Windkraft: RhönEnergie zieht sich aus Teilprojekt zurück

RhönEnergie Fulda

Fulda. Die SynEnergie eine 100prozentige Tochter der RhönEnergie Fulda, veräußert die Windkraftplanung am Standort Burkhardser Kopf/Roßberg auf der Gemarkung Eichenzell. Dies betrifft potenzielle Standorte für drei Windkraftanlagen. Die bisher entstandenen Kosten für die Entwicklung des Standorts, hauptsächlich erfolgte Planungsleistungen zur Standortanalyse, Wind- und Naturschutzgutachten, werden vom Investor übernommen.

„Dies entspricht unserer Linie, die wir offen kommuniziert haben“, erklärt Günter Bury, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda. „Wir haben jederzeit deutlich gemacht, dass wir die Windkraftprojekte in Eichenzell und Ebersburg nur in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Gemeinde realisieren wollen – das Projekt mit Ebersburg wird ja auch nach Plan weiterverfolgt.“ Nun war das Vorhaben von den Gemeindevertretern in Eichenzell abgelehnt worden. Dies respektiere die RhönEnergie und ziehe sich aus dem Teilprojekt Windkraftplanung zurück.

Konsequenz aus Gemeindevotum

„Diese Konsequenz haben wir immer mitgedacht und stehen dazu“, so Bury. „Fairerweise haben wir der Energiegenossenschaft bereits im Oktober des vergangenen Jahres den Standort ebenfalls angeboten. Dies wurde jedoch abgelehnt. Wir halten die Genossenschaftsidee immer noch für eine sehr gute Option bei der Realisierung von dezentraler Erzeugung. So bliebe die Wertschöpfung in Bürgerhand.“ Das sei unter den nun gegebenen Voraussetzungen jedoch nicht mehr möglich. Es liege zudem überhaupt nicht in der Hand der RhönEnergie zu verhindern, dass an einem im Regionalplan vorgesehenen Standort, der zudem die entsprechenden Windgeschwindigkeiten bietet, auch irgendwann Windenergieanlagen realisiert würden.

Regionaler Investor

Umso erfreulicher sei es nun laut Bury, dass sich mit Oktoberwind ein regionaler Investor aus Gersfeld gefunden habe. „So bleibt die Wertschöpfung in der Region“, erklärt Bury und ergänzt: „Wir sind sicher, dass hier mit Augenmaß vorgegangen wird. Der Investor übernimmt die umfangreichen Planungsleistungen am Standort, die wir in den vergangenen Monaten vorgenommen haben. Dies kostete uns viel Geld und selbstverständlich müssen wir dafür sorgen, dass es nicht umsonst ausgegeben wurde.“ Die RhönEnergie Fulda als kommunales Unternehmen müsse wirtschaftlich arbeiten. Daher sei ein sechsstelliger Betrag Bestandteil des Vertrages mit Oktoberwind, heißt es in der Mitteilung.

Umfangreiche Planungsleistungen verkauft

Zu den bisher erfolgten Planungsleistungen am Standort gehören die Vorklärung und Standortanalyse, darunter fallen technische Planungsaspekte wie die langfristige Windmessung und Einholung eines Windgutachtens. Außerdem waren die Abklärung örtlicher Rahmenbedingungen und der Wirtschaftlichkeit sowie Planungs- und Vermessungsarbeiten Teil der Projektierung. Einen wichtigen und umfangreichen Aspekt der Planungsarbeiten hatten genehmigungsrechtliche Aspekte eingenommen, unter anderem mehrere Naturschutzgutachten.

Ergänzung der RE

„Am 7.10 und 9.10.2014 fanden jeweils Gespräche mit der Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energie Eichenzell eG und der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen Energie e.G. Kalbach/Rhön statt. Gegenstand dieser Gespräche war die weitere Entwicklung der Windkraftprojekte an den beiden Standorten. Hier ist uns intern eine Unschärfe unterlaufen: In beiden Gesprächen wurde den Energiegenossenschaften der Erwerb der Projektrechte angeboten. Die Energiegenossenschaft aus Kalbach erklärte, dass sie sich außerstande sehe, die finanziellen Mittel aufzubringen und lehnte das Angebot ab. Hingegen hatte die Energiegenossenschaft aus Eichenzell abgelehnt, das Projekt allein zu kaufen, wie in der Pressemeldung beschrieben. Sie hatte jedoch signalisiert, das sie sich vorstellen könne, das Projekt gemeinsam mit einem neuen Partner zu übernehmen. In der weiteren Diskussion hatte man sich dann darauf geeinigt, dass die Genossenschaft in der Gemeindevertretung für den städtebaulichen Vertrag mit der SynEnergie GmbH werben wolle. Dieser Vertrag wurde jedoch durch die Gemeindevertretung mehrheitlich abgelehnt.“ +++ fuldainfo


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7 Kommentare

  1. Schon wieder ist ein Projekt gescheitert.
    Von vornherein war absehbar, dass die Planung wegen nicht ausreichend vorhandener Akzeptanz bei uns in Eichenzell nahezu aussichtslos sein würde. Es war also sehr wahrscheinlich, dass das Vorhaben wegen der mehrheitlich ungeliebten Windkraftanlagen schon in der Planungsphase scheitern würde.
    Warum hat man also trotz aller Risiken dieses Projekt entgegen der Bürgerinteressen begonnen?
    Der Versuch, im Nachhinein das Scheitern mit dieser Pressemeldung schön zu reden, kann nicht gelingen.
    Wird in dem kommunalen Unternehmen endlich mal wieder Vernunft einkehren?
    Das Scheitern hat mittlerweile System und in der Bilanz bekanntlich tiefe Spuren hinterlassen.

  2. 1. Windkraft in d. politischen hess. Agenda ist ein Verteilungskampf d. potentiellen Investoren / Finanzinvestoren
    2. Windkraft ist so wirtschaftlich oder unwirtschaftlich wie es die Bundesagenda vorsieht (Über strategische Investments sind gesetzl. festzulegende Abnahmepreise bei Strom/Energie garantiert = kein Risiko)
    3. Lokale Betreiber sind in keinem Fall Energie Genossenschaften
    4. Die RhönEnergie hat sich mit Kapitalgesellschaften oder Energiekonzernen arrangiert
    5. Der osthessischen Region werden alle Lasten des Zubaus zugemutet ohne selbst davon zu profitieren

  3. Da hat Herr Bury völlig recht!

    Warum sollte die RhönEnergie als Konzessionsnehmer in der Gemeinde Eichenzell gegen den Willen der Gemeinde arbeiten. Das ist nicht sinvoll, und daher ist das Vorgehen der RhönEnergie mehr als nachvollziehbar.

    Nur die Rechnung der Eichenzeller Gemeinde wird nicht aufgehen. Jetzt baut der nächste Investor und dem ist die Meinung der Gemeinde egal, sonst hätte er das Projekt nicht gekauft. Es stellt sich die Frage bei welchem Investoren die Gemeinde mehr Einfluss auf die Wahrung ihrer Interessen gehabt hätte, bei dem der nach ihrer Meinung fragt, oder bei dem der entgegen ihrer Meinung bauen will.

    Na, zumindest würden die Rendite und die Steuern dann nach Gersfeld gehen und nicht zu irgendeinem Milliardär nach Russland. Aber nach Eichenzell fließt nun aber eben kein bis wenig Geld (ggf. Gewerbesteuer). Die Leute, die zukünftig mit den Windkraftanlagen vor Ort leben müssen, haben nun leider nichts davon.

  4. Ich habe eher den Eindruck, daß das Rhönenergie Management endlich begriffen hat, daß es zu viele riskante Projekte gibt, an denen sich die ÜWAG bisher beteiligt hatte. Ein Rückzug von Projekten, bei denen zu erwarten ist, daß damit weder kurz- noch langfristig Geld zu verdienen ist, erscheint mir sehr vernünftig.

    Derzeit trennt sich übrigens auch der BUS Bereich von einem gewissen polnischen Unternehmen, bei dem man in der Vergangenheit vermeintlich „günstige“ Busse gekauft hatte.

    Wenn man bei der Rhönenergie jetzt noch anfangen würde, die Managementstrukturen zu ändern, dann könnte es langfristig evtl. sogar gelingen, den schlingernden Dampfer wieder auf Kurs zu bringen.

    Was ich damit konkret meine, gilt für eine ganze Reihe von Unternehmen, aber auch für Verwaltungen der Region. Sowohl die Rhönenergie, als auch andere lokale Unternehmen werden traditionell autoritär geführt. Daß heisst, daß der Chef alles bestimmt und für alles verantwortlich ist. Niemand trägt mehr Verantwortung, da alle ihr Denken abgeschaltet haben und man sehr bequem für alles, eben auch für eigene Fehler den Chef verantwortlich machen kann. Daß das oft schief geht, wissen wir alle nur zu gut!

    Daß es anders viel besser gehen könnte, zeigt ein Beitrag auf ARTE, der vor einigen Tagen im TV lief, aber gottseidank auch über Internet abrufbar ist. Jeder, der in Fulda mit seiner jetzigen Arbeitssituation unglücklich ist, sollte seinem Chef mal dieses Video zeigen:

    http://goo.gl/EWcz4C

    Aber ob sich Herr Bury sowas jetzt kurz vor seiner Pensionierung noch angucken wird, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht wird sich da ja was unter seinem Nachfolger tun.

    Allen, die guten Willens sind, wünsche ich eine gute Woche – die kleine Feder ;-)

  5. Geht die Luft aus im wahrsten Sinne des Wortes oder hat der Aufsichtsrat den Geldhahn zugedreht um noch größere Investionsverluste zu verhindern?
    Diese Augenwischerei dieser Firma mit ihrem Vorstand ist ja unerträglich.

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