Waldzustand in Hessen so schlecht wie nie

Wald der Zukunft: Weitere Maßnahmen für klimastabilen Wald

Priska Hinz (Grüne)

„Die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir alle immer stärker. Trockenheit und Hitze belasten Mensch und Natur. Auch der Wald leidet. In weiten Teilen Hessens ist der Zustand des Waldes in diesem Jahr schlecht wie nie zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Waldzustandsbericht. Das bedeutet: Wir müssen weiterhin alles tun, um den Klimawandel zu begrenzen. Und wir müssen den Wald weiter stärken. Er ist zum einen Opfer des Klimawandels, aber auch von großer Bedeutung für den Klimaschutz. Im vergangenen Jahr haben wir den 12-Punkte-Plan für einen Wald der Zukunft auf den Weg gebracht. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter und werden mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket den Waldschutz noch weiter intensivieren“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz.

„An vielen Orten in unserem Land sieht man abgestorbene Waldflächen, wo einst geschlossene Wälder standen. Die Kronenverlichtung, ein wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand der Bäume, hat in diesem Jahr noch einmal zugenommen. Auch die Absterberate und der Anteil starker Schäden weisen die höchsten Werte seit Beginn der Zeitreihe auf. Der dramatische Zustand des Waldes bestimmt unser aktuelles Handeln“, sagte heute die Hessische Umweltministerin Priska Hinz.

12-Punkte-Plan: Alle Punkte in der Umsetzung

„Von unserem 12-Punkte-Plan sind alle Punkte bereits in der Umsetzung: Für den Staatswald wurde ein fundiertes Wiederbewaldungskonzept erarbeitet, an dem sich die Arbeit der Försterinnen und Förster nun orientiert. Ergänzend entstehen Klimarisikokarten, die helfen sollen die richtige Baumart für den entsprechenden Standort zu wählen. Private und kommunale Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer werden bei der Bewältigung der Folgen aus den Stürmen und Dürren unterstützt und auch für den Staatswald steht mehr Geld zur Verfügung. Daran knüpfen wir an und reagieren auf die aktuellen Ergebnisse der Waldzustandserhebung mit weiteren Anstrengungen,“ erklärte Ministerin Hinz.

Hessen investiert mehr Geld in den Wald

Die Beseitigung von Waldschäden, Wiederbewaldung und Waldumbau kosten viel Geld. Die Corona-Pandemie hat mit einem Zusammenbruch der Auslandsnachfrage auf dem Holzmarkt die prekäre Situation von Waldbesitzenden weiter verschärft. „Neben den Mitteln, die für den 12-Punkte-Plan bereitstehen, haben wir auch bei unserem Corona-Sondervermögen an den Wald gedacht“, ergänzte Hinz. „Wir investieren bis 2023 eine Rekordsumme von über 250 Millionen Euro in unsere Wälder. Wir unterstützen Waldbesitzer, schützen bestehende und pflanzen neue klimastabile Wälder.“

Für den Staatswald wird mehr Personal zur Verfügung stehen

„Mein großer Dank gilt in diesen Zeiten den Försterinnen und Förstern von Hessen-Forst, die sich Tag für Tag mit großem Engagement für den Schutz des Waldes einsetzen. Sie kümmern sich um die Aufarbeitung und Abfuhr von Schadholz, um die Wiederbewaldung von Kahlflächen, um die Beratung von kommunalen und privaten Waldbesitzenden sowie um zahlreiche Maßnahmen des Artenschutzes“, so Ministerin Hinz. „Der Klimawandel stellt sie vor nie da gewesene Herausforderungen: Um diese besser zu meistern, haben wir entschieden, beim Landesbetrieb Hessen-Forst deutlich mehr Personal vorzusehen. Außerdem werden wir dafür sorgen, dass alle Forstämter erhalten bleiben“, erklärte Hinz. Bis 2025 werden 220 Stellen mehr zur Verfügung stehen, als ursprünglich geplant waren. Damit ist das Personalkonzept 2025 grundlegend geändert.

Die Wiederbewaldung von Kahlflächen wird noch gezielter gefördert

„Bei der Extremwetterrichtlinie gehen wir nun deutlich über unsere Ziele des 12-Punkte-Plans hinaus, um private und kommunale Waldbesitzenden noch gezielter zu fördern. Neu hinzu kommt nun, dass wir auch die Wiederbewaldung und Verkehrssicherung fördern. Besonders für kleinere Waldbesitzende bieten wir gute Konditionen: Sie können mit einer Förderquote von bis zu 95 Prozent unterstützt werden“, erläuterte Hinz. Als fundierte wissenschaftliche Grundlage für die Förderung der Wiederbewaldung dienen nun außerdem neue, an die künftigen standörtlichen Wasserbilanzen angepasste, Waldentwicklungsziele, die die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt erarbeitet hat.

Fundierte Konzepte für den klimastabilen Wald der Zukunft

„Unser Ziel ist einen klimastabilen Mischwald aufzubauen. Klimarisikokarten, Waldentwicklungsziele und Wiederbewaldungskonzept geben allen Waldbesitzenden hier eine wichtige Hilfestellung, um den Waldumbau in den nächsten Jahren zu gestalten. Wir werden auch weiterhin die Untersuchungen in diesem Bereich vorantreiben. Dabei hilft auch das gerade ausgewiesene Klimaschutzforstamt in Burgwald, das uns wichtige Erkenntnisse liefern wird“, erklärte Hinz.

Der Waldzustandsbericht weist auch auf eine erhebliche Stresssituation bei der Buche, der Hauptbaumart in Hessen, hin. Um die Buchenbestände bestmöglich zu stabilisieren, wurde bereits 2019 die waldbauliche Behandlung der Buchenbestände im hessischen Staatswald an das seit 2018 fortdauernde Kalamitätsgeschehen angepasst. „Zur Stärkung der Biodiversität haben wir nun zusätzlich beschlossen, den Holzeinschlag in über 100jährigen geschlossenen Buchenbeständen in Natura 2000-Gebieten zunächst für die Dauer eines Jahres auszusetzen“, erklärte Hinz.

Biodiversität im Wald erhalten

„Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. Arten, die es kalt und feucht mögen verlieren ihren Lebensraum, Vögel beginnen früher zu brüten. Dies müssen wir bei der Waldnutzung und dem Waldschutz berücksichtigen. Deshalb werden wir nun die Naturschutzleitlinie für den Staatswald von 2010 überarbeiten und an die Anforderungen des Klimawandels anpassen. Wichtig ist dabei zum Beispiel, den Wasserrückhalt im Wald zu verbessern, durch Renaturierungen von Mooren, Anlegen von Teichen oder Beseitigung von Fließhindernissen. Außerdem wollen wir gezielt Habitatbäume erhalten, also Bäume mit Bruthöhlen oder Fledermausquartieren. Unser Biodiversitätsforstamt Hofbieber wird dafür wichtige Hinweise geben“, erklärte Hinz. +++ pm

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4 Kommentare

  1. Ich bin sprachlos über Priska Hinz und die Grünen. MAN /FRAU kennt offentsichtlich die ganze Problematik , aber der Dannenröder Forst und auch der Herrenwald und Maulbacher Forst sind trotzdem das Opfer für den Weiterbau der A 49. Es gibt/ gäbe eine sinnvolle Alternative , aber man lässt lieber Hundertschaften der Polizei in Zeiten der Pandemie aufmarschieren gegen die Jugend von heute, die für Ihre Zukunft * den ERHALT von WALD un den ERHALT von WASSERschutzgebieten * sogar den Danneröder Forst besetzen.
    Und nicht nur ich bin sprachlos ! WARUM KANN MAN HIER NICHT LÖSUNGEN FINDEN DIE FÜR DIE ZUKUNFT UNSERER KINDER UND ENKEL SINNVOLL UND SOGAR ZWINGEND SIND ?
    Gelb, Grün, Rot oder Schwarz – die Politiker tragen alle die gleiche Verantwortung , dafür wurden sie gewählt !

  2. Hessen gibt Geld für Aufforstung und Klimaschutz aus und fällt zeitgleich uralte Mischwälder im Vogelsbergkreis für eine neue Autobahn. Was ein gigantischer Irrsinn.

    • Ich stimme Ihnen zu!
      Ein Teil des besagten Waldes liegt sogar in einem Flora Fauna Habitat – extra Schutzgebiete aufgrund ihrer besonderer Arten und dann noch in einem Wasserschutzgebiet!
      Die Aussagen und vermittelten Ambitionen in dem Artikel passen nicht zu dem, was da gerade geschieht.

Demokratie braucht Teilhabe!