Cybersicherheit im Fokus: Hessen will Kommunen besser gegen digitale Angriffe schützen

Hessen
Foto: Jörg Halisch

Innenstaatssekretär Martin Rößler hat am heutigen Freitag den neunten Cybersicherheitsgipfel Hessen im Marburger „Lokschuppen“ besucht. Unter dem Motto „80 Jahre Hessen – Cybersicherheit in der Zeitenwende“ kamen dort Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie nationale und internationale Expertinnen und Experten zusammen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Cybersicherheit, die zunehmende Bedrohungslage im Cyberraum, neue technologische Entwicklungen sowie die Frage, wie insbesondere die hessischen Kommunen ihre Cybersicherheit und Widerstandsfähigkeit stärken können.

Rößler eröffnete den Cybersicherheitsgipfel mit einem Grußwort. Mit Blick auf das 80-jährige Bestehen Hessens verwies er darauf, dass sich das Land in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auf neue Herausforderungen eingestellt habe. Neben der physischen Infrastruktur müssten heute auch die digitalen Lebensadern geschützt werden. Verwaltung, Energieversorgung, Gesundheitswesen, Bildung und Wirtschaft seien zunehmend digital miteinander vernetzt. Cybersicherheit sei deshalb zu einem unverzichtbaren Bestandteil staatlicher Daseinsvorsorge geworden.

Nach Einschätzung des Innenstaatssekretärs hat die Bedrohungslage im Cyberraum ein neues Ausmaß erreicht. Cyberangriffe würden professioneller und stärker automatisiert durchgeführt und seien zunehmend von geopolitischen Interessen geprägt. Künstliche Intelligenz und die globale Vernetzung böten große Chancen, brächten aber gleichzeitig neue Risiken mit sich. Gegen diese müsse sich die Gesellschaft entschlossen wappnen.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei nach den Worten Rößlers den Kommunen zu. Wenn digitale Systeme ausfallen oder angegriffen werden, können die Folgen unmittelbar für die Bürgerinnen und Bürger spürbar sein. Mit dem Hessen CyberCompetenceCenter, Hessen3C, unterstützt das Land die Kommunen deshalb bei der Prävention und Bewältigung von Cybersicherheitsvorfällen. Gleichzeitig würden die bestehenden Unterstützungsangebote kontinuierlich weiterentwickelt.

Auch der Zukunftspakt zwischen Land und Kommunen soll nach Angaben des Innenstaatssekretärs zu mehr Cybersicherheit beitragen. Der Aufbau einer einheitlichen und resilienten IT-Infrastruktur mit hohen Sicherheitsstandards könne Kommunen entlasten und einen gezielteren Einsatz vorhandener Ressourcen ermöglichen. Darüber hinaus bringen Formate wie die Hessische Cybersicherheitsplattform hochrangige Akteure aus unterschiedlichen Bereichen der Cybersicherheit zusammen.

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Cybersicherheitsgipfels war die Vorstellung eines neuen Pilotprojekts zur Analyse verdächtiger Anhänge. Rößler wirkte an der Präsentation des Projekts „Sandbox“ zur Stärkung der kommunalen Cybersicherheit mit. Die von der Hochschule Fresenius gemeinsam mit dem Hessen3C entwickelte „Sandbox“ ist ein geschützter digitaler Testraum. Dort können verdächtige E-Mail-Anhänge und Dateien untersucht werden, ohne dass sie dabei Schaden anrichten können.

Rößler bezeichnete die „Sandbox“ als praxisnahe Lösung, die auf Cybersicherheit und digitale Souveränität ausgerichtet sei. E-Mail-Anhänge oder Links, hinter denen sich Schadsoftware verberge, seien der häufigste Einfallsweg für Cyberangriffe auf Behörden. Die „Sandbox“ biete Kommunen eine sichere Möglichkeit zur Analyse solcher Dateien.

Das Pilotprojekt zeige zudem, dass Wissenschaft und Verwaltung gemeinsam innovative Lösungen für die Cybersicherheit entwickeln könnten, erklärte Rößler. Er dankte den Beteiligten, die das Projekt angestoßen und bis zum Beginn der Pilotphase weiterentwickelt hätten. Cybersicherheit brauche Kooperation. Die Zusammenarbeit des Landes Hessen und der Wissenschaft in diesem Bereich habe Vorbildcharakter und könne auch andere Stellen dazu bewegen, sich stärker zu vernetzen und damit die IT-Sicherheit zu verbessern.

Hessen verfügt mit dem Hessen3C über eine zentrale Anlaufstelle für Informations- und Cybersicherheit. Die Einrichtung unterstützt insbesondere die hessischen Kommunen bei der Vorbeugung und der Bewältigung von Cybersicherheitsvorfällen. Mit Beratung und weiteren Unterstützungsangeboten soll die Widerstandsfähigkeit der kommunalen IT-Strukturen kontinuierlich verbessert werden.

Zu den laufenden Maßnahmen gehört auch die Entwicklung einer Sandbox gemeinsam mit der Hochschule Fresenius auf Grundlage von Open-Source-Software. Sie soll dabei helfen, Schadsoftware frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus bietet das Hessen3C den Kommunen kostenfrei die Möglichkeit, sich an die Malware Information Sharing Platform, kurz MISP, anzubinden. Über die Plattform können Informationen über Cyberbedrohungen ausgetauscht und sicherheitsrelevante Erkenntnisse gemeinsam genutzt werden.

Mit dem Kompass-Cybersicherheitssiegel steht zudem ein Instrument zur Verfügung, mit dem das Engagement von Kommunen für eine systematische Verbesserung ihrer Cybersicherheit sichtbar gemacht und gewürdigt werden soll. +++


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