Führerschein beantragen, den Wohnsitz an- oder ummelden oder Unterhaltsvorschuss anfordern – was bisher oft mit Wartezeiten, Formularbergen und Behördengängen verbunden war, soll in Hessen künftig bequem online erledigt werden können. Das Land startet einen umfassenden Verwaltungsschub: Bis Ende 2026 sollen wichtige Behördengänge in vielen Städten und Gemeinden digital verfügbar sein, schreibt das Portal osthessenreport.
Hessen geht damit voran und setzt auf Tempo bei der Verwaltungsdigitalisierung. Die fünf besonders nachgefragten Behördenleistungen Ummeldung, Aufenthaltsrecht für ausländische Staatsangehörige, Führerscheinantrag, Unterhaltsvorschuss sowie immissionsschutzrechtliche Genehmigungen werden hessenweit digital angeboten. In Berlin stellten Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger, Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus und der bayerische Digitalminister Dr. Fabian Mehring die nächsten Schritte vor. Der Bund hat Hessen gemeinsam mit Bayern als erstes Pilotland ausgewählt, um eine Blaupause für ein flächendeckendes digitales Angebot zu entwickeln, das später auch in anderen Bundesländern genutzt werden kann.
In einem ersten Schritt sollen bis Ende 2026 genau diese fünf Verwaltungsleistungen möglichst flächendeckend digital umgesetzt werden. Dazu zählen die An- und Ummeldung, das Aufenthaltsrecht für ausländische Staatsangehörige, der Führerscheinantrag, der Unterhaltsvorschuss sowie immissionsschutzrechtliche Genehmigungen, etwa für Windenergie- oder Chemieanlagen. Ziel ist es, den Gang zum Amt in vielen Fällen überflüssig zu machen und Verfahren deutlich zu beschleunigen.
„Gemeinsam mit Bund und Kommunen bringen wir mehr Tempo und mehr Service in die Verwaltungsdigitalisierung. Der Schub für die digitale Verwaltung in Deutschland beginnt in Hessen“, betonte Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Roll-in-Teams, die Kommunen bei der technischen Anbindung unterstützen und vor Ort helfen. Der Bund übernimmt dabei die Beauftragung eines Generalunternehmers, was vor allem kleinere Kommunen spürbar entlastet. Ergänzend entsteht ein zentraler Informations-Hub mit Leitfäden und Checklisten, während einheitliche Nachnutzungsverträge rechtliche Klarheit schaffen. Gleichzeitig wird das zentrale Nutzerkonto BundID gemeinsam mit hessischen Pilotkommunen benutzerfreundlicher weiterentwickelt. Die laufenden Betriebskosten der fünf Verwaltungsleistungen trägt weiterhin das Land Hessen. Zudem stehen über das Budget der Digitalministerin den hessischen Ressorts in dieser Legislaturperiode rund 85 Millionen Euro für die Umsetzung digitaler Verwaltungsleistungen zur Verfügung.
Auch Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori sieht klare Vorteile für Bürgerinnen, Bürger und Betriebe. „Der digitale Führerscheinantrag zeigt, wie Verwaltungsmodernisierung den Alltag konkret erleichtert. Wenn Anträge einfacher gestellt und schneller bearbeitet werden können, entlastet das nicht nur die Menschen selbst, sondern auch die Beschäftigten in den Behörden und die Betriebe, die auf funktionierende Abläufe angewiesen sind. So verbinden wir guten Service mit effizienter Verwaltung und stärken den Wirtschaftsstandort Hessen ganz praktisch“, sagte Mansoori.
Innenminister Roman Poseck verwies auf die bisherigen Fortschritte: „Hessen hat in den vergangenen Jahren insbesondere mit der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes große Fortschritte in der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen gemacht. Ich bin dem Bund dankbar, dass er Hessen dabei unterstützt, besonders nachgefragte Leistungen wie die Wohnsitzanmeldung oder die Erteilung und Verlängerung eines Aufenthaltstitels landesweit noch schneller verfügbar zu machen. Das wird auch die Meldeämter und Ausländerbehörden deutlich entlasten.“
Familienministerin Diana Stolz hob die Bedeutung für Alleinerziehende hervor. „Mit dem Onlinedienst Unterhaltsvorschuss können betroffene alleinerziehende Hessinnen und Hessen schnell und von zu Hause aus Unterstützung beantragen. Das spart in ihrer ohnehin knapp bemessenen Zeit den Weg zum Jugendamt und steht für unser familienfreundliches Hessen“, erklärte sie.
Auch im Bereich Umwelt- und Anlagengenehmigungen bringt die Digitalisierung spürbare Erleichterungen. Landwirtschaftsminister Ingmar Jung sagte: „Das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren kann seit Beginn 2026 digital durchgeführt werden. Für die digitale Antragerstellung kann das Onlineportal ELiA genutzt werden. Die digitale Antragstellung reduziert deutlich den Zeitaufwand sowie Kosten für Druck und Versand. Behörden und die interessierte Öffentlichkeit können zudem bequem über das Beteiligungsportal Hessen Unterlagen einsehen.“
Bereits seit September 2025 arbeiten Bund, Land und sechs hessische Pilotkommunen eng zusammen, um Erfolgsfaktoren für einen schnellen Roll-out digitaler Verwaltungsleistungen zu identifizieren. Zu diesen Pilotkommunen zählen Wiesbaden, Kassel, Hattersheim, der Rheingau-Taunus-Kreis, der Wetteraukreis und Heuchelheim. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die bundesweit nutzbare Blaupause ein. Als erster wirksamer Schritt sorgen die Roll-in-Teams für technische Unterstützung und IT-Expertise vor Ort. „Unsere Kommunen bringen wertvolle Praxiserfahrung ein – damit leisten wir einen Beitrag weit über Hessen hinaus“, so Digitalministerin Sinemus abschließend. +++

Hinterlasse jetzt einen Kommentar