Fast 100 Bewerbungen aus allen Teilen Hessens, jede Menge Herzblut, Arbeit und Engagement und am Ende gleich vier Projekte, die sich über eine Auszeichnung freuen dürfen: Die Verleihung des Hessischen Mundartpreises 2026 durch Heimatminister Ingmar Jung sorgte am Freitag für viele fröhliche Gesichter im Marburger Lokschuppen. „Ich bin begeistert von der großen Resonanz, die die zweite Auflage unseres Hessischen Mundartpreises ausgelöst hat. Es ist toll zu sehen – und noch mehr zu hören – wie lebendig unsere hessischen Dialekte sind und mit welcher Kreativität sie in ganz Hessen gebraucht werden“, sagte Heimatminister Ingmar Jung.
Erneut wurden gleich zwei Projekte mit einem Hauptpreis bedacht: Die Mundartfreunde Südhessen für ihr von Muttersprachlern eingesprochenes Märchen-Hörbuch „Es woar emol“ und der Arbeitskreis Mardorfer Dorfgeschichte für seinen generationenübergreifenden Austausch mit verschiedenen Angeboten rund um „Mardorfer Dialekt“. Beide erhalten ein Preisgeld in Höhe von je 3.000 Euro. Über einen Sonderpreis und je 1.000 Euro Preisgeld durften sich die Band Dark Vatter Combo aus Kassel und die Uznamen Lauterbach für ein Schulprojekt freuen. Knapp 200 ehrenamtlich Aktive aus ganz Hessen waren der Einladung zur Festveranstaltung nach Marburg gefolgt.
Mundart verbindet Generationen und bewahrt die kulturelle Heimat
„Die Projekte kommen aus dem ganzen Land quer durch alle Bevölkerungsgruppen, vom Kindergartenkind bis zum Seniorenkreis, von Theaterfans bis zu sprachkundlich Interessierten“, freute sich Heimatminister Jung. „Sie alle eint ihr ehrenamtliches Engagement, mit dem sie unsere Sprache und unsere kulturelle Heimat bewahren. Hier sieht man wieder ganz klar: Mundart verbindet Generationen, drückt Zugehörigkeit aus und stärkt den Zusammenhalt aller Menschen in einer Region.“
Die Gewinner des zweiten Hessischen Mundartpreises wurden zuvor von einer Jury ausgewählt. Die Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Ehrenamt, Landjugend, Landtouristik und Wissenschaft legten sich auf die zwei Preisträger fest, die sich den Hauptpreis teilen. Zudem vergaben sie die beiden Sonderpreise.
Zu den Preisträgern des Jahres 2026 zählt in der Kategorie Hauptpreis das Projekt „Es woar emol – Märchen in Südhessischer Mundart“ der Mundartfreunde Südhessen. Mit dem Projekt werden bekannte Märchen als Hörbücher und zweisprachige Begleitbücher liebevoll neu gestaltet und von Muttersprachlern eingesprochen. Der gezielte Einsatz in Kitas und Schulen sowie die Ansprache von zugezogenen Familien fördern die aktive Nutzung der Mundart im Alltag. Musik, Illustrationen und der gemeinnützige Zweck zugunsten krebskranker Kinder erhöhen sowohl Reichweite als auch Akzeptanz. Den Mundartfreunden Südhessen gelingt es damit in vorbildlicher Weise, Mundart lebendig, sozial wirksam und generationenübergreifend weiterzugeben.
Ebenfalls mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde der Arbeitskreis Mardorfer Dorfgeschichte für sein Engagement rund um den Mardorfer Dialekt. Der Arbeitskreis bewahrt den lokalen Dialekt mit vielfältigen, praxisnahen Formaten wie Plattschwätz-Nachmittagen, einer informativen Homepage und anschaulichen Materialien. Authentische Geschichten aus dem Dorfleben machen die Mundart für Jung und Alt erlebbar und fördern den Austausch zwischen den Generationen. Die Verbindung aus digitalen Angeboten, Veranstaltungen und gedruckten Medien sichert eine nachhaltige Präsenz im Alltag und stärkt den Dialekt als lebendigen Teil regionaler Identität.
Mit einem Sonderpreis wurde die Band Dark Vatter Combo ausgezeichnet. Die Gruppe verbindet seit 2010 Rockabilly, Country, Soul und Blues mit pointierten Texten auf Kasselänerisch und erzählt regionale Geschichten mit Charme und Tiefgang. Mit mehreren Alben, zahlreichen Konzerten und kulturellen Kooperationen, etwa bei Büchern, Plakaten und Ausstellungen, hat die Gruppe Stadtmundart neu belebt und populär gemacht. Die Verbindung aus musikalischer Qualität, halbironischer Heimatliebe und kulturellem Engagement stärkt das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstverständnis der Region und setzt ein Zeichen für zeitgemäße Mundartkultur.
Ein weiterer Sonderpreis ging an die Uznamen Lauterbach für das Schulprojekt „Vom Blaasderschesser bis zum Walfischfänger“. Das Projekt dokumentiert historische Uznamen aus Lauterbach und bereitet sie kreativ mit Audioaufnahmen und KI-gestützten Videos für einen YouTube-Kanal auf. Schülerinnen und Schüler recherchieren gemeinsam mit Lokalhistorikern und Dorfbewohnern und machen so regionale Sprachgeschichte lebendig. Durch die Verbindung von Heimatkunde, Dialektpflege und digitalen Medien entsteht ein innovatives und identitätsstiftendes Bildungsprojekt mit Vorbildcharakter.
Der Jury für den Hessischen Mundartpreis 2026 gehörten Markus Exner, Geschäftsführung Regionalmanagement Nordhessen, Götz Konrad, Vorsitzender MundART – Der Dialekt Dachverband in Hessen e.V., Antje Kullmann, Vorstandsmitglied Hessische Landjugend, Prof. Dr. Alfred Lameli, Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas an der Philipps-Universität Marburg, die Kabarettistin und Mundart-Kolumnistin Ulrike Neradt, Olaf Streubig, Pressesprecher des Hessischen Heimatministeriums, sowie Mathias Trümner, Referatsleiter Tradition, Brauchtum, Mundart und Fastnacht im Hessischen Heimatministerium, an.
Der Hessische Mundartpreis wird jährlich vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat verliehen. Ziel des Preises ist es, die Sichtbarkeit hessischer Dialekte zu erhöhen, Menschen für die Sprachvielfalt zu begeistern und das ehrenamtliche Engagement in diesem Bereich zu stärken. Der Preis ist mit insgesamt 8.000 Euro dotiert. Im aktuellen Jahr erhalten die Hauptpreisträger jeweils 3.000 Euro Preisgeld, die Sonderpreise jeweils 1.000 Euro. Vereine, Initiativen und Projekte konnten sich bis Herbst 2025 bewerben. Die Preisverleihung findet rund um den Tag der Muttersprache im Februar statt. +++

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