Wirtschaftsweiser Feld kritisiert Erbschaftsteuerreform

Bundestag Geld

Berlin. Der Wirtschaftsweise Lars Feld übt scharfe Kritik am Kompromiss zur Erbschaftsteuer. „Die Erbschaftsteuer bleibt verkorkst“, sagte der Chef des Freiburger Walter-Eucken-Instituts in Freiburg dem „Handelsblatt“. Es sei wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Erbschaftsteuer das nächste Mal vor dem Verfassungsgericht landet. „Dann beginnen die Diskussionen wieder von vorn, spätestens dann“, sagte Feld. Feld hatte sich zusammen mit anderen Finanzexperten im Vorfeld für eine Erbschaftsteuer mit breiter Bemessungsgrundlage und niedrigen Steuersätzen eingesetzt. Je nach Ausgestaltung dürfte ein Steuersatz von rund zehn Prozent ausreichen, um das aktuelle Erbschaftsteueraufkommen von rund sechs Milliarden Euro zu erreichen. Heute betragen die Erbschaftsteuersätze bis zu 50 Prozent. +++ fuldainfo


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2 Kommentare

  1. Natürlich scheitert auch diese „Reform“ wieder vor dem Bundesverfassungsgericht. Das ist aber den betroffenen Erben sehr recht, denn so lange es keine rechtsgültige Lösung gibt, sind sie fein raus. Der Vorschlag von Herrn Feld ähnelt sehr dem FDP-Vorschlag. Zunächst einmal ist ein Steuersatz von 10 Prozent lächerlich, wenn man bedenkt, welcher Steuersatz fällig werden kann, wenn das Einkommen durch Arbeit verdient wird. Zum anderen handelt es sich hier um einen fiesen Trick, denn ist erst mal der Steuersatz auf ein Minimum gesenkt, dann kommen anschließend die Diskussionen über die Freibeträge und am Ende zahlen wieder nur ca. 1 Prozent aller Erben überhaupt etwas. Die ganze Diskussion geht am Grundgesetz vorbei, in dem geschrieben steht, dass Eigentum dem Gemeinwohl verpflichtet ist.

  2. Die Themen Mittelschicht, kalte Steuerprogression, Rentenniveau, Erbschaftsteuer, Vermögenssteuer, Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bei gleicher Arbeit, Versicherungsbeiträge, Sozialstaat, Schere zwischen Arm und Reich etc müssten einmal im größeren Zusammenhang diskutiert werden. Dass die Ungleichheit bzw. soziale Spaltung seit Jahren zunimmt, und mittlerweile auf einem inakzeptablen Niveau angelangt ist, dürfte wohl unstrittig sein. Dennoch wird immer wieder – auch von namhaften Wirtschaftswissenschaftlern (nicht nur von IW und IFO) – versucht, dies zu negieren bzw. zu relativieren! Eine der Konsequenzen: die Mittelschicht (entspricht 26% der Nettoeinkommen) trägt rd. 54% zu den Beiträgen der Sozialversicherung bei, die Reichen (entspricht 11% der Nettoeinkommen) nur rd. 6%. Und jetzt will die Union einmal mehr die Lasten der Flüchtlingspolitik durch die Verlängerung des Soli bzw. durch eine Benzinabgabe vorwiegend den Steuerzahlern und damit der Mittelschicht aufbürden! Last, but not least findet durch die aktuelle EZB-Politik (Fluten der Finanz-Märkte mit frischem Geld, negative Zinsen) in Verbindung mit Schäubles „Schwarzer Null-Politik“ die größte Umverteilung bei Sparern und Rentnern seit der Währungsreform von 1948 statt, was zu einer weiteren Verarmung von Sparern und Rentnern führen wird. Und dann noch das Demografie-Problem, das mutig verdrängt wird!
    Die Grundfrage ist: wohin steuert unsere Gesellschaft in der Frage einer gerechten und angemessenen Einkommens- und Vermögensverteilung? Wer hat wann beschlossen, dass wir heute in Bezug auf diese Verteilung da stehen, wo wir stehen? Wer legt fest, wo wir morgen stehen wollen? Mit welchen Maßnahmen? Um diese Grundfragen drückt sich unsere Politik herum und beschließt bzw. unterlässt Maßnahmen, die letztlich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen, obwohl das kein Politiker so benennt und zugibt.
    In der Sozialpolitik gäbe es eine einfache Maßnahme, die auch das Problem der demographischen Entwicklung (Alterung, Bevölkerungsrückgang, immer mehr Rentnern wie auch Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber) berücksichtigt: auch große Einkommen und Vermögen (also auch die Produktionsfaktoren Kapital und Boden) beitragspflichtig machen!
    Bis das passiert, mein Tip:
    http://youtu.be/mQvThNJkKb

    In der Steuerpolitik gibt es einen neuen Lichtblick: das Bundesverfassungsgericht hatte bei der Erbschaftsteuer mal wieder eine verfassungskonforme Wegweisung gegeben (Eigentum verpflichtet). Auch wenn die Politik erwartungsgemäß dem nicht folgt (wie z.B. das von der CSU angekündigte Veto zu Schäubles ursprünglichem Vorschlag belegt, der ja in keinster Weise dem Thema soziale Gerechtigkeit gerecht geworden wäre, sondern zur weiteren sozialen Spaltung der Gesellschaft beigetragen hätte). Und dass die Familienunternehmer aus allen Rohren schießen, war wohl nicht anders zu erwarten. Zu anderer Gelegenheit singen sie ebenso inbrünstig das hohe Lied des Leistungsprinzips. Nur: Erben ist keine Leistung! Eine Erbschaft ist ein „unverdientes“ Vermögen!
    Und in der bayerischen Verfassung ist verankert: „Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.“ (Art. 123 Abs. 3) Ob das der wirkliche Grund für das eingelegte CSU-Veto zu Schäubles Vorschlag ist?
    Und was hört man von der SPD? Neuerdings will sie sich wieder der sozialen Gerechtigkeit zuwenden! Aber erst einmal hat sie dem Regierungskompromiss zugestimmt, der kein Element der sozialen Gerechtigkeit enthält. Bleibt hier nur noch, auf die Grünen im Bundesrat zu hoffen! Und Frau Schwesig läßt die SPD bei ihrem Gesetzentwurf zur Lohngleichheit im Regen stehen! Was will denn nun die SPD?
    Mein Tip:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    http://youtu.be/-5X2P5J6MiA
    http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
    Was sagt der Bundestag?
    http://youtu.be/QGOx8I0COYg

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