antonius mit neuem Café in Haimbach: Ab dem 01. August auf dem Antonius Hof Haimbach

Besonderer Ort zwischenmenschlicher Beziehungen

Mit dem Hofcafé eröffnet auf dem Antonius Hof in Fulda-Haimbach eine weitere, gastronomische Einrichtung der Stiftung. Der neue Treffpunkt, der ganz im Sinne der Stiftung, „Begegnungsstätte“ sein soll, eröffnet ganz offiziell am 01. August 2019. Gestern fand im Beisein von Vertretern aus der Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft die Segnung der neu entstandenen Räumlichkeit statt. Peter Linz, Leiter des Antonius Hofes, hieß die Anwesenden – darunter auch einige Mitglieder der St. Antonius-Stiftung – willkommen. „Wir wollen heute nicht nur das Hofcafé einweihen, sondern auch die Kartoffelverarbeitung, die wir schon im letzten Jahr fertigstellen konnten. Mit der Fertigstellung und Umbaumaßnahme dieses Gebäudes hin zur Kartoffel-Manufaktur und dem Hofcafé und – laden, sind wir einen ganz wichtigen Schritt in der Betriebsentwicklung nach vorne gegangen. Wir konnten 35 Arbeitsplätze sichern. Diese Arbeitskräfte verarbeiten Produkte direkt vom Antonius Hof. In diesem Sinne produzieren wir nicht nur aus der Region, sondern auch für die Region. Das ist uns bei antonius ein ganz wichtiges Anliegen, auch, was die Nachhaltigkeit, die Regionalität, anbetrifft.“ Zum Hofcafé sagte er: „Das Hofcafé ist ein Ort, wo wir alle zusammenkommen können: Die Bürgerinnen und Bürger von Haimbach, die Menschen, die hier auf dem Hof arbeiten, unsere Gäste von außerhalb sowie unsere Kundinnen und Kunden. Mit dem Hofcafé wolllen wir das Miteinander stärken, so wie es früher auf Bauernhöfen üblich gewesen ist und dabei in den kommunikativen Austausch kommen. Diesen Charakter wollen wir wieder aufleben lassen.“

Das Hofcafé als inklusiver Ort

„Auf dem Hof arbeiten rund 100 Menschen mit Beeinträchtigung und Förderbedarf. Diese Menschen haben einen Arbeitsplatz, mit diesem sie sich identifizieren. Sie sind Landwirte und für diese Menschen haben wir auch hier dieses Café geschaffen“, so Linz weiter. „So müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr jeden Tag zum Essen zu antonius fahren. Wir wollen versuchen, im Hofcafé auch eine Mittagessensverpflegung zu etablieren; das wir hier auch die Frühstücks- und Kaffeepausen hier abhalten und nach dem Feierabend hier auch das ein oder andere kühle Getränk zu uns nehmen können.“
„Zur Hofentwicklung gehören Plätze, an denen man zusammenkommen kann. Zur Hofentwicklung gehört auch eine Verarbeitung. Das war ein Versprechen, dieses wir den Bürgerinnen und Bürgern aus Haimbach gegeben haben. Wir haben gesagt: Wir wollen die Landwirtschaft näher zum Westring verlagern und wollen hier die Verarbeitung platzieren und Orte der Zusammenkunft schaffen. Ich denke, das ist uns gelungen. Ich hoffe, es wird angenommen.“ Abschließend bedankte sich Peter Linz bei allen, an der Umbaumaßnahmen beteiligten Firmen.

Für die Maßnahme war das Fuldaer Architekturbüro Sichaeu & Walter beauftragt worden. Für den Ausbau des Hofcafés wurde „in einem wirklich schwierigen Zustand des Gebäudes“ ein Altbau konzipiert. Schließlich ist das Gebäude annähernd 200 Jahre alt. „Es ist noch nicht ganz fertig“, sagte gestern der Leiter des Hofes. Zukünftig leiten wird das Hofcafé Gabriele Elm-Kneist. Die Bauherrschaft des Hofcafés und des Kartoffelverarbeitungsbereiches war von Volker Eichenauer übernommen worden.
„Der Antonius Hof unterliegt seit einigen Jahren einer sukzessiven Umstrukturierung des baulichen Gesamtkonzeptes, das sich insbesondere darin zeigt, dass Bereiche und Infrastruktur mit besonderen Emmissionsschwerpunkten verbunden sind“, so Volker Eichenauer. „So ist eine neue Erschließungsstraße aus Richtung des Westrings entstanden, um den Verkehr durchseitig zu reduzieren. Dort wurden eine Biogasanlage und ein neuer Schweinestall realisiert. In Zukunft wird dort auch die Infrastruktur für den Maschinenpark seinen Ort finden. So kann auf der Vorderseite des Hofes ein einladendes Ambiente für Gäste und Besucher entstehen, aber auch das Arbeiten und Wohnen auf dem Hof besser aufgestellt werden.“

Bei dem Hofcafé handelt es sich um ein eingetragenes Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Der Gebäudekomplex wurde als zweigeschossiger Ziegelsteinbau mit flachem Satteldach erbaut. Etwa in der Hälfte des Gebäudes gibt es einen Höhenvorsprung von circa zwei Metern, der sich durch zusätzliche Lagermöglichkeiten bei der ehemaligen Nutzung erklärt. Die Umstrukturierung des Gebäudes umfasst die Verlagerung des Kartoffelschälbetriebes mit Büro, Umkleiden und Sanitäranlagen in den westlichen Gebäudeteil. Hiermit konnten zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden und insgesamt eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen erreicht werden. Im östlichen Teil, das sogenannte Hofcafé, wurde ein inklusiver Treffpunkt geschaffen, der als Hofcafé die Bürgerinnen und Bürger von Haimbach zu den unterschiedlichen Gelegenheiten zusammenkommen lässt, aber auch eine Räumlichkeit ist, der interne und externe Informations- und Fortbildungsveranstaltungen ermöglicht. Nicht zuletzt soll das Hofcafé der zentrale Anlaufpunkt aller auf dem Hof Beschäftigten werden und zudem als Betriebskantine fungieren.“ In dem, an das Hofcafé angegliederten Hofladen können Besucherinnen und Besucher, die, auf dem Antonius Hof ökologisch, regional und sozial produzierten Lebensmittel käuflich erwerben. Das Angebot reicht von eigenen Produkten wie Kartoffeln, Getreide, Milch, Eier bis hin zu Wurst und Käsewaren. Auch Produkte der Partnerbestriebe von antonius werden dort angeboten. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme betragen circa 1 Million Euro. An der Finanzierung beteiligte sich das Land Hessen mit einem Zuschuss von rund 250.000 Euro.

Peter Hügel, Leiter Amt für Stadtmarketing, überbrachte die Grüße und Glückwünsche zur gelungenen Umbaumaßnahme in Vertretung für den Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Dr. Heiko Wingenfeld, von der Stadt Fulda. Hügel zeigte sich „von dem, was entstanden ist“, hellauf begeistert. Vor dem Hintergrund des Titels „Inklusivste Stadt Deutschlands“, die die Stadt Fulda führen darf, sagte er: „Wir sind nicht stehen geblieben.“ Inklusion werde demnach nicht nur im Stadtkern gelebt und praktiziert, sondern auch außerhalb. „Mit dem Hofcafé verknüpft antonius eine Vielzahl von den Kompetenzen, die wir seit Jahren kennen“, sagte er. So gebe es bei antonius schon immer „diese Offenheit“ in zwischenmenschlichen Begegnungen. Auch sei antonius inzwischen ein Bedeutender Anbieter in der Gastronomie. Am Sichtbarsten werde dies auf dem Fuldaer Frauenberg. „Jetzt wünschen wir uns, dass das Hofcafé auf dem Antonius Hof die Menschen, die auf dem Hof leben und arbeiten sowie die Menschen aus Haimbach sowie alle, die von außerhalb den Weg auf den Antonius Hof finden, einander näherbringt.“

Hofcafé als Pastoraler Ort

„In der Neuausrichtung der Kirche im Bistum Fulda gibt es ein Begriff des Postoralen Ortes. Ein Pastoraler Ort ist ein Ort, der die Kirche sein kann, der sicher auch die Kirche ist, der aber überall dort stattfindet, sich ereignet, wo Christen ihre Berufung leben. Überall dort, wo Christen leben und aktiv werden, dort ist ein Pastoraler Ort und auch ein Kirchlicher Ort. Kirche will sich heute schon verstärkt als Netzwerk Pastoraler Orte verstehen. Dieser Gedanke ist antonius nicht ganz unbekannt. Mit Kirche verbinden die meisten Menschen Gottesdienst – und das ist auch richtig. Es sind vier Grundvollzüge: Gottesdienst feiern, Glauben bezeugen, Gemeinschaft erleben und dienen. Kirchliches Tun ereignet sich immer in einer oder in mehreren dieser Grundvollzüge und wo Christen genau aus dieser Motivation heraus einer Christusbeziehung in einem oder in einer dieser Bereiche tätig werden“, sagte Pfarrer Christian Schmitt vom Pastoralverbund Fulda-West. Bei antonius könne man viele dieser Bereiche finden und dieses Hofcafé als Pastoralen Ort identifizieren, so der Geistliche.

Im Namen des Ortsbeirates Haimbach hieß Ortsvorsteher Manfred Belle die Besucherinnen und Besucher auf dem Antonius Hof willkommen. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als vor ein paar Jahren für den Kartoffelschälbetrieb Hessens Sozialminister Grüttner und Dr. Wolfgang Dippel den Förderbescheid überreicht hatten. Damals konnte man noch nicht erahnen, welche Hindernisse diesbezüglich im Weg stehen würden, dieses, alte Gebäude tatsächlich so weit zu bringen, dass wir es heute tatsächlich einweihen können – und das macht mich ein Stück weit stolz und es freut mich für antonius, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von antonius, für die Geschäftsführung, die Stadt und den Landkreis Fulda, für die Menschen, wie sie hier zusammenkommen können.“ Abschließend dankte der Ortsvorsteher von Haimbach allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.

Rainer Sippel, Geschäftsführer St. Antonius gGmbH, dankte allen, die zur Segnung gekommen waren. Besonders dankte er Peter Linz, der den Hof jetzt schon seit 29 Jahren und 11 Monaten leitet und ihn mit aufgebaut hat. „Ich denke, mit dem Hofcafé geht eine Idee von ihm in Erfüllung, die das abrundet, die vor vielen Jahren begonnen wurde.“ Weiter hieß er das Team, welches auf dem Antonius Hof arbeitet, ein „tolles wie engagiertes“. Abschließend ging Sippel noch einmal auf den Charakter von antonius als Stiftung ein. „antonius macht Gastronomie, antonius betreibt Einrichtungen – vieles ist heute schon angeklungen und ich möchte noch einmal herausstellen: antonius ist kein Unternehmen; antonius ist eine Stiftung! Unser Anliegen unserer Stifterin ist es, etwas anzustiften, dass Menschen zusammenkommen, sich begegnen, sich wertschätzen, man ein Gespür bekommet für Menschen mit Behinderung – und dass man sich gegenseitig hilft und Chancen gibt. Das geht heute natürlich viel besser als vor 100 Jahren als die Stiftung gegründet worden ist. Damals galt Behinderung noch als Fluch, eine Gottesstrafe; man hat sich geschämt und heute hat sich die Gesellschaft geöffnet – insbesondere in Fulda. Diesbezüglich haben wir in Fulda ein tolles Klima. Es gibt unwahrscheinlich viele Unternehmen, die sich für Inklusion, antonius und die Idee dahinter, einsetzen. Und das ist glaube ich ein großes Geschenk für unsere Stadt, dass dies möglich ist. Ich wünsche uns allen, dass wir auf diesem Weg weitergehen können, dass wir Lebensperspektiven für Menschen mit Behinderung verbessern können, dass wir Teilhabe ermöglichen und da, als soziale Stadt in eine gute Zukunft gehen. Und möge dieses Café immer ein guter Treffpunkt dafür sein.“ Die Segnung der neu entstandenen Räumlichkeiten sowie der Menschen, die auf dem Hof leben und arbeiten, erfolgte durch den Seelsorger der Stiftung, Bruder Gabriel. +++ ja

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