Kurzweilig und interessant war der 13. Fuldaer Innovationsabend, den die Region Fulda GmbH im ITZ Fulda veranstaltete. Fünf junge Unternehmen mit teilweise ungewöhnlichen Geschäftsideen gaben ihre Visitenkarten ab vom Coffee-Bike aus dem Vogelsberg über eine Exist-Stipendiatin der Hochschule Fuldas, eine Gesundheitsschmiede und drei Hanf-Pionieren bis zur zertifizierten Waldbademeisterin. Gut 70 interessierte Besucher konnte Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda GmbH, begrüßen. Und er wartete auch gleich mit einer guten Nachricht auf. Der Landkreis Fulda ist laut hessischem Gründerreport mit einer Gründerquote von 6,14 Prozent nur noch an vorletzter Stelle in Hessen und hat damit den Lahn-Dill-Kreis überholt. Burkard sieht dies als Ansporn, die Gründerförderung in der Region weiter zu intensivieren.
Dass das Vogelsberger Wasser für einen guten Espresso zu weich ist, betonte Holger Kreb, der von Wartenberg-Landenhausen aus das Coffee-Bike Fulda betreibt, eines von etwa 200 in Deutschland. „Wir liefern Bioqualität von der Bohne bis zum Becher“, sagte der Barista. Sein Coffee-Bike ist dabei sowohl indoor als auch outdoor nutzbar. Die Arbeit der Alltagshelden auf den Bauhöfen mit maßgeschneiderten IT-Lösungen erleichtern möchte Elina Schäfer von der Elfgaben UG. Die Exist-Stipendiatin der Hochschule Fulda hat Elektrotechnik- und Informationstechnik studiert und mit dem Bauhofweb eine digitale Auftragsverwaltung programmiert, die bereits bei Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) im Einsatz ist. „Das Waldbaden als Medizin gegen das seelische Husten“, stellte Stephanie Mahr vor, die als erste zertifizierte Waldbademeisterin in der Region ihre Dienste anbietet. Der Trend des Waldbadens stammt nach den Worten von Mahr aus Japan. Im Land der aufgehenden Sonne nahmen die Waldbademeister dabei Anleihen an die Lehren von Sebastian Kneipp. Stephanie Mahr bietet die achtsamen Waldspaziergänge sowohl für Einzelpersonen als auch Gruppen an.
Die größte Hürde beim Hanfanbau ist die Bürokratie. Diese Erfahrungen mussten die drei Gründer von Green-Pioniers, Kerim Viebrock, Philipp Gärtner und Marc Graf machen, die in diesem Jahr ihre erste Ernte von sechs Hektar Hanffeldern eingebracht haben. Aus den Stengeln, Samen und Blüten wollen die drei Hanfspeiseöl, Hanfmehl, Aromaöl aus Hanfblüten und Massageöle mit Extrakten aus Hanfblättern herstellen und vertreiben. Alle Schritte sind mit der Bundesopiumstelle abgestimmt. Denn, so Gärtner, „die Zeit der Canabis-Prohibition, die 1961 begonnen hat, ist erst 2017 zu Ende gegangen“. Seitdem sei wertvolles Wissen über den Anbau und die Verarbeitung der Nutzpflanze Hanf verloren gegangen, dass sich die Green-Pioniers erst nach und nach wieder aneignen müssten. Dabei arbeiten sie auch an automatisierten Trocknungssystem und einer speziellen Erntemaschine.
Die beiden langjährigen Freundinnen, Mattea Heil und Miriam Benkner-André, haben ihren gemeinsamen Traum von einer eigenen physiotherapeutischen Praxis zum Beruf gemacht. Die beiden Physiotherapeutinnen betreiben in Neuhof im Landkreis Fulda die Gesundheitsschmiede. Mit einem breiten Spektrum an physiotherapeutischen Behandlungskonzepten, Präventionskursen und individuellen Trainingskonzepten beweisen die beiden Gründerinnen jeden Tag aufs Neue, dass Physiotherapie weit mehr bedeutet, als nur massierend auf der Massageliege zu liegen. Die Gesundheitsschmiede Neuhof, die vor zwei Jahren von Heil und Benkner-André gegründet wurde, zählt aktuell acht Beschäftigte. Die beiden Freundinnen und Vereinskolleginnen haben nicht nur in kürzester Zeit einen hohen Auslastungsgrad erzielt, sondern sich auch intensiv mit den Unternehmen und Vereinen in ihrer Heimatregion vernetzt. „Wir mögen Menschen einfach zu gern, als dass wir nur den Profit sehen“, beschreibt Mattea Heil die Firmenphilosophie der Gesundheitsschmiede. Für diesen ungeheuren Mehrwert für die Gemeinde Neuhof wurde Mattea Heil und Miriam Benkner-André im Rahmen des diesjährigen „Tages der Regionen“ in Neuhof der Gründerpreis verliehen und ihnen ein Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro überreicht. Ausgelobt erstmalig in 2019 hatte die Gemeinde diesen Preis zur Förderung der regionalen Wirtschaft. Insgesamt ist der Preis mit 15.000 Euro dotiert.
Wie Christoph Burkhard, Geschäftsführer Region Fulda GmbH, gestern Abend betonte, wolle man in Zukunft, um junge Menschen bei dem Aufbau ihrer Unternehmen sowie der Entwicklung ihrer Geschäftsideen besser unterstützen zu können, eine noch engere Verzahnung mit der Hochschule Fulda anstreben. +++ pm/ja







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