Ein letztes Mal vor der Kommunalwahl am 15. März 2026 ist am vergangenen Donnerstagabend das Kalbacher Gemeindeparlament zu seiner Gemeindevertretersitzung im Bürgerhaus Niederkalbach zusammengetreten. Die Tagesordnung reichte von der 57. Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde und Bebauungsplan „Bestattungen am Wald“ im Ortsteil Niederkalbach über die Änderung des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Kirschenäcker“ im Ortsteil Uttrichshausen über den Jahresabschluss 2023 und der Haushaltssatzung für das Haushaltsjahr 2026 bis zur Festlegung des Wahltermins und Stichwahltermins vor dem Hintergrund der Wahl einer Bürgermeisterin / eines Bürgermeisters im Herbst dieses Jahres. Diesbezüglich hatte sich die Tage Kalbachs amtierender Bürgermeister, Mark Bagus (parteiunabhängig), erklärt, für weitere fünf Jahre zur Verfügung zu stehen – sollten ihm die Kalbacher Bürgerinnen und Bürger erneut das Vertrauen aussprechen. Ein markanter Themenschwerpunkt der Sitzung markierte der Bericht des Seniorenbeauftragten Bruno Fischer zur Seniorenarbeit in der Gemeinde, die aufmerksam vernommen worden war.
Im Mittelpunkt standen aber auch richtungsweisende Entscheidungen, die sowohl die gesellschaftlichen Entwicklungen als auch die wirtschaftlichen Perspektiven der Kommune betreffen. Die Sitzung machte deutlich, dass es um mehr geht als um nüchterne Verwaltungsgeschäfte – es geht um die Zukunft der Gemeinde und die Richtung, die sie in den kommenden Jahren einschlagen will. Im Zentrum der Beratungen stand der Beschluss zur Änderung des Bebauungsplans „Bestattung am Wald“ in Niederkalbach. In der Sitzung machte die SPD-Fraktion deutlich, dass der Wunsch nach alternativen Bestattungsformen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Immer mehr Menschen suchten nach neuen Formen des Abschieds, die stärker auf individuelle Vorstellungen eingehen und andere Wege des Gedenkens ermöglichen. Der klassische Umgang mit dem Tod befinde sich im Wandel, so die Einschätzung. Mit der Anpassung des Bebauungsplans will die Gemeinde dieser Entwicklung Rechnung tragen und auf die veränderten gesellschaftlichen Bedürfnisse reagieren.
Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die Änderung des Bebauungsplans „Gewerbegebiet Kirchenäcker in Uttrichshausen“. Auch hier ging es um die zukünftige Ausrichtung der Gemeinde und um die Frage, wie die Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung gestaltet werden sollen. Im Fokus standen wirtschaftliche Perspektiven und die langfristige Weiterentwicklung des Standorts. Die Gemeinde will damit wichtige Impulse für Wachstum und Zukunftsfähigkeit setzen. Beide Vorhaben wurden in der Sitzung mit Mehrheit der Stimmen beschlossen. Damit setzte die Gemeindevertretung klare Signale – sowohl für den Wandel im Umgang mit der Bestattungskultur als auch für die wirtschaftliche Zukunft der Gemeinde. Die Entscheidungen zeigen deutlich, dass sich die Verantwortlichen den gesellschaftlichen Veränderungen stellen und gleichzeitig den Blick auf wirtschaftliche Entwicklung richten.
In einem weiteren Tagesordnungspunkt, der zusätzlich eingereicht worden war, befasste sich die Gemeindevertretung ebenfalls mit aktuellen Themen. Dieser Punkt wurde vom Bauausschuss näher erläutert. Für Diskussionen sorgten auch Anträge der CDU zur Änderung der Geschäftsordnung sowie zur Steigerung der Transparenz. Diese wurden jedoch mit dem Verweis abgelehnt, dass entsprechende Entscheidungen der neu gewählten Gemeindevertretung vorbehalten bleiben sollten. Darüber hinaus standen der geprüfte Jahresabschluss 2023 sowie die Haushaltssatzung für das Haushaltsjahr 2026 auf der Agenda. Auch diese Themen unterstrichen die Bedeutung der Sitzung für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde und zeigten, dass die Verantwortlichen die Weichen für kommende Herausforderungen stellen wollen. Neben den großen Beschlüssen gab es außerdem noch Anfragen der Fraktionen zu verschiedenen Themen. Zudem wurde der Termin für die anstehende Bürgermeisterwahl festgelegt. Die Sitzung machte damit deutlich: In Kalbach werden wichtige Entscheidungen getroffen, die sowohl den gesellschaftlichen Wandel als auch die wirtschaftliche und politische Zukunft der Gemeinde prägen sollen.
KommUnity – Gemeindevorstand will Bedarfsmeldung abgeben
Bürgermeister Bagus ging im Rahmen der Sitzung auf die Personalsituation der Gemeinde ein, über die auch schon im „Kalbacher Wochenblatt“ zu lesen war. Konkret angespannt sei die Situation im gemeindlichen Bauamt. Bagus: „Wir hatten eine Phase von zwei Monaten gehabt, in der wir auf drei von insgesamt vier Vollzeitkräften krankheitsbedingt verzichten mussten.“ Ein Mitarbeiter sei bereits ab November 2025 krankheitsbedingt ausgefallen. Bagus sprach von „angespannten Umständen“; man wolle dennoch sein Bestes geben. So versucht der Kalbacher Bürgermeister begonnene Projekte weitestgehend mit den Ingenieurbüros abzuwickeln. „Wir haben Großprojekte, die anstehen, wie den Kindergartenneubau ‚Im Weinfeld‘ im Ortsteil Mittelkalbach oder auch den Erweiterungsbau der Kindertagesstätte ‚Sonneninsel‘ im Ortsteil Heubach. Diese Projekte sind inzwischen mit einer Baugenehmigung versehen und sollen demnächst begonnen werden.“
Vor dem Hintergrund der dargelegten Schwierigkeiten hofft die Gemeinde auf die Amtshilfe anderer Kommen. Aussichten auf reelle Unterstützung macht KommUnity, ein Programm der Hessischen Finanzverwaltung, das es hessischen Kommunen ermöglicht, für zwei Jahre Personal aus dem Geschäftsbereich des Hessischen Finanzministeriums einzusetzen. Das Angebot richtet sich an alle hessischen Kommunen. Es ist Teil des Zukunftspakts zwischen Land und Kommunen. War Kalbachs Bürgermeister hier anfangs noch etwas skeptisch, hat sich diese zwischenzeitlich in Dankbarkeit verkehrt. „Ich bin heute wirklich dankbar für alles, was die Kommune in irgendeiner Art und Weise unterstützen kann“, sagt Bagus anerkennend.
Der Gemeindevorstand hat sich entschlossen, hier eine Bedarfsmeldung abzugeben. Konkrete Anwendung soll dies in den Bereichen Finanzwirte, Bauingenieure und Immobilienkaufleute finden.
Zur anstehenden Bürgermeisterwahl im Herbst dieses Jahres führte Bürgermeister Bagus aus: „Ich hatte mich die Tage ja erklärt, dass ich das Amt gerne fortführen würde. Ich arbeite gerne für die Gemeinde Kalbach, sofern mir die Bürgerinnen und Bürger auch wieder das Vertrauen aussprechen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern für das konstruktive politische Arbeiten in den vergangenen fünf Jahren recht herzlich bedanken. Ich weiß, dass einige von Euch in der nächsten Legislatur nicht mehr dabei sein werden. Allen anderen Gemeindevertretern wie auch dem neuen Parlament signalisiere ich, für Gespräche sowie zur Themenabstimmung nach der Wahl zur Verfügung zu stehen, um gemeinsam Lösungen für Kalbach zu finden und auszuloten, inwieweit man zusammenkommt mit Themen und Vorhaben; denn das ist das Allerwichtigste. Wir stehen vor großen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Eine dieser großen Herausforderungen ist die Trinkwasserversorgung. Leider gehört Kalbach nicht zu den Kommunen, die von Natur aus besonders reich an Trinkwasser ist. Vielleicht müssen wir uns irgendwann auch mit dem Thema Brunnenbohrung auseinandersetzen. In diesem Sinne müssen wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass wir das Trinkwasserreservoirs voranbringen und pflegen. Mein Angebot für eine gleichgute Zusammenarbeit steht. Getreu dem Motto: Für Kalbach für die Zukunft das Beste.“
„Kalbacher Kommunalpolitik macht Freude“
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Gerhard Müller, dankte abschließend den Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern für das „faire Miteinander“. „Ich denke, wir haben fünf Jahre sehr vernünftig und konstruktiv zum Wohle der Gemeinde Kalbach gearbeitet. So sollte es auch sein. Ich denke diese fünfjährige Gemeindevertretung, in dieser ich als Vorsitzender fungieren durfte, war geprägt von großer Sachlichkeit und der hohen Motivation für Kalbach politisch zu arbeiten. Ich wünsche allen, die in der nächsten Legislatur ausscheiden – und das sind einige – für ihren kommunalpolitischen Ruhestand Glück, Zufriedenheit, Gesundheit und Gottes reichen Segen. Gemeindepolitik in Kalbach macht Freude, sofern diese unter den Grundprinzipien eines fairen Miteinander gemacht wird – und das möchte ich alle drei Fraktionen adressieren. Mit Sorge verfolge der Vorsitzende der Gemeindevertretung hingegen, die Beteiligung der gewählten Mandatsträger, in den letzten Jahren stark nachgelassen habe. Dies sei keine gute Entwicklung. Wer ein Mandat annimmt, der sollte von diesem auch Gebrauch machen. „Jeder kommt mal in die Situation – sei es auch Krankheitsgründen oder anderen Gründen – dass er einer Gemeindevertretersitzung nicht beiwohnen kann. Wir hatten in der zurückliegenden Legislatur Sitzungen, in diesen zwischen 21 und 26 Gemeindevertreter anwesend waren. Und das ist schade. Darüber sollte sich jeder, der sich für die Kommunalwahl zur Verfügung stellt, einmal Gedanken machen.
Seniorenarbeit als wichtiger Anker und Stütze
Der Seniorenbeauftragte Bruno Fischer ging in seinem Tätigkeitsbericht auf vereinzelte Tagesfahrten, Seniorennachmittage, Vorträge und Lesungen ein. Besonders lebhaft in Erinnerung war ihm die Tagesfahrt an den Edersee geblieben. Zuvor berichtete er jedoch zunächst von einem Kaffeenachmittag im Bürgerhaus Mittelkalbach am 19. März 2025, den rund 90 Seniorinnen und Senioren besuchten. Das Team der Kalbach Apotheke hatte allen Gästen eine kostenfreie Blutzucker- sowie Blutdruckmessung angeboten, das viele Seniorinnen und Senioren dankbar annahmen. Als Referent konnte der in Neuhof in eigener Kanzlei tätige Rechtsanwalt und Notor Moritz Meissel gewonnen werden, der unter anderem einen Überblick über die gesetzliche Erbfolge aller Familienkonstellationen gab sowie die Notwendigkeit einer Patientenverfügung darlegte.
Am 22. Mai 2025 ging es dann für die Seniorinnen und Senioren an den Edersee. Mit drei Bussen der Firma Sauer Reisen aus Uttrichshausen ging es über die Autobahn in Richtung Waldecker Land. Die Schifffahrt auf dem Edersee sorgte bei den Seniorinnen und Senioren für Begeisterung. Gegen Nachmittag nahmen die Bewohnerinnen und Bewohner von Kalbach dann noch die andere Seite des Sees in Augenschein, wo sie die Staumauer besichtigten und sich einige ein Eis schmecken ließen. Abschließend machte die Gemeinschaft dann noch einen Abstecher nach Bad Wildungen, wo es einige in die Läden und Kaufhäuser zog. Rabattierungen von 15, 20 oder gar 25 Prozent sorgten für wahre Begeisterungsstürme unter den Seniorinnen und machten den Tagesausflug für ein wahres Erlebnis. Abschließend gab es dann noch für jeden Mitgereisten eine große Waffel mit einer Kugel Eis und einer ordentlichen Portion Sahne, was wir alle genossen haben, erinnert sich der Seniorenbeauftragte. Die Rückfahrt erfolgte wieder über die A7 nach Mittelkalbach, wo alle beseelt und beglückt von den tollen Eindrücken wohlbehalten ankamen. Ein herzlicher Dank adressierte Bruno Fischer an Markus Agricola vom Bürgerbüro der Gemeinde für die Vorbereitung der Tagesfahrt.
Bürgermeister Mark Bagus dankte Bruno Fischer und seinem Team für die Arbeit zur Seniorenarbeit, die mit „viel Herzblut“ ausgeübt werde. Bagus: „Lieber Bruno, ich möchte Dir noch einmal ganz herzlich für Dein Engagement danken. Du hast ein Gespür dafür, was bei Seniorinnen und Senioren ankommt. Das kann man bei Fahrten und Veranstaltungen und auch wie hoch die Teilnehmerzahl ist immer wieder beobachten. Im Namen des Gemeindevorstandes danke ich Dir im Namen des Gemeindevorstandes noch einmal sehr herzlich für Deine Arbeit.“ Die Arbeit zur Seniorenbetreuung sei ein wichtiger Anker für das Zusammenleben und gesellschaftliche Miteinander in der Gemeinde. Darüber hinaus entlaste diese die Gemeindeverwaltung.
Die Gemeindevertretersitzung hat den Sonntag, den 13. September 2026, als Wahltag für die Wahl des Bürgermeisters / der Bürgermeisterin festgelegt. Stichwahltag ist der Sonntag, der 27. September 2026. +++ nh/ja

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