Belegschaft von Möbelstadt „Sommerlad“ ging auf die Straße

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Demonstration durch Fulda

Fulda. Am heutigen Montagvormittag fand im osthessischen Fulda im gleichnamigen Landkreis eine Demonstration der Sommerlad-Mitarbeiter statt. Mehr als 100 Menschen zogen vom Landratsamt zur hiesigen Zeitung in die Frankfurter-Straße. Am Landratsamt wurde der Landrat des Landkreises Fulda Bernd Woide (CDU) aufgefordert, die Interessen der Region zu vertreten, anstatt auf engstirnige eigene Ziele zu verharren. „Woide sollte endlich ernst mit dem Statement an die Belegschaft machen und sich für die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Region einsetzen. Wir werden auch in Zukunft, diesen ’schwarzen Tag der Politik‘ in unserer Region, anprangen. Wir werden nicht still“, so Betriebsratsvorsitzender Karsten Simon.

Anschließend zogen die Sommerlad Beschäftigen über die Bahnhofstraße, über den Uniplatz und die Löhrstraße in der Fuldaer Unterstadt, zur hiesigen Zeitung, um dort Lautstrak gegen die Berichterstattung im Kontext der Thematik zu demonstrieren. In der Frankfurter-Straße angekommen, wurde das Tor zum Betriebsgelände demonstrativ geschlossen. Der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Fulda Rolf Müller erklärte: „Ich habe ja schon öfter am Tor der hiesigen Zeitung gestanden und ich muss sagen, dass sich diese Zeitung, als eigentliche ‚Heimatzeitung‘, nicht mit Ruhm bekleckert, weil sie im Grunde nichts anders macht, als diese Hofberichterstattung über das, was Landrat und mit ihm andere Regierende, so von sich geben. Auch muss ich sagen, immer, wenn ich hier bin, ist das Tor zu. Die Zeitung, die sich ja als ‚Heimatzeitung‘ bezeichnet, hat Angst vor der Bevölkerung. Ein Grund, warum diese Demo vor den Toren der Zeitung endetet, ist die einseitige Berichterstattung.“

Chefredakteur des Blattes Michael Tillmann und Dr. Volker Nies, Redakteur und Repräsentant der heimischen Zeitung, wie er in der Region von vielen genannt wird, wurden aufgefordert, ihre goldenen Ehren-Urkunden, für „herausragende, einseitige Berichterstattungen“ entgegenzunehmen. In der vorgetragenen Laudatio hieß es: „Die in ihren Artikeln zu findende Vermischung von objektiven Fakten und subjektiver Meinungen, ist ein Lesegenuss der ganz besonderen Art. Vor allem, das Weglassen wesentlicher Information, die für eine Meinungsbildung bei der Leserschaft nötig wären, zollt unseren Respekt. Auch würde die Werbung passgenau auf die redaktionellen Inhalte abgestimmt. Weiter wurde in der Laudatio angesprochen, dass treue Leser mit einem Coupon des Lieblingsmöbelhauses belohnt werde. „Journalismus heißt bei ihnen, dass, was sie oder die Werbepartner, veröffentlicht sehen wollen.“

Anfang August hatte Unternehmer Frank Sommerlad die Belegschaft des Möbelhauses in Petersberg im Landkreis Fulda darüber informiert, dass er beabsichtigt, das Möbelhaus zum 31.03.2017 zu schließen. Der Grund dafür, so Sommerlad, liege in der baulichen Konzeption des vor über 31 Jahren errichteten Hauses, das den heutigen Kundenansprüchen nicht mehr genüge und daher nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne. Betroffen von der Schließung sind rund 130 Mitarbeiter.

SPD-Kreistagsfraktion kritisiert Sommerlad-Schließung: „Stehen an der Seite der Beschäftigten“

Mit großem Bedauern hat die SPD-Kreistagsfraktion des Landkreises Fulda auf den absehbaren Wegzug des Möbelhauses Sommerlad aus Petersberg bei Fulda reagiert. „Die Entscheidung des Regierungspräsidiums, unterstützt von Landrat Woide, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wo ein politischer Wille ist, muss in diesem Fall auch ein Weg sein“, so Fraktionsvorsitzender Michael Busold. Neben den negativen wirtschaftlichen Aspekten für die Region, stellt die SPD-Fraktion vor allem die 130 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ins Zentrum, die nun ihren Job verlieren werden: „Wir stehen an der Seite der Beschäftigten, zu deren Lasten dieses fragwürdige Votum natürlich zu allererst geht.“ Außerdem sieht die SPD-Fraktion eine Schwächung für die Region. Derzeit kämen gerade deshalb viele überregionale Möbelkunden nach Fulda, weil zwei größere Möbelhäuser zur Auswahl stehen. Gerade diese potentiellen Kunden, könnten sich künftig anderweitig orientieren. Wenngleich man durchaus einräumen müsse, dass auch die Sommerlad-Geschäftsführung nicht an allen Stellen glücklich agiert habe, hätte auf jeden Fall eine tragfähige Lösung gefunden werden können, um dem Traditionsunternehmen einen Verbleib in Fulda zu ermöglichen. „Dafür allerdings wäre eine gewisse Einigkeit auch in den Reihen der CDU nötig gewesen – die es jedoch offensichtlich nicht gibt“, konstatiert Busold einen Konflikt: Die meisten Vertreterinnen und Vertreter der Stadtregion sowie auch die CDU-Mittelstandsvereinigung, seien sich durchaus der Problematik bewusst gewesen und hätten entsprechend Position bezogen – damit aber ihren Parteifreund, Landrat Woide, offenkundig nicht erreicht. Mit dessen Verweis, dass es sich um eine rechtliche und nicht um eine politische Entscheidung handle, „macht er es sich etwas zu einfach. Herr Woide hat zu keinem Zeitpunkt den Eindruck vermittelt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen“, heißt es in der Mitteilung abschließend. +++

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5 Kommentare

  1. Niemand anderes als Frank Sommerlad selbst hat die Schließung seiner Firma zu verantworten.
    Vor dessen Haustür hätte die Belegschaft protestieren müssen.
    Aber der schimpft ja immer nur auf die Anderen. Sehr unredlich dieser Mann.

  2. Die meisten Medien (außer fdi) in Fulda, sind doch die Handlanger von Sommerlad. Sie können der FZ wegen Werbung gar nichts vorhalten. Denn sie sind kein bisschen besser, für Werbung machen die doch fast alles. Einzig und alleine die Schreibe, auch die eines gewissen VN, ist zu kritisieren. Wenn Herr Sommerlad eine Zusage von Politikern, „In der Art wir machen schon …“ hatte, dann frage ich mich, wie ein gestandener Geschäftsmann darauf vertrauen kann. So oder so – er hat einen Fehler gemacht. Auch das Verhalten der Familie, die einige Jahrzehnte zuverlässig von Sommerlad profitiert hat, hätte dem Geschäftsmann aus Gießen entgegen kommen können. Wenn hier auch immer wieder einmal auftaucht, es gebe keine Möglichkeit, doch die gibt es. Denn, es handelt sich nicht um eine Neuansiedlung, sondern um einen Umzug. In diesem Rahmen, lässt sich eine positive Entscheidung herbeiführen, ohne einen Präzedenzfall zu schaffen.

  3. Hallo Fuchs

    Ich kann mich nur wiederholen! Nein, es gibt keinen Politischen Spielraum für den Standort an der BAB. Alle ihre Kommentare sind leider ohne Wert. Und von welchen überregionalen Medien sprechen sie? Fulda-Aktuell ist überregional und hat wie gestern die Hessenschau berichtete sehr viel Dreck am Stecken! Und zum Thema Abweichungsantrag nur noch folgendes: Ein Abweichungsantrag ist im Gesamtkonzept Nordhessen zu sehen, da wie bereits mehrfach erläutert, ein ähnlicher Antrag in Kassel vor Jahren nicht durchgekommen ist, war die Wahrscheinlichkeit bereits bei Planung gegen Null gehend, dass der Antrag durchkommen würde: Oder besser gesagt, bekloppt waren die Herren Bürgermeister bestimmt nicht (gilt auch für den OB, bitte nicht vergessen, die Stadt FD hat auch mitgestimmt!, aber politisch kalkulierend mit Sicherheit.

  4. Wie die CDU-Mittelstandsvereinigung schon sagte: Es ist kein gutes Zeichen für diese Region, was hier geschieht! Wenn Abweichungen von der von Politikern festgelegten Planung möglich sind, dann fehlt also nur der gute politische Wille. Der ist aber (siehe Woide und Herr) nicht da. Es entscheiden somit gut betuchte politische Beamte und ebensolche Pensionäre über das Schicksal von über 100 Familien und über die Zukunft einer Region. Über die Heimatzeitung muss man nicht mehr viel Worte verlieren. Manipulieren durch Weglassen von Fakten gehört zum täglichen Geschäft dieses Blattes. Der aufmerksame Leser, der sich auch Informationen aus anderen – auch überregionalen – Medien besorgt, bemerkt dies sofort. In der heutigen Ausgabe der Zeitung sondert der Chefredakteur wieder das übliche Gift ab, ohne auch nur ansatzweise für eine Entscheidung im guten Sinne zu plädieren. Die Bürgermeister der Randgemeinden sind offenbar alle bekloppt. Wie kämen sie sonst auf die Idee, einen Abweichungsantrag zu stellen, der total aussichtslos ist. Oder haben sie vorher vergessen, den Herrn Landrat zu fragen?

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