Deutscher Inklusionspreis der Wirtschaft an Fuldaer Unternehmen Bohrma verliehen

„Soziale Verantwortung und wirtschaftliches Handeln erfolgreich verbinden“

Berlin/ Fulda. „Wenn die Himmelmänner aus Fulda in Berlin einen Preis entgegennehmen, muss die Politik zurücktreten.“ Mit humorvollen Worten erklärte Michael Brand (MdB) seine Anwesenheit anlässlich der Vergabe des Deutschen Inklusionspreises der Wirtschaft 2016. Gewinner in der Kategorie „Kleine Unternehmen“ wurde der Bohrsystemhersteller Bohrma Maschinenbau Martin Himmelmann aus Fulda. Die Kunst, den richtigen Arbeitsplatz für den richtigen Menschen zu finden, das ist dem Unternehmen im Schulterschluss mit Startbahn und Perspektiva in besonderer Weise gelungen. Mit Hilfe des so genannten „Drei Phasen-Modells“ konnten nach einem Langzeitpraktikum drei Jugendliche mit Lern- und geistiger Behinderung erfolgreich einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Drei Erfolgsgeschichten, die am Donnerstag in Berlin in besonderer Weise gewürdigt wurden. Die Ehrung nahmen Geschäftsführer Martin Himmelmann, Senior Paul Himmelmann und Produktionsleiter Florian Witzel gemeinsam mit Rainer Sippel von antonius Netzwerk Mensch und dem Politiker Michael Brand entgegen.

Wie das Fuldaer Unternehmen wurden in den vergangenen vier Jahren Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen ausgezeichnet. Sie alle zeigen, dass sich Inklusion für ihr Unternehmen lohnt. Auch in diesem Jahr hat das Arbeitgebernetzwerk „UnternehmensForum“ den „Inklusionspreis der Wirtschaft“ gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Charta der Vielfalt – unter Schirmherrschaft von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles verliehen. Über 300 Gäste, Gratulanten und Laudatoren waren im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin zusammengekommen, um den Inklusionspreis der Wirtschaft in den Kategorien Große Unternehmen, Kleine Unternehmen, Konzerne und nicht beschäftigungspflichtige Unternehmen zu vergeben.

Dass das Unternehmen Bohrma in besonderem Maß soziale Verantwortung übernimmt, wurde anlässlich der Laudatio von Armin von Buttlar, Vorstand Aktion Mensch, deutlich. „Sie schaffen maßgeschneiderte Arbeitsplätze und kümmern sich vorbildlich um Ihre Arbeitnehmer.“ Gerade der Übergang von der Schule in die Ausbildung und den Beruf sei für Jugendliche mit Behinderung oft schwierig. Hier setze das Unternehmen im Schulterschluss mit dem Netzwerk Perspektiva und Startbahn an. „Gemeinsam führen Sie die Jugendlichen mit Behinderung an den Beruf heran, qualifizieren sie und übernehmen sie in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit einer dauerhaften beruflichen Perspektive.“ Als langfristig und gleichermaßen nachhaltig lobte von Buttlar das Engagement, das in der Philosophie des Unternehmens fest verankert sei.

Bohrma gehört zum Unternehmernetzwerk Perspektiva, zu dessen Mitbegründern Paul Himmelmann zählt. Dass Perspektiva für den inklusiven Arbeitsmarkt in Fulda stehe und durch seine Arbeit zur Verwirklichung von Inklusion in Fulda beitrage, erläuterte Rainer Sippel, Geschäftsführer von antonius Netzwerk Mensch, anlässlich der Ehrung. „Dreh- und Angelpunkt ist dabei immer der Kontakt zu den Unternehmern, die bereit sind, soziale Verantwortung zu übernehmen und den Jugendlichen mit Unterstützung der Perspektiva- und Startbahn-Teams Chancen zum Einstieg in den Beruf bieten.“ Die Startbahn fokussiere den Blick auf seine Schüler. Ziel sei es, jeden Schüler fit für die Arbeitswelt zu machen, ihn bei der Berufswahl zu unterstützen, vorzubereiten und ihn beim Übergang zu begleiten. „Mit Startbahn verfolgen wir das Motto: ‚Mit Anlauf in ein selbstbestimmtes Leben‘.“ Dahinter stehe, so Sippel, das Verständnis von antonius Netzwerk Mensch, dass jeder Mensch die Freiheit habe, über sein Leben selbst zu bestimmen. „…und das Recht auf ein Umfeld hat, in dem seine Talente und Fertigkeiten erkannt, wertgeschätzt und gefördert werden.“

Im Vorfeld hatte die Parlamentarische Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller (MdB) Grüße der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, überbracht und den Preisträgern ein besonderes Kompliment ausgesprochen: „Sie haben einen klugen Blick für das Potenzial von Menschen mit Behinderungen.“ Laudatorin Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, ergänzte: „Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung als Potenzial für ihr Unternehmen sehen, verbinden soziale Verantwortung und wirtschaftliches Handeln erfolgreich miteinander.“ Keine Frage, dass nach all den Komplimenten gemeinsam gefeiert wurde und wie Rainer Sippel mit Augenzwinkern betonte, sei es selbstverständlich, dass Fulda als „inklusivste Stadt Deutschlands“ eine Vielzahl von Gratulanten nach Berlin entsandt habe. Mit von der Partie war von Seiten der Unternehmerfamilie auch Maria Erb, die gemeinsam mit Vater und Bruder erst einen Tag zuvor aus Indien zurückgekehrt war. Von Unternehmensseite ebenfalls anwesend war Marion Döppler. antonius Netzwerk Mensch wurde neben Rainer Sippel von Michaela Lengsfeld und Claudia Müller-Elskamp würdig vertreten. Weiterer Gratulant war Waldemar Dombrowski von der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda. +++

Infokasten
BOHRMA Maschinenbau: Inklusion im Netzwerk
Der Bohrsystemehersteller BOHRMA Maschinenbau aus Fulda ist Gewinner in der Kategorie „Kleines Unternehmen“: Mit Unterstützung des regionalen Netzwerkes Perspektiva und der Startbahn von antonius Netzwerk Mensch, beschäftigt es fünf Menschen mit Schwerbehinderung – und hält damit eine Beschäftigtenquote von 15,2 Prozent. Eine intensive Einarbeitungsphase der Mitarbeiter mit Lernbehinderung und geistiger Behinderung sowie ihr fähigkeitenorientierter Einsatz sind entscheidend für die gelingende Inklusion. Profitiert haben auch das Betriebsklima und die Motivation der Belegschaft – beides wichtige Bausteine für den wirtschaftlichen Erfolg.
AUDI: Inklusion mit Wertschätzung und Kommunikation
In der Kategorie „Konzern“ wurde der Automobilhersteller AUDI ausgezeichnet: Das Unternehmen setzt einen besonderen Fokus auf die Weiterbeschäftigung von Menschen mit Leistungswandlung. Um Inklusion nachhaltig zu verankern, legt AUDI Wert auf die Schulung von Führungskräften und die Förderung weicher Faktoren wie Wertschätzung und Kommunikation. Aspekte, die von der Jury besonders gewürdigt wurden. Eine transparente Informationsstruktur und Inklusionsvereinbarungen runden die Strategie des Unternehmens ab, deren Erfolg durch eine wissenschaftliche Evaluation bestätigt wurde: Teams mit einem hohen Anteil an schwerbehinderten Menschen erzeugen mehr Ideen und sind damit auch wirtschaftlich erfolgreicher, so das Ergebnis.
SRH Waldklinikum Gera setzt auf demografiefeste Personalstrategie
Mit einer Beschäftigungsquote von knapp 8,4 % unterstreicht der Preisträger der Kategorie „Großes Unternehmen“ sein inklusives Engagement. Das Klinikum mit über 1.700 Beschäftigten hat demografiefeste Personalstrategien entwickelt, um Mitarbeitende mit gesundheitlichen Einschränkungen langfristig weiterbeschäftigen zu können. Ein Frühwarnsystem und präventive Gesundheitsangebote halten die Fluktuation und das Risiko gesundheitsbedingter Erwerbsunfähigkeit bei Pflegekräften gering. Zudem hat das Waldklinikum auf Outsourcing verzichtet, um Mitarbeitenden mit geistiger oder körperlicher Behinderung eine langfristige Beschäftigung zu ermöglichen.
Tischlerei Stilfabrik*
In der Kategorie „Nicht beschäftigungspflichtiges Unternehmen“ wurde die Tischlerei Stilfabrik* aus dem nordrhein-westfälischen Neuss ausgezeichnet: Auf der Suche nach einer Fachkraft, die bei monotonen Arbeitsschritten hochqualifizierte Leistung erbringen kann, wurde Inhaber Piet Hülsmann bei einem Tischlergesellen mit Asperger Syndrom fündig. Die erfolgreiche Beschäftigung und die guten Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass Inklusion heute fest in der Unternehmensphilosophie der Stilfabrik* verankert ist – und dass der Betrieb heute zudem einem jungen Mann mit schwerer geistiger Behinderung einen passgenau abgestimmten Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.

 

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