Altersarmut in Deutschland - Weckruf für die Politik

Rente

Berlin. Armut im Alter ist heute eher eine gesellschaftliche Randerscheinung. Aber das kann sich in den nächsten Jahrzehnten ändern, wenn nicht wirksam gegengesteuert wird. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie wird in einer jetzt veröffentlichen Studie der Bertelsmann-Stiftung noch einmal bestätigt. Zum Glück beteiligen sich die Forscher allerdings nicht an der weit verbreiteten Panikmache auf diesem sensiblen Feld. Das kann einer sachlichen Debatte nur gut tun.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr erhitzte eine vermeintliche Expertise die Gemüter, wonach ab 2030 fast jeder zweite Rentner arm sein wird. Sozialverbände, Gewerkschaften, aber auch prominente Politiker nahmen die "Erkenntnis" willig auf, um die allgemeine Verunsicherung noch zu verstärken. Dabei fußte der Befund auf völlig unseriösen Annahmen. Die Bertelsmann-Stiftung hat das jetzt gewissermaßen noch einmal bestätigt. Wenn laut ihrer Prognose etwa jeder fünfte Neurentner zur Mitte des übernächsten Jahrzehnts nur noch schwerlich über die Runden kommt, dann kann das allerdings auch kein Ruhekissen für die Politik sein. Was also ist zu tun? Zunächst einmal nicht unbedingt das, worauf sich manche Parteien im Bundestagswahlkampf konzentrieren, nämlich auf die sehr teure Beibehaltung oder gar noch teurere Anhebung des Rentenniveaus. Wer immer wenig verdient hat oder länger arbeitslos war, dem nützen solche Maßnahmen praktisch kaum. Dafür profitieren Rentner mit ohnehin schon gutem Auskommen umso stärker. Das ist weder gerecht noch im Sinne der Armutsbekämpfung. Stattdessen muss sich Rentenpolitik auf die wirklich gefährdeten Bevölkerungsgruppen konzentrieren.

Auf kleine Selbstständige zum Beispiel, die bislang nirgendwo fürs Alter versichert sind. Oder auf alleinstehende Frauen mit niedrigen Löhnen. Ein nachdenkenswerter Ansatz ist hier die schon unter der früheren CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen entwickelte, aber nicht umgesetzte Lebensleistungsrente. Bei der SPD heißt sie Solidarrente. Ihre Grundanliegen sind identisch: Wer lange gearbeitet hat, der muss am Ende spürbar über der Grundsicherung im Alter, also Hartz IV, liegen. Sonst verliert auch das gesetzliche Rentensystem seine Legitimation. Noch eine weitere Nachricht sorgte am Montag für Aufmerksamkeit: Demnach fuhr die Rentenkasse 2016 ein Minus von 2,2 Milliarden Euro ein. Das ist für sich genommen noch kein Problem. Denn die Rentenversicherung verfügt derzeit über Rücklagen von mehr als 30 Milliarden Euro. Aber der Trend ist klar: In einer alternden Gesellschaft werden sich die Rentenausgaben zwangsläufig weiter erhöhen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Geld der Beitragszahler schließt daher auch maßgeschneiderte Lösungen für bestimmte Risikogruppen im Alter ein. Auf diese Aufgabe muss sich eine neue Bundesregierung viel stärker konzentrieren als die alte, so die Lausitzer Rundschau. +++


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2 Kommentare

  1. Und die Union schaut einfach weg! Wer sollte sie dafür wählen?
    Die Union streicht ggü. der SPD bei der Rente die Segel! Sie ignoriert u.a. die drohende Altersarmut, den demografischen Wandel und nimmt eine weitere Absenkung des Rentenniveaus um rd. 10 % hin (lt. Union sei die Rente bis 2030 "solide" aufgestellt: was die Union eben so unter "solide" versteht!). Sie vermisst im Vorschlag von Martin Schulz Generationengerechtigkeit. Dabei geht es nicht um Alte gegen Junge, sondern um Arme gegen Reiche!

    Eine mutige, umfassende Rentenreform wie seinerzeit unter Adenauer wird es unter Merkel nicht geben. Dafür ist sie zu mutlos, zu Wirtschafts-hörig, zu sozial herzlos, zu ausgebrannt.

    Heutige und künftige Rentner (= die heutigen Jungen!) müssen daher Martin Schulz und seine SPD wählen!

    Martin Schulz hat einmal mehr mit seinem Rentenkonzept einen Punkt gemacht. Die Union bietet das, was sie bisher Martin Schulz vorgeworfen hat: Keine Inhalte! Weiter so! Und in ihrer Renten-Not bezeichnet die CDU (Generalsekretär Tauber) diesen und weitere inhaltliche Vorstöße von Schulz einfach als unfair! Geht's noch?

    Aber: Martin Schulz kann noch mehr!
    Es sind Wahlkampfzeiten:
    https://youtu.be/dOa-fcp74uU
    Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

  2. Ich kann das Gejammer über die drohende Altersarmut überhaupt nicht verstehen. Scheinbar ist in diesem Land jeder mit seiner Enteignung im Alter grundsätzlich einverstanden. Nicht anders kann man die Umfragen für die Bundestagswahl deuten. Denn die Parteien, die nichts anderes vorhaben als eine Fortsetzung des Enteignungsplans der Rentner also die Senkung des Rentenniveaus , seinen es die Schwarzen, grünen oder hellroten , sind doch im Aufwind. Also alles palletti. Die Frage warum 80 Prozent der Wähler immer wieder gegen ihre eigenen finanziellen Interessen stimmen ,lässt sich vielleicht nie ergründen. Wenn jetzt schon die Bertelsmann Stiftung Alarm schlägt heißt das doch nur Leute ihr habt den Bogen überspannt. Die Brotkrumen sollten etwas größer werden.

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