Bürgerliste vor Ort: Vom Fichtensterben zum Mischwald – Eichenzell stellt die Weichen

Bl eichenzell

Die Wälder in Hessen stehen weiterhin unter massivem Druck. Dürreperioden, Stürme und Schädlingsbefall haben in den vergangenen Jahren große Flächen geschädigt und vielerorts zu instabilen Beständen geführt. Auch in Eichenzell sind die Folgen des Klimawandels unübersehbar: geschwächte Fichtenbestände und eine konsequente Umstellung auf klimaangepasste, widerstandsfähigere Mischwälder prägen das Bild.

Bei einer rund zweieinhalbstündigen Waldbegehung verschaffte sich die Bürgerliste gemeinsam mit dem Förster der Gemeinde Eichenzell, Leopold Haberl, einen umfassenden Eindruck von der aktuellen Situation. Organisiert wurde der Termin von Dieter Kolb aus Rothemann. Zum Auftakt erläuterte Haberl seine Aufgabenbereiche: Im Auftrag der Gemeinde betreut er den Gemeindewald Eichenzell und ist als Förster behördlich zuständig. Im Landeswald trägt er darüber hinaus betriebswirtschaftliche Verantwortung. Zudem kann er – sofern beauftragt – auch für Kommunen, Privatwaldbesitzerinnen und Privatwaldbesitzer sowie Genossenschaften wirtschaftlich tätig werden.

Im Mittelpunkt der Begehung stand die Richtlinie zum klimaangepassten Waldmanagement mit ihren zwölf Kriterien. Anhand des entsprechenden Papiers erklärte Haberl anschaulich, was diese Vorgaben in der Praxis bedeuten. Dazu gehören Naturverjüngung statt künstlicher Pflanzung, der Einsatz standortheimischer und klimastabiler Baumarten, der Verzicht auf Kahlschläge sowie die gezielte Förderung von Totholz zur Stärkung der Biodiversität. Auch die Ausweisung sogenannter Habitatbäume zählt zu den Maßnahmen. Immer wieder verwies der Förster auf konkrete Flächen im Gemeindewald, auf denen diese Ansätze bereits umgesetzt werden.

Beim Rundgang stand insbesondere der Aufwuchs junger Bäume im Fokus sowie die Frage, welche Arten künftig den Wald prägen sollen. Nach Einschätzung Haberls sind Mischbestände mit klimaresilienten und standortgerechten Baumarten entscheidend, um langfristige Stabilität zu erreichen. Zugleich wurde ein zentrales Problem deutlich benannt: Ein zu hoher Wildbestand führt zu verstärktem Wildverbiss, der die natürliche Verjüngung erheblich beeinträchtigt und den dringend notwendigen Waldumbau erschwert.

Darüber hinaus erläuterte Haberl den Begriff der „Pflege“ im forstlichen Sinne. Gemeint sind gezielte Eingriffe in den Baumbestand, um stabile und zukunftsfähige Wälder zu fördern. Dabei bewegen sich Forstleute in einem komplexen Spannungsfeld zwischen ökologischen Anforderungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und praktischer Umsetzbarkeit.

Die Atmosphäre während der Begehung war geprägt von Offenheit und regem Austausch. Die Teilnehmenden stellten zahlreiche Fragen und diskutierten intensiv über Herausforderungen und Lösungsansätze. „Unser Wald ist Lebensraum, Klimaschützer und Erholungsort zugleich. Es ist wichtig, dass wir uns vor Ort ein eigenes Bild machen und die Zusammenhänge verstehen“, betonte Organisator Dieter Kolb.

Für die Bürgerliste ist der Wald ein zentrales Zukunftsthema des kommunalen Naturschutzes. Nachhaltigkeit und Umweltschutz begleiten ihre politische Arbeit seit Langem – etwa beim Einsatz für Blühwiesen, in der kritischen Auseinandersetzung mit der Verwendung von Glyphosat im Gemeindegebiet, bei der Entwicklung nachhaltiger Baugebiete, beim Thema Lichtverschmutzung, beim Lärmschutz oder beim Hochwasserschutz.

Die Waldbegehung habe eindrücklich gezeigt, so das Fazit der Beteiligten: Naturschutz beginnt vor Ort – und er braucht Fachwissen, Dialog und klare politische Prioritäten. +++


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