Vor der anstehenden Wiederwahl von Kanzler Friedrich Merz zum Parteivorsitzenden wächst in der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) die Debatte über Führung und Kurs – doch der Sozialflügel der Partei ruft eindringlich zur Geschlossenheit auf. Der Vorsitzende der Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, warnte die Delegierten des Parteitags eindringlich vor einer offenen Führungsdiskussion.
„Eine Führungsdebatte können wir nicht gebrauchen“, sagte Radtke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor dem Hintergrund verbreiteter Unzufriedenheit in Teilen der Partei mit dem Kanzler und der Koalition. Die CDU müsse jetzt geschlossen auftreten und dürfe sich nicht in interne Machtkämpfe verstricken.
Auch mit Blick auf die Vorstandswahl an diesem Freitag erwartet Radtke keinen Rückschlag für Merz. „Ich denke nein. Die CDU ist eine sehr disziplinierte Partei“, sagte er. Es bringe nichts, aus einer momentanen Stimmung heraus „ein Mütchen am Führungspersonal zu kühlen“. Solche Reaktionen stünden anderen Parteien besser zu Gesicht als der CDU, machte der CDA-Chef deutlich.
Rückendeckung für den Kanzler kommt auch aus den Reihen der früheren Parteiführung. Der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz sieht in der Ankündigung von Merz, voraussichtlich „eine längere Zeit“ im Amt bleiben zu wollen, ein bewusst gesetztes Signal an mögliche parteiinterne Konkurrenten. Gegenüber der Rheinische Post erklärte Polenz, jetzt sei nicht die Zeit für ein „Schaulaufen von Kronprinzen“.
Angesichts des „Geredes“ innerhalb der Union sei es richtig gewesen, dass sich Merz vor dem CDU-Parteitag entsprechend positioniert habe, so Polenz weiter. Deutschland brauche gerade mit Blick auf außenpolitische Bedrohungen vor allem Stabilität in der Regierung. Spekulationen über die Zeit nach der nächsten Bundestagswahl in drei Jahren seien daher „völlig fehl am Platz“. Merz wolle solche Diskussionen frühzeitig im Keim ersticken.
Der 70-jährige Kanzler hatte am Mittwochabend bei einer Wahlveranstaltung in Trier selbst seine Ambitionen unterstrichen. „Ich habe schon noch vor, das eine längere Zeit zu machen“, sagte Merz. Dabei verwies er auch auf seinen Vater, der im Januar 102 Jahre alt geworden sei – ein Hinweis, der seine langfristigen Pläne zusätzlich unterstreichen sollte. +++

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