Der Stellenabbau in der deutschen Wirtschaft ist vorerst zum Stillstand gekommen. Das zeigen die September-Daten des Beschäftigungsbarometers des Wirtschaftsinstituts Ifo, das die Münchner Forscher monatlich für das „Handelsblatt“ berechnen. Die Entwicklung markiert dabei weniger eine Rückkehr zu einem kräftigen Beschäftigungsaufbau als vielmehr eine erste Stabilisierung auf einem weiterhin angespannten Arbeitsmarkt.
„Der Abwärtstrend am Arbeitsmarkt ist vorerst gestoppt“, sagte Klaus Wohlrabe, Chefstatistiker des Ifo-Instituts, dem „Handelsblatt“. Für einen tatsächlichen Stellenaufbau müsse sich der wirtschaftliche Aufschwung allerdings über längere Zeit und in der Breite fortsetzen. Genau darin liegt die entscheidende Einschränkung der aktuellen Entwicklung: Dass Unternehmen ihren Personalbestand nicht weiter in größerem Umfang abbauen, bedeutet noch nicht, dass sie wieder bereit sind, in großem Stil neue Mitarbeiter einzustellen.
Vorerst bleiben die Unternehmen bei ihrer Personalplanung deshalb vorsichtig. „In weiten Teilen der Wirtschaft fehlt weiterhin die Bereitschaft für Neueinstellungen“, sagte Wohlrabe. Die Unternehmen reagieren damit offenbar weiterhin zurückhaltend auf die wirtschaftliche Entwicklung. Für den Arbeitsmarkt bedeutet das eine Verschnaufpause, aber noch keinen grundlegenden Richtungswechsel.
Besonders deutlich wird das beim Blick auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche. In der Industrie zeigt sich den September-Daten des Ifo zufolge weiterhin ein negativer Saldo. Allerdings fällt das Minus deutlich kleiner aus als in den vergangenen drei Jahren. Die industrielle Beschäftigungsentwicklung bleibt damit unter Druck, zugleich hat sich die Geschwindigkeit des Stellenabbaus spürbar verringert.
Auch im Handel wurden im September weiterhin mehr Stellen abgebaut als neu geschaffen. Von einer Entspannung auf breiter Front kann deshalb auch in diesem Bereich noch nicht gesprochen werden. Die Entwicklung zeigt vielmehr, dass die Unternehmen weiterhin vorsichtig agieren und zusätzliche Beschäftigung erst dann wieder ausweiten dürften, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als dauerhaft stabil erweisen.
Ein anderes Bild ergibt sich bei den Dienstleistern. Dort war der Saldo laut den September-Daten des Ifo erstmals seit Langem zumindest positiv. Damit gibt es in diesem großen Wirtschaftsbereich erstmals wieder einen Hinweis darauf, dass die Beschäftigungsentwicklung tatsächlich drehen könnte. Ob daraus ein nachhaltiger Trend entsteht, lässt sich aus den aktuellen Zahlen allerdings noch nicht ableiten.
Gerade deshalb ist der Blick auf das Ifo-Beschäftigungsbarometer mehr als eine Momentaufnahme. Die deutsche Wirtschaft steht vor der Frage, ob aus einer Phase der Zurückhaltung wieder eine Phase des Wachstums werden kann. Unternehmen müssen dabei nicht nur ihre aktuelle Geschäftslage berücksichtigen, sondern auch einschätzen, wie belastbar der wirtschaftliche Aufschwung tatsächlich ist. Neueinstellungen sind für viele Unternehmen eine langfristige Entscheidung. Entsprechend zurückhaltend fällt die Personalplanung aus, solange die wirtschaftliche Entwicklung noch nicht über längere Zeit hinweg überzeugt.
Das Beschäftigungsbarometer basiert auf monatlichen Umfragen des Ifo-Instituts unter rund 9.000 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung, Handel und Bau. Die breite Datenbasis ermöglicht einen Blick über einzelne Branchen hinaus und zeigt zugleich, dass die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt keineswegs einheitlich verläuft.
Die September-Daten liefern damit ein vorsichtig positives Signal, aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Der Stellenabbau ist gestoppt, doch der nächste Schritt wäre ein nachhaltiger Aufbau von Beschäftigung. Dafür müsste sich der wirtschaftliche Aufschwung nach Einschätzung des Ifo-Instituts in der Länge und Breite fortsetzen. Erst dann dürfte sich auch bei den Unternehmen die Bereitschaft erhöhen, wieder stärker in Personal zu investieren.
Für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet die aktuelle Entwicklung deshalb vor allem eines: Die Abwärtsbewegung verliert an Kraft. Ob daraus eine Trendwende wird, entscheidet sich nicht an einem einzelnen Monatswert, sondern daran, ob die wirtschaftliche Erholung dauerhaft genug ist, um Unternehmen wieder zu Neueinstellungen zu bewegen. +++





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