Al-Wazir: „Jede zusätzliche Wohnung hilft“

Unten einkaufen – oben wohnen

Tarek Al-Wazir
Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir

Bis zu 5.000 neue Wohnungen könnten laut einer aktuellen Berechnung des Regionalverbands Frankfurt auf Supermarktdächern im Rhein-Main-Gebiet entstehen. Beim ersten hessischen Supermarktgipfel haben heute rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Supermärkten, Immobilienverbänden und städtischen Planungsämtern vereinbart, diese Potenziale weiter zu untersuchen und – wo möglich – auch zu realisieren. „Jede zusätzliche Wohnung hilft“, sagte Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir nach dem Treffen in Wiesbaden. „Die Aufstockung von Supermärkten mit neuen Wohnungen ist vielversprechend: Supermärkte sind oft gut gelegen, sie haben häufig noch viel Platz obendrüber und für die neuen Wohnungen müssen keine neuen Flächen versiegelt werden. Deshalb wollen wir solche Projekte in Zukunft verstärkt auch mit unseren Stadtentwicklungsprogrammen fördern.“

Der Minister betonte die Notwendigkeit, neuen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Mit dem Großen Frankfurter Bogen habe ich meine Idee dazu vorgestellt. Es geht um neue Wohnungen entlang der S-Bahn und Regionalbahnlinien der Region. Und es geht um Wohnungen, die wir zu einem bedeutenden Teil durch Nachverdichtung und Aufstockung erzielen wollen“, sagte Al-Wazir. „Nach dem Gipfel heute bin ich mir sicher, dass auch die Betreiber von Supermärkten innerhalb des Großen Frankfurter Bogens einen Teil dazu leisten wollen und werden.“

Bei der Suche nach neuen Flächen für den Wohnungsbau rücken zunehmend auch Liegenschaften in den Blick, die bisher untergenutzt sind. Al-Wazir: „Supermärkte finden sich häufig in gefragten Stadtlagen. Die Grundstücke sind meistens groß, vor allem für Parkplätze geht viel Platz drauf und die Gebäude sind typischerweise eingeschossig. Diesen Platz sollten wir besser nutzen.“ Neben Wohnungen kämen je nach Standort auch andere Nutzungen in Frage, wie zum Beispiel Kindergärten, Arztpraxen oder Büros. „Natürlich muss an jedem einzelnen Standort genau analysiert werden, welche Kombination sinnvoll und umsetzbar ist. Dennoch sind wir überzeugt, dass es hier ein nennenswertes Potenzial für Wohnungen in integrierten Lagen gibt. Und für die Unternehmen entstehen langfristig stabile Standorte“, so der Minister.

Al-Wazir verwies auf die Möglichkeit, damit auch städtebauliche Missstände zu beheben. „Nicht jedes Discounter-Gebäude ist ja architektonisch ein Gewinn für die Umgebung. Einstöckige Flachdachgebäude von der Stange auf riesigen öden Parkplätzen sind sicherlich nicht mehr zeitgemäß. Auch das könnte durch moderne Neubauten an der einen oder anderen Stelle sicher verbessert werden.“ Idealerweise könnten zudem noch weitere Themen „Huckepack“ genommen werden: große Dachflächen bieten Raum für Solaranlagen. Ladestationen für E-Mobilität werden zum Teil bereits umgesetzt. In Frankfurt plant Lidl eine knapp 20 Jahre alte Filiale in der Mainzer Landstraße abzureißen und neu zu bauen. Das rund 7700 Quadratmeter große Gelände soll künftig nicht mehr nur für einen Supermarkt, sondern für zwei Gebäude genutzt werden: Den neuen Supermarkt, der mit 40 Wohnungen überbaut wird und ein zweites reines Wohngebäude mit 70 Wohnungen. Das Projekt befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren bei der Stadt Frankfurt.

Handelsverband Hessen: Lebensmitteleinzelhandel hat Perspektiven aufgezeigt

Wohnungen über Lebensmittelmärkten gehören bereits heute zum Stadtbild in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main. So werden Neubauprojekte in Frankfurt fast ausschließlich in einer Mischnutzung geplant. Außerhalb des Rhein-Main Gebietes und in den ländlichen Regionen sieht das anders aus. Häufig bedarf es einer individuellen Betrachtung und Prüfung jedes einzelnen Standortes, ob eine Wohnbebauung über einem Lebensmittelmarkt realisierbar ist. „Das Kerngeschäft des Lebensmitteleinzelhandels ist die Versorgung der Bevölkerung – und nicht das Immobiliengeschäft.“ so Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen. Rohde weiter: „Eine pauschale Einschätzung zur Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden für das ganze Bundesland, für eine Region oder eine Stadt – sozusagen nach dem Gießkannenprinzip – ist aus Sicht des Handels unter keinen Umständen möglich.“ Der Lebensmitteleinzelhandel hat beim Supermarktgipfel Perspektiven aufgezeigt, aber auch klar benannt, wo Mischnutzung nicht möglich ist. Die Branche ist sich Ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Gerade vor dem Hintergrund des angespannten Wohnungsmarktes in Frankfurt-Rhein-Main ist der Austausch zwischen Politik und Handel positiv zu bewerten und die Fortsetzung des Dialogs zu begrüßen. +++

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