Geisa/ Rasdorf. Am Themenabend nahmen neben der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer sowie der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie Iris Gleicke (SPD) und der Geschäftsführerin des Institutes der Wirtschaft Thüringens GmbH (IWT) und Projektleiterin des Thüringer Netztwerkes Demografie Roswitha Weitz, auch Thüringens Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee (SPD), der Landrat des Wartburgkreises Reinhard Krebs (CDU) sowie der Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg Dr. Michael Koch (CDU) teil.
Der demografische Wandel stellt insbesondere strukturschwache ländliche Regionen vor gewaltige Herausforderungen. Die Abwanderung der Jugend sowie die Schaffung attraktiver Lebensbedingungen, sind eine große Herausforderung für die Kommunen in Ost und West. Hier kommen individuelle Lösungsansätze zum Tragen, diese auch grenzüberschreitende Kooperationen und unterschiedliche Erfahrungen nutzen. Auf gestriger Veranstaltung aus der Reihe „Alte Länder, neue Länder – gemeinsame Herausforderung und Perspektiven“, diese anlässlich zum Jubiläumsjahr der 25-jährigen Deutschen Einheit von der Deutschen Gesellschaft e. V. – unterstützt durch die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie – in Kooperation mit der Point Alpha Akademie Geisa initiiert wurde, rückten u. a. Fragen, wie es beispielsweise gelingen könne, auch in schrumpfenden und alternden Kommunen und Landkreisen – eine bedarfsgerechte, infrastrukturelle Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und dabei die Lebensqualität zu erhalten und womöglich zu verbessern, ins Zentrum der politischen Kontroverse, wobei sich die interkommunale Zusammenarbeit über Gemeinde-, Landkreis- und Ländergrenzen als markanter Themenschwerpunkt erwies.
Nach der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie Iris Gleicke – sei der Demographische Wandel nicht etwa eine neuzeitige Entwicklung; Es habe ihn auch schon zu DDR-Zeiten gegeben, auch wenn – so Gleicke – „es damals mehr Kinder gegeben habe, so war diese Zeit dennoch von einem signifikanten Geburtenrückgang geprägt.“ In diesem Kontext sprach Gleicke von einem Echoeffekt: „Dieses Phänomen wirkt etwa so, wie ein Echoeffekt – was bedeutet, dass, wenn es immer weniger Kinder gibt, so wird es auch immer wenigere – bis irgendwann gar keine – Mütter mehr geben, sodass wir uns irgendwann in einer ‚Gleichzeitigkeit von Entwicklung‘ befinden“, so die Staatssekretärin. Ebenfalls umsorgt zeigte sich gestern Abend der Landrat des Wartburgkreises: „Ich habe lange Zeit auf Ankündigung des Wandels – durch unsere großen Politiker gewartet – wenn wir uns aber doch einmal besinnen, so müssen wir einsehen, dass wir uns doch schon längst mitten in diesem befinden“, so Reinhard Krebs. Auf die Frage, wie der Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg den Unterschied zwischen Ost und West – im Einhergehen des Demografischen Wandels sieht, bekundete dieser folgendes: „Hessen ist gewachsen, Thüringen geschrumpft – Wir als Landkreis haben von der Wende stark profitiert, haben dementsprechend gewonnen. Wir beschäftigen viel mehr Menschen, als wir Bewohner haben. Dies bringt allerdings aber auch Schattenseiten mit sich, wie zum Beispiel die Problematik der Abwanderung in Thüringen.“
Doch ist es überhaupt noch zeitgemäß – Ost und West miteinander zu vergleichen? Thüringens Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft gibt Antwort: „Als Erstes möchte ich ihnen sagen, dass die Floskel ‚Ost und West‘ oder ‚Wende‘ nicht zu meinem Sprachgebrauch gehört; Ich spreche dann doch lieber vom ‚Goldenen Herbst‘ oder der ‚Friedlichen Revolution‘. Auf ihre Frage bezogen, kann ich nur sagen, dass es nichts bringt, immer wieder ‚dieses Ost und West‘ zu vergleichen. Wenn man Vergleiche ziehen möchte, dann muss man das auf regionaler Ebene tun“, entgegnete Tiefensee. „Für mich, den Demografischen Wandel zu begreifen und ihn als Chance zu sehen, ergibt sich meiner Meinung nach – durch eine doppelte Strategie, diese sich zum einen – durch das ‚Beeinflussen‘ – und zum anderen – durch das ‚Gestalten‘ ergibt.“ Legitim sei es für Tiefensee – gegenüber der Prognose -eine „gesunde Skepsis“ zu haben. Wie wissen, dass wir Bevölkerung verlieren und das dies Probleme mit sich bringt. Wir sollten dabei aber versuchen, den Blick auf die Wertschöpfung zu legen und uns Gedanken machen, wie wir diese angehen“, so der Sozialdemokrat weiter.
Auch kam gestern das Thema Flüchtlinge zur Sprache und wie man den Zustrom dieser – im Kontext des Demografischen Wandels – nutzen kann. Hierzu der Landrat des Wartburgkreises Reinhard Krebs: „Diese Frage kann man gar nicht so leicht beantworten – Wir als Kommune müssen natürlich in erster Linie dafür Sorge tragen, dass die Menschen ein ‚Dach über dem Kopf‘ bekommen. Da es auf einen Schlag so viele Menschen sind, weiß ich nicht, wie lange das noch möglich sein wird. Wir im Wartburgkreis – sind am Ende unserer Kapazitäten angekommen, in diesem Sinne wäre es angebracht, den Zuwachs von Asylbewerbern zu reduzieren. Natürlich sind unter diesen Menschen viele, die willig sind und sich integrieren möchten, sich dringlichst Sprachkurse wünschen, aber ich wage in diesen Sinne zu behaupten, dass Erfurt keine Vorstellung darüber hat, was in den einzelnen Kommunen überhaupt abgeht.“ In diesem Kontext sah Iris Gleicke die Zuwanderung für die Bundesrepublik als Chance, als ‚starkes Land‘ unter Beweis zu stellen, dass Deutschland diese Herausforderung meistern kann und bezog sich in diesem Sinne auf die christliche Nächstenliebe, diese Menschen – in einem ‚demokratischen Land‘ -nicht im Stich zu lassen.
Legen wir den Blick auf die Perspektiven der thüringischen Wirtschaft. Welche Möglichkeiten sehen sie, Frau Weitz, den Demografischen Wandel, ‚pro aktiv‘ zu gestalten? Roswitha Weitz: „Hier gilt es besonders einen ‚gesonderten Blick‘ auf die kleinen Unternehmen (50 Mitarbeiter) zu legen. Man muss sich die Unternehmen, konkreter – die Qualifikationen der Mitarbeiter – genau anschauen und sich die Außendarstellung dieser Unternehmen anschauen. Viele kleine Unternehmen denken, dass alles perfekt ist und es keiner gesonderten und besonderen Marketingstrategie bedarf, aber das ist Unsinn. Man muss, um wettbewerbsfähig sein zu können, Marktanalyse betreiben, um andere Regionen auf dieses Unternehmen aufmerksam zu machen. Oftmals denken kleinere Unternehmen an so etwas nicht, was wiederum für eine schlechte Nachfolgeregelung spricht.“ Wichtig, dem Demografischen Wandel entgegenzusteuern, sieht Wolfgang Tiefensee auch in der Sensibilisierung von der Vereinbarkeit von Familien und Beruf und darin, dass dies wohl möglich sei. Außerdem sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft die Schulabbrecher-Quote reduzieren können und wie es uns gelingt, Langzeitarbeitslose in den Berufsstand zu bringen. Die Digitalisierung der Gesellschaft hält Staatssekretärin Gleicke für eine Chance dem Demografischen Wandel entgegenzusteuern. Des Weiteren sieht Gleicke es als wichtige Aufgabe, jungen Menschen, den Sinngehalt der Wertschöpfungskette zu erörtern. +++ fuldainfo | jessica auth
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