Heil. +++

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