Beck macht Medien für Umfragetief von Schulz verantwortlich

Martin Schulz (SPD)
Martin Schulz (SPD)

Berlin. Der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck gibt den Medien die Schuld am Umfragetief von Kanzlerkandidat Martin Schulz. „Diese Umfragewerte haben viel damit zu tun, dass an Martin Schulz kein gutes Haar gelassen worden ist“, sagte Beck der „Welt“. Der Ex-Parteichef hielt den Medien eine „unfaire Darstellung des Spitzenkandidaten und verzerrende Berichte über die SPD-Programmatik“ vor. Er beobachte eindeutig eine „mediale Anti-Schulz-Tendenz“. „Erst ist Martin Schulz hochgeschrieben worden, und dann wurde so getan, als habe er selbst den Hype um seine Person erfunden. Das aber ist nicht wahr.

Martin Schulz hat sich nicht überhöht, er ist überhöht worden, weil es so schön gepasst hat“, kritisierte Beck. „Die SPD hat sich mitreißen lassen. Aber das einstimmige Ergebnis auf dem Parteitag war echt.“ Das 100-Prozent-Ergebnis sei ein Zeichen der Hoffnung und auch der Erwartungen gewesen. Beck warf den Medien vor, die öffentliche Meinung gegen Schulz gedreht zu haben: „Wenn Sie wochenlang, und das habe ich als Parteivorsitzender am eigenen Leib erfahren, immer die gleichen Botschaften durch die Mühle drehen, die SPD sei unkonkret, unklar, liefere keine Inhalte, dann sagen das die Leute auf der Straße irgendwann nach.“ Beck betonte, die SPD halte weiter zu ihrem Kanzlerkandidaten und Vorsitzenden Schulz: „Die Partei steht nach wie vor zu ihm. Wer behauptet, die SPD rücke von ihrem Kandidaten ab, der sagt die Unwahrheit.“ Auch den inhaltlichen Kurs seiner Partei stützte Beck: „Schauen Sie sich Jeremy Corbyn in Großbritannien oder Bernie Sanders in den USA an – die hohen Zustimmungswerte zeigen: Es gibt eine Sehnsucht danach, wirtschaftlichen Erfolg und soziale Gerechtigkeit wieder miteinander zu verzahnen. Wenn die SPD diesen Weg auch geht, dann ist das nicht gestrig, sondern fortschrittlich.“

Beck rät seiner Partei dazu, nach der Bundestagswahl im Herbst eine Ampelkoalition mit FDP und Grünen einzugehen. „In Rheinland-Pfalz unter Führung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer funktioniert die `echte Ampel`, also warum nicht auch im Bund?“, sagte Beck der Zeitung. Einem rot-rot-grünen Bündnis mit Grünen und Linkspartei dagegen erteilte Beck eine Absage: „Die SPD ist außen- und sicherheitspolitisch eine verlässliche Partei und wird es bleiben. Daher kann die Linke mit ihrer jetzigen Programmatik auf Bundesebene kein Partner für Sozialdemokraten sein“, erklärte Beck. „Der Parteitag der Linken hat erneut belegt – die Linke, das sind zwei Parteien. Gerade wo es um internationale Verantwortung geht, verweigern sich Frau Wagenknecht und ihre Jünger der Realität in dieser Welt.“ +++


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2 Kommentare

  1. Kurt Beck hat vollkommen Recht!
    Das ging ja bereits unmittelbar nach der Nominierung von Martin Schulz los. Die Union war offensichtlich nach Schulz Erfolg in den Umfragen in Panik. Wegen mangelnder inhaltlicher Argumente hatte die Union in bewährter Weise eine Schmutzkampagne gestartet und warf und wirft immer noch eimerweise mit Dreck um sich. Die Medien ließen und lassen sich offensichtlich immer noch von der Union unkritisch instrumentalisieren und veröffentlichten die u.a. in Schmutz-Dossiers gesammelten Verleumdungen, Verdächtigungen, Verunglimpfungen, Unwahrheiten, falsche Behauptungen, dreiste Lügen,… Selten fand und findet man in den Medien Artikel mit so vielen „sollte, müßte, dürfte, kaum, vermutlich, scheinbar, vermeintlich, fragwürdig, umstritten, wird wohl, …“ wie derzeit über Schulz, der zudem in abschätzigem Kontext als „Heilsbringer, Heiliger, Sankt Martin, Erlöser, Lichtgestalt, Top-Verdiener, Populist, üGurkenvermesser, … denunziert wurde und wird. Besonders taten und tun sich immer noch auf diesem Gebiet die FAZ und der Focus hervor, die sich gewissermaßen als Kampfblätter der Union gerieren und die Schmutz-Kampagne mit initiiert haben. Auch der SPIEGEL und die Welt scheinen mehr Politik machen zu wollen als guten Journalismus. Das ganze in einer ehrenrührigen, niederträchtigen Haß- und Verleumdungssprache! Andere Medien wie z.B. die Passauer Neue Presse (pnp) zensieren hemmungslos auf ihren Foren Kommentare, die sich kritisch gegen diese Schmutzkampagne wenden.
    Aber es fehlt auch nicht an eigenen „unterirdischen“ Beiträgen dieser Medien in dieser Kampagne. Besonders überzeugend und entlarvend läßt sich das an Berichten über Ereignisse wie z.B. Talk Shows oder Wahlkampfauftritte erkennen: So hat z.B. die FAZ den furiosen Auftritt von Martin Schulz bei Anne Will zu einer noch nicht gesehenen Lehrstunde in Populismus herunter geschrieben. Oder der FOCUS den Aschermittwochauftritt von Angela Merkel zu einer frenetischen Jubelorgie hoch geschrieben.
    So tief ist der Journalismus in Deutschland mittlerweile gesunken!
    Noch scheinen die Wähler dieses unwürdige Spiel nicht durchschaut zu haben!
    Nachdem die Union und die einschlägigen Medien so panisch reagierten und immer noch reagieren, scheinen sie ja wirklich zu befürchten, dass Schulz seine Agenda, soweit bisher bekannt, auch durchsetzen wird! Schön!
    Aber Merkel und Seehofer fabulieren von einem fairen Wahlkampf ohne persönliche Angriffe! Unglaubwürdig! Unehrlich!

    „Nicht Alte gegen Junge,
    sondern Arme gegen Reiche!
    Egal, ob jung oder alt,
    gemeinsam sind wir stark!“

    https://youtu.be/9Steya7Qtr8
    https://youtu.be/zH2tEG2G-aw
    https://youtu.be/KYm5ZKtjX9A

    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

    PS: Der Union möchte ich sagen: Unter einem Fairness-Abkommen stelle ich mir etwas anderes vor!

  2. Jeremy Corbyn in Großbritannien oder Bernie Sanders in den USA sind genau die beiden Herren, die in Deutschland auch eine Chance hätten. Nicht aber die Herren von der SPD, die programmatisch meilenweit von Corbyn und Sanders entfernt sind und nichts anderes verkünden, als einen etwas weichgespülten Neoliberalismus. Das ist kein Kontrastprogramm zur CDU und wird auch so von den Wählern nicht wahrgenommen.

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