Daniel Reith aus Flieden ist ruhelos und ständig auf Achse

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Es gibt Menschen in Osthessen, die umtriebig sind. Sehr umtriebig.Hier ein Hobby, da eine Leidenschaft, dort etwas für die Gemeinschaft. Da passt doch nichts mehr rein in ihr Zeitmanagement –  um die neudeutsche Begrifflichkeit zu gebrauchen. Doch all das scheint nichts gegen die Herz-Tätigkeiten des Fliedeners Daniel Reith. Sein Tag hat, so gewinnt man den Eindruck, mehr als 24 Stunden. Neben seinem beruflichen Engagement als Vertriebsleiter der Metzgerei Robert Müller in Rückers ist er Spielausschuss-Vorsitzender und Jugendleiter bei den Fußballern des SV Flieden – und seit eineinhalb Jahren gehören seine Kopf-Gedanken der Kommunalpolitik. Er ist mit-treibende Kraft der FDP. Am 15. März sind  Kommunalwahlen. Den folgenden Artikel aber damit in Verbindung zu bringen, ist nicht angebracht.

Wir sitzen noch nicht lange zusammen bei unserem Termin, da meldet sich ein alter Bekannter. Es ist Gerhard Röhrig, Ex-Torjäger des SV Flieden. Mit ihm spielte Daniel Reith altersbedingt zwar nicht mehr zusammen, aber er arbeitete an seiner Seite. Zweieinhalb Jahre. Schnell lebt und verfestigt sich der Eindruck: Reith, der ist doch bekannt wie ein bunter Hund. Kann man wohl sagen. Widmen wir uns zunächst seiner Liebe SV Flieden. Ab der Saison 2011/12 stieg der heute 37-Jährige ein am Weiher, als Co-Trainer von Harald Klitsch bei den A-Junioren. Nicht schlecht, möchte man meinen, gleich in der Vorstufe des Männerfußballs. Nach einem Jahr übernahm er das Amt des Jugendleiters. „Das war ich vier Jahre“, sagt Reith wie aus der Pistole geschossen. 2014 zog es ihn nach Kressenbach; Jochen Maikranz war dort Trainer. Nach dreijährigem Engagement ging Reith zurück zum SV Flieden.

Hier übernahm er Verantwortung in der Sportlichen Leitung – zunächst überwiegend in der Zweiten, nach einem halben Jahr aber auch in der Ersten. Das genaue Datum: 18. Oktober 2018. Coach war Meik Voll; Reith übernahm von Jochen Koppel, der später zusammen mit Voll zurücktrat. Als sich dies ereignete, rückten andere in den Fokus: Sascha Gies, der an der Seite der Torjäger-Institution Fabian Schaub so manches Tor für „die Blauen“ schoss, sprang bei der Ersten in die Bresche und übernahm sie für drei Spiele – bis mit Zlatko Radic eine echte Trainer-Institution aufschlug; Reiths Kollege Frank Happ reiste mal nicht um die Welt, er hatte Radic verpflichtet.

Im Winter 2019 wechselte Daniel Reith zur SG Schlüchtern. Vier Monate nur blieb er an der Auwiese – eine erlebnisreiche Zeit. Ex-Borusse Bardo Hirsch ging – und Reith holte Marc Friedel als Trainer. Danach aber – und mit Beginn der Corona-Zeit – pausierte Reith. Fast fünf Jahre lang. „Es war eine schöne Zeit“, sagt er heute, „ich habe da auch meine Frau kennengelernt. Außer meiner Schiedsrichter-Tätigkeit habe ich da nichts gemacht.“ Daniel Reith fällt es leicht, darüber zu reden; so, als sei es wichtig und nötig gewesen. Eine wesentliche Etappe seines Lebens. Die Pause dauerte bis April 2025 an. Frank Happ überredete ihn und holte ihn zurück ins Boot. Reith füllte die Ämter des Jugendleiters und des Spielausschuss-Vorsitzenden (das hatte Markus Kullmann, der auch heute noch im Amt ist, gemacht; Martin Hohmann war zuvor Sportlicher Leiter) aus.

Warum an dieser Stelle so detailliert von Reiths Stationen und Tätigkeiten am Weiher die Rede ist? Weil sein Herz dranhängt – und er es schon so oft auf dem Platz ließ. „Jetzt bin ich wieder drin. Es macht wieder Spaß“, betont er, „das Umfeld. Fußball allgemein. Ich freue mich auch mega auf die neue Saison.“ Sicher auch, weil der SV Flieden gut aufgestellt scheint für die nähere Zukunft. Christian Kreß bleibt Coach der Ersten in der Verbandsliga, unterstützt wird er von Dennis Leinweber. Neu am Weiher ist auch Kevin Muth, der Spieler der Ersten sein wird und sich als Coach auch den A-Junioren annimmt; neue Spieler sind dann Thomas Fabrizius aus Horas und Torwart Niklas Kircher. Deniz Yilderim tritt bei der Zweiten an; Leander Auth hilft und Oli Schmidt mit Aufgaben der Verbindung zum Nachwuchs helfen ihm. Tobias Herbert ist jener, der Muth bei den A-Junioren unter die Arme greift. Der angesehene Sascha Rumpeltes kümmert sich um die B-Junioren. Sebastian Karger und Markus Crost nehmen sich der C-Junioren an, Dirk Hinkelmann tut dies bei den D-Junioren. Im unteren Altersbereich des Nachwuchses – E-, F- und G-Junioren – befinde man sich noch in der Findungsphase bei der JSG Flieden/Schweben.

Daniel Reith ist auch als Schiedsrichter für den SV Flieden im Einsatz. 2008 machte er seinen Schiri-Schein, bisher pfiff er etwa 750 Spiele für den SVF, bei dem er natürlich auch die Betreuung der Schiedsrichter übernimmt. Geht noch mehr „Ehrenamt“, wenn man diese eher realitätsferne Begrifflichkeit verwenden will; man hat den Eindruck, dass sich Deutschland etwas dahinter versteckt, das Engagement ist nicht mehr zeitgemäß – und im sogenannten Ehrenamt tätig zu sein, ist heutzutage vielfach wie ein zweiter Job. „Irgendwie sehe ich mein Engagement beim SV Flieden schon wie ein Lebensgefühl“, sagt Daniel Reith noch, „wenn ich nicht verheiratet wäre, würde ich sagen, wie eine Beziehung“.

Auch dazu ist der Fußball in Flieden gut: Er schlägt eine Brücke zur Politik. Und Daniel Reith geht diesen Weg der Verbindung. „Christian Kreß und Marius Sievers kandidieren für die CDU – ich und andere für die FDP. Das ist aber kein Problem. Wir harmonieren im Verein“, betont Reith. Gegenwärtig und vor den Kommunalwahlen habe die CDU zwölf Sitze, seine FDP einen. Seit eineinhalb Jahren ist er dabei, „um das Leben der Gemeinde Flieden – ob jung oder alt – attraktiv mitzugestalten“, wie Reith es selbst formuliert. Er habe sich „in den letzten sieben oder acht Jahren immer mal Gedanken gemacht“ und sich damit beschäftigt. Der Entschluss, kommunalpolitisch tätig zu werden, sei gereift. Auch die Überzeugung, „nicht nur zu meckern, sondern auch Themen mit anzupacken. Themen, die von Interesse der Bürger sind. Für die Bürger. Was die Gemeinde interessant macht, was sie braucht“. Daniel Reith eint eines: Sowohl beim SV Flieden als auch in der Kommunalpolitik setzt er sich für die Gemeinschaft und das Gemeinwohl ein. Und nicht nur in der Kerngemeinde Flieden, sondern auch in Rückers oder im kleinen Höf und Haid. Seine Worte klingen glaubhaft. Glaubwürdig. Überzeugend. Seine Botschaften erreichen Menschen. Reith ist geradeaus. Und er sagt die Wahrheit. Was heute – Hand aufs Herz – kaum noch jemand tut in Deutschlands einsilbiger, oberflächlicher, gleichgültiger Gesellschaft; fast wirkt sie gleichgeschaltet. “Ich glaube, dass sich heute keiner mehr traut, die Wahrheit zu sagen. Sobald du das tust, wirst du in eine negative Schublade gezogen.“ Daniels Worte passen. Auch dies: „In der heutigen Gesellschaft gehen viele den bequemen Weg. Aber wenn man mit dem nicht zufrieden ist, darf man nicht nur rummeckern. Sondern man sollte mitgestalten.“

Auch Verantwortung ist ein Etikett, das ihn begleitet. Und stark macht. Aussagekräftig ist es. Kanten bedeutet es. Profil hat sich entwickelt. „Verantwortung kenne ich ja schon mein ganzes Leben. Nicht nur beruflich.“ Und er gibt einen Denkanstoß. „Das ist das Schöne in unserer Partei und auf unserer Liste, dass wir noch jüngere Leute gefunden haben.“ 14 gehören der FDP-Liste an, fünf Personen sind nicht mal 30 Jahre alt. Daniel Reith ist Partei-Vorsitzender des Kreisverbandes Flieden, Mario Klotzsche Vorsitzender der FDP in Fulda – und stellvertretender Vorsitzender in Flieden. „Mario hat mich angestoßen, das zu machen“. Und wie war das, was ging in Reith vor? „Es hat mich überrascht. Ich musste schon ein paar Tage darüber schlafen und nachdenken“, sagt er. Und wie fühlt es sich heute an? „Gut. Dass ich mich so entschieden und entwickelt habe. Es macht Spaß. Wir haben neue Leute bekommen, die sehr motiviert sind. Wir entwickeln Ideen. Wir fangen Stimmungen auf. Es ist uns wichtig, möglichst viele Personen und Bürger zu befragen. Denn das Leben in der Gemeinde Flieden ist definitiv wichtig.“

Apropos Themen. Da gibt es einige in Flieden. Etwa das Gewerbegebiet an der Autobahn. Es scheint, als liege das seit Jahren mehr oder weniger brach. Als sei dort nicht mehr so viel passiert in der jüngeren Vergangenheit. Fliedens Anbindung an die Autobahn müsse man begreifen und sich zunutze machen. Sie ist ein Thema für sich. Eine andere offene Stelle – oder soll man sagen, eine, die auch mit Leben gefüllt werden muss? Diese hier: „Seepark statt Paddelteich“ heißt der Werbeslogan. Schon seit Jahren sei dort nichts mehr gemacht worden – am Ort, der viel besucht und frequentiert wird. Eine von beiden Seiten sei ja gepflastert. Schön und gut, Stadion, Tennisplätze und Golfbahn gebe es dort. Daniel Reith jedoch steht mit seiner Meinung nicht alleine da: „Das Gelände müsste aufgehübscht werden. Man könnte dort auch ein gastronomisches Angebot hinbekommen. Eines, das auch abends geöffnet ist.“ Weiteres wichtiges Thema in Flieden: das Gebäude der TV-Halle zu erhalten. Hier finden Veranstaltungen wie Karneval etc. statt – es gebe Räume für Leichtathletik, Judo oder Yoga. „Es ist in unserem Sinne, darin zu investieren“, verdeutlicht Reith, es sei wichtig, das Bestands-Gebäude zu erhalten anstatt einen Neubau anzustreben. Man habe für die Gesamt-Gemeinde ein sehr gutes Konzept und sehr gute Ideen.

Dazu gehört auch dies: „Wir streben nach der Wahl alle zwei oder drei Monate einen öffentlichen Stammtisch an. Eine Plattform für Bürger, bei der und über die sie sich einbringen können. Da müssen wir ansetzen. Das ist wichtig.“ Wie sein Gefühl für den Tag des 15. März sei? Er könne es noch nicht so sagen, vermittelt Reith. „Wir hatten zuletzt 4,7 Prozent. Wir hoffen, das zu verdoppeln.“ Wichtig werde es sein, so schiebt er nach, dass die CDU nicht die absolute Mehrheit erreiche, „das ist für die Gemeinde Flieden das Wichtigste“. Eines aber schält sich heraus: Daniel Reith ist ein Mann aus dem Volk. Und für das Volk.

Ach ja, wie viele Stunden müsste denn jetzt der Tag haben für ihn? „Jeden Tag denke ich, er könnte mehr Stunden haben.“ Der Eindruck kommt rüber: Reith wird nicht müde. Und jene Stunden, die unser Termin in Anspruch nimmt, die holt er natürlich abends nach. Sein Pensum ist selbstredend umfangreich. Fast aufgebläht. „Zehn Stunden gehen täglich für die Arbeit drauf. Sechs davon im Büro. Abends nochmal einige. Der SV Flieden – am Samstag möchte die Erste in der Verbandsliga im Heimspiel gegen den FV Lichtenau mannhafter auftreten als zum Auftakt gegen den SV Steinbach – ist mit 15 Stunden pro Woche dabei. „Meine Frau hat viel Verständnis“, lobt er seine bessere Hälfte. Ende April erwarten er und seine Frau ihr erstes Kind. Auch da läuft es also.

 „Mein Beruf ist mein Hobby“, sagt er denn auch stolz, „ich liebe und lebe das ja. Ich fahre jeden Morgen gern an die Arbeit“. Am Morgen unseres Termins war er schon um sechs Uhr im Büro. Drei Tage in der Woche ist er im Büro, zwei Tage im Außendienst. Und er hat viel zu tun. Kundenbetreuung, Zahlen zu entwickeln, das Unternehmen zu entwickeln. „Wenn du die Verantwortung hast, willst du es ja auch nach vorne bringen.“ Mit diesen Worten schließt er seine Betrachtung. Daniel Reith lässt sein Herz nicht nur am Spielfeldrand. Er ist umtriebig. Mehr als das. Ruhelos. Ständig auf Achse. Auch für sich? Für andere und die Gemeinschaft. Bestimmt. +++ rl


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