Fulda. Nach den gestrigen Ereignissen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt zeigen sich die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung Fulda tief betroffen, mahnen jedoch zur Besonnenheit. Der Fuldaer Weihnachtsmarkt bleibt regulär geöffnet, die bereits bestehenden Sicherheitsvorkehrungen werden in Absprache mit dem Polizeipräsidium Osthessen nochmals verstärkt. „Wir sind tief betroffen und entsetzt über die Nachrichten aus Berlin. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen dieser schrecklichen Tat. Gleichzeitig möchten wir jedoch alle Bürgerinnen und Bürger um Besonnenheit bitten“, betont Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.
„Angesichts der allgemeinen Gefährdungslage haben wir bereits im Herbst für den Fuldaer Weihnachtsmarkt ein umfassendes Sicherheitskonzept ausgearbeitet, zu dem auch ein verstärkter Personaleinsatz gehört“, erläutert Bürgermeister Dag Wehner, Ordnungsdezernent der Stadt Fulda. In Rücksprache mit dem Polizeipräsidium Osthessen werden die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen nun nochmals erhöht. „Die Polizei wird ihre Präsenz verstärken und die Stadtwache während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes durchgängig öffnen. Zudem wird die Polizei die für die Silvesternacht geplante mobile Videoüberwachung in der Fuldaer Innenstadt schon jetzt in Betrieb nehmen. Darüber hinaus werden an einigen Zufahrtswegen Sperrmaßnahmen eingerichtet“, skizziert Bürgermeister Dag Wehner, der sich zuversichtlich zeigt, dass gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Osthessen alle notwendigen Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden, um die Besucher des Weihnachtsmarktes bestmöglich zu schützen. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Bürgermeister Dag Wehner betonen einhellig, dass es wichtig sei, auch unter dem Eindruck solcher Ereignisse zu unserer freiheitlichen Gesellschaft zu stehen: „Hierzu gehört auch, dass wir für unsere Werte, Bräuche und Lebensweise einstehen und unsere traditionellen Feste feiern.“
Kommunen rufen nach Anschlag in Berlin zu Besonnenheit auf
Der Deutsche Städte-und Gemeindebund hat nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt zu Besonnenheit aufgerufen. „Die Sicherheit auf solchen Plätzen steht in den Städten und Gemeinden seit Jahren oben auf der Tagesordnung“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Schon in den letzten Monaten hätten die Kommunen in Absprache mit der Polizei vor Ort die Sicherheitskonzepte verschärft und die Vorkehrungen erhöht. In Berlin habe sich das gute Zusammenspiel zwischen Polizei, Rettungskräften und Krankenhäusern bewährt. „Wir wollen und werden unsere Städte und Gemeinden aber nicht zur Festung machen. Dann hätten Terroristen ihre Ziele erreicht“, hob Landsberg hervor. „Weihnachtsmärkte sind ein fester Bestandteil unserer Kultur und müssen erhalten bleiben. Eine offene Gesellschaft braucht offene öffentliche Plätze“, erklärte er weiter. Seit den Todesfällen bei der Loveparade 2010 in Duisburg hätten die Kommunen mit Polizei, Veranstaltern und Rettungskräften an Konzepten zur Erhöhung der Sicherheit gearbeitet. „Diese werden auch zu Silvester greifen“, betonte Landsberg. Absolute Sicherheit könne es allerdings nicht geben.
Birgit Kömpel zum Attentat in Berlin
Ich bin erschüttert, und meine Gedanken sind bei denjenigen, die in der vorweihnachtlichen Zeit einen geliebten Menschen verloren haben oder um die Gesundheit eines Angehörigen oder Freundes bangen müssen. Wer sich in Berlin ein wenig auskennt, der kann nachvollziehen, warum der mutmaßliche Attentäter sich den Breitscheidplatz ausgesucht hat. Der Platz ist von mehreren Straßen zugänglich, die Gegend steht für das alte West-Berlin, viele Einheimische sind hier zu finden. Ich bin wütend über Menschen, die so etwas tun. Und ich habe Angst, dass rechte Kräfte dieses Attentat nutzen, um mit ihren stumpfsinnigen Parolen erfolgreich zu sein. Stolz bin ich auf die Sicherungs- und Rettungskräfte, die eine großartige Arbeit verrichtet haben. Solch ein Attentat wird sich aber leider nie vermeiden lassen. Die Verbrecher haben das Ziel, Angst zu schüren. Deshalb finde ich die ersten Reaktionen der Bürgerinnen und Bürger sehr gut: Sie wollen sich nicht zu Hause verkriechen und öffentliche Plätze und Veranstaltungen meiden. Ich erinnere mich gut an die Worte von Helmut Schmidt nach der Entführung Hanns Martin Schleyers in Richtung Terroristen: „Sie mögen in diesem Augenblick ein triumphierendes Machtgefühl empfinden. Aber sie sollen sich nicht täuschen. Der Terrorismus hat auf Dauer keine Chance. Gegen den Terrorismus steht der Wille des ganzen Volkes.“ Diese Worte gelten bis heute. Wir müssen zusammenstehen! Für unsere Werte, für unsere freiheitliche Gesellschaft, gegen Hass, gegen alle Fundamentalisten und gegen Menschen, die diese Anschläge politisch ausschlachten. In der Politik sind wir gut beraten, jetzt besonnen und klug zu reagieren. Schnelle Forderungen nach schärferen Gesetzen sind schnell ausgesprochen. Wir dürfen allerdings das Attentat nicht nutzen, um die zu Recht verängstigten Menschen in unserem Land als Wähler/innen zu gewinnen. Zunächst sollten erst einmal Mitgefühl und Trauer im Vordergrund stehen.

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