Auf das hessische Gastgewerbe kommen große Herausforderungen zu. Die größte sei die Energiekrise, erläuterte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hessen, Julius Wagner gegenüber fuldainfo.de. Weiter sagte Wagner: „Die Sorgen vor dem Winter sind groß. Die Branche blickt zwar auf einen starken Sommer zurück, hat aber von Januar bis September 2022 immer noch mit einem Umsatzverlust gegenüber demselben Zeitraum 2019 von über 16 Prozent zu kämpfen.
Angesichts fehlenden Personals und explodierender Kosten ist die Lage im hessischen Gastgewerbe angespannt. Die gute Botschaft ist: Unsere Betriebe sind ohne Einschränkungen geöffnet und bereiten sich allen Herausforderungen Stand haltend auf die Vorweihnachtszeit vor. Dabei ist es aktuell ein Spagat, die Preise nicht so zu erhöhen, dass sich die Menschen die Übernachtung oder den Restaurantbesuch nicht mehr leisten können und gleichzeitig mit den gewaltigen Kostensteigerungen zurechtkommen müssen. Noch gelingt dies mehrheitlich. Doch mit Blick auf die Energiekosten sind wirksame Maßnahmen der Bundesregierung dringend erforderlich.
Wir appellieren in diesen Tagen massiv an die Politik, nicht nur die geplanten Energiekostenzuschüsse schnell und vor allem unbürokratisch auf den Weg zu bringen, sondern insgesamt für bezahlbare Energie zu sorgen. Dies werden die entscheidenden Parameter sein, um Betriebsaufgaben im großen Stil zu verhindern. Auch die temporäre Aussetzung der Insolvenzantragspflicht – in den Corona-Lockdowns ein bereits wirksames Mittel – gehört dazu. Allerdings sorgen sich nach unserer jüngsten Unternehmensbefragung rund 72 Prozent der gastgewerblichen Betriebe aufgrund der hohen Energiekosten um ihre Existenz. Unser Ziel ist es, die Vielfalt und Stärke von Hotellerie und Gastronomie in Hessen mit aller Kraft zu erhalten und Insolvenzen zu verhindern. Dafür brauchen wir beherztes politische Handeln.“
Auf die Frage, ob sich die Preise in der Gastronomie verdoppeln könnten, sagte uns Wagner: "Ohne staatliche Zuschüsse zu den gewaltigen Energiekosten ist das sogar angesichts aller übrigen Kostensteigerungen (Löhne, Lebensmittel etc.) moderat gerechnet. Doch klar ist auch: die Preise in Hotels und Gastronomiebetrieben treffen aktuell auf Gäste, die genauso mit stetig steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert sind. Eine Einpreisung der steigenden Kosten stößt also auf Grenzen."
Die Frage, welche Folgen es hätte, wenn auch nur 15 Prozent die Krise nicht überstehen würden, erläutere der Hauptgeschäftsführer der Dehoga Hessen, dass dies nicht passieren dürfe. "Genauso wie Bäckereien, Metzgereibetriebe oder die vielfältige Club- und Veranstaltungswirtschaft müssen nun schnell temporär wirksame Maßnahmen für die Unternehmen umgesetzt werden, die eine solche Pleitewelle verhindern. Wir haben gemeinsam mit Gästen, Mitarbeitern und der Politik über neun Monate Schließung (Lockdown) überstanden. Jetzt gilt es, das über zwei Jahre Erreichte nicht angesichts der Energiepreiskrise aufs Spiel zu setzen. Das würde Menschen in die Arbeitslosigkeit stürzen, Betriebe zerstören und uns alle viel mehr kosten", so Wagner gegenüber fuldainfo.de +++
