29 Gesellinnen und Gesellen haben viel Energie bewiesen und manchen Widerstand überwunden

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Nach dreieinhalb Ausbildungsjahren haben 29 frisch ausgebildete Elektronikerinnen und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik am vergangenen Freitag bei der Freisprechungsfeier der Elektro-Innung Fulda ihre Gesellenbriefe erhalten. Die Veranstaltung fand erstmals im „antonius Café“ in Fulda statt. Obermeister Johannes Burkart eröffnete die Feier und begrüßte die Junggesellinnen und Junggesellen gemeinsam mit ihren Familien, Ausbildern und Lehrkräften. Ebenfalls anwesend waren der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Ulrich Fritz, sowie Lukas Henke, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda.

In seiner Ansprache griff Burkart das Bild des Stromkreises auf. „Damit ein Stromkreis funktioniert, werden alle Komponenten gebraucht – von der Spannungsquelle über Schalter oder Leiter bis hin zum Widerstand“, sagte der Obermeister und verwies dabei auch auf das Buch „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“ von Saša Stanišić. Er verglich den Stromkreis mit den verschiedenen Bestandteilen der Ausbildung. Auch die neuen Fachkräfte seien zu Beginn ihrer Ausbildung vor dreieinhalb Jahren mit neuen Abenteuern, Herausforderungen und großen Unbekannten konfrontiert gewesen – manches davon sei ein großer Widerstand mit hohem Energiegebrauch gewesen. Am Ende habe jedoch das Zusammenspiel aller Beteiligten zum Erfolg geführt. Burkart dankte daher ausdrücklich auch den Familien, Eltern, Freunden, Lehrern, Ausbildern und Kollegen der Absolventinnen und Absolventen. „Strom fließt nur in geschlossenen Kreisen. Und gerade in der Pubertät kommt es häufiger auch mal zu Kurzschlüssen oder die Sicherungen brennen durch, und manchmal sind Hormone statt Elektronen im Kreislauf“, sagte er. Sein Appell lautete, allen Unterstützern Dank zu sagen und etwas von der erhaltenen Energie zurückzugeben.

Im Anschluss fand eine Talkrunde unter dem Titel „Elektrohandwerk – Branche mit Zukunft!“ statt. Daran beteiligten sich die frisch ausgelernten Fachkräfte Marlene Nattmann, Bastian Siebeck und Leon Schramm sowie Obermeister Johannes Burkart, Lukas Henke, der Lehrlingswart Gerd Röder und Ulrike Vogel, Direktorin der Ferdinand-Braun-Schule. Moderiert wurde die Runde von Matthias Heitzer. Thematisiert wurden unter anderem die Herausforderungen des Berufs, insbesondere im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ulrike Vogel zeigte sich dabei zuversichtlich. „KI spielt in der Schule aktuell noch keine Rolle. Wir müssen in den kommenden Jahren zunächst die Grundlagen legen – dann kann die KI zukünftig als Werkzeug eingesetzt werden, zum Beispiel um schneller planen und kalkulieren oder um Fehler besser vorhersagen zu können“, sagte sie. Auch Lukas Henke bewertete den Einsatz von KI zurückhaltend. Nach seinem Kenntnisstand spiele diese im Handwerk derzeit lediglich eine unterstützende Rolle. „Das Handwerk lebt vielmehr von den Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und das ist eine der großen Stärken, die jede neue Gesellin und jeder neue Geselle nun für sich verbuchen kann“, sagte Henke, der die Freisprechungsfeier erstmals in seiner Funktion als stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda begleitete.

Ein weiterer Schwerpunkt der Gesprächsrunde war der Weg von Frauen in das Elektrohandwerk. Einigkeit bestand darin, dass es mehr weibliche Fachkräfte geben sollte. Marlene Nattmann bestätigte dies aus eigener Erfahrung. „Mir macht es Spaß, und ich habe nach der Ausbildung direkt meinen Meisterkurs begonnen, da jetzt das Erlernte noch in Gänze präsent ist“, sagte sie. Gerd Röder hob zudem den engen Zusammenhalt zwischen allen an der Ausbildung Beteiligten hervor. Die Elektro-Innung veranstalte zu Beginn der Ausbildung regelmäßig eine Kennenlernveranstaltung für die Auszubildenden mit den Ansprechpartnern der Innung und der Kreishandwerkerschaft. „Das Verhältnis zwischen den Betrieben und den Auszubildenden ist besser als vor 20 Jahren. Das sieht man auch daran, wie viele Betriebe ihre Auszubildenden zu den Freisprechungen begleiten“, sagte Röder.

Auch Moderator Matthias Heitzer richtete lobende Worte an die Absolventinnen und Absolventen. Er gratulierte ihnen zu ihrem Erfolg und ermutigte sie, stolz auf ihren Beruf zu sein und diesen Stolz selbstbewusst nach außen zu tragen. Dabei verglich er die 29 neuen Gesellinnen und Gesellen mit „Superheldinnen und Superhelden, die Blitze fangen können“.

Die feierliche Übergabe der Gesellenbriefe erfolgte anschließend durch Obermeister Johannes Burkart und den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Ulrich Fritz. Zudem wurden im Rahmen der Freisprechungsfeier die drei Prüfungsbesten ausgezeichnet: Kornelius Weber von Brehl Elektrotechnik e. K. (Inhaber Sebastian Will), Lars Semler von der Fröhlich & Röbig Elektrotechnik GmbH und Marlene Nattmann von Elektrotechnik Nattmann. Nattmann war nicht nur die beste Absolventin des Jahrgangs, sondern auch die einzige Frau. Johannes Burkart nutzte den Anlass für eine Bitte an die erfolgreiche Nachwuchsfachkraft: „Mach bei deiner Arbeit Werbung für deinen Beruf – wir würden uns über mehr weibliche Fachkräfte sehr freuen.“ +++


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