Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hat für Geduld mit der in die Kritik geratenen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer geworben. "Wir sollten Annegret Kramp-Karrenbauer die Zeit geben, die sie braucht, um ihre Spielidee umzusetzen", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Viele Dinge, die sie angestoßen hat, können noch gar keine Wirkung entfalten. Ich empfehle Gelassenheit."
Mit Blick auf den Umgang Kramp-Karrenbauers mit dem YouTuber Rezo und dem CDU-Rechtsausleger Hans-Georg Maaßen sagte Brinkhaus: "Fehler machen wir alle. Es kommt auf das große Ganze an." Die Frage, ob sich Kramp-Karrenbauer als mögliche Kanzlerkandidatin disqualifiziert habe, verneinte der Fraktionschef. Zugleich äußerte er sich skeptisch über die Idee, den nächsten Kanzlerkandidaten der Union in einer Urwahl zu bestimmen. "Bei uns ist die Konstruktion mit den Schwesterparteien CDU und CSU etwas komplexer als bei Grünen oder SPD", sagt e er. "CDU und CSU verständigen sich gemeinsam über die Kanzlerkandidatur." Berichte über ein angespanntes Verhältnis zwischen Kramp-Karrenbauer und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte Brinkhaus nicht bestätigen. "Man sollte aus einer Mücke keinen Elefanten machen und die Belastungsfähigkeit der Beziehung zwischen Kanzlerin und Parteichefin nicht an einem getrennten Flug in die USA festmachen", sagte er. "Ich sitze ja mit beiden oft zusammen, und ich erlebe, dass sie gut zusammenarbeiten."
Umfrage: Mehrheit gegen erneute Kanzlerschaft Merkels
Trotz der Führungskrise in der CDU lehnt eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger eine erneute Kanzlerschaft Angela Merkels über das Jahr 2021 hinaus ab. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA (2.058 Befragte vom 27. bis 30. September) für das Nachrichtenmagazin "Focus" ergab, sind 62 Prozent der Befragten gegen eine fünfte Amtsperiode Merkels. Dagegen fänden es nur 18 Prozent der Deutschen gut, wenn sich Merkel noch einmal einer Kanzlerwahl stellen würde, 20 Prozent machten keine Angaben. Unter den Anhängern der Union sind laut der Umfrage nur 32 Prozent dafür, das Merkel noch einmal antritt. 50 Prozent sind dagegen. Je 13 Prozent der SPD- und Grünen-Anhänger sind für eine erneute Kanzlerschaft Merkels. Unter Anhängern der AfD ist die Ablehnung mit 89 Prozent am höchsten. Angela Merkel selbst hatte im Herbst 2018 erklärt, nicht erneut antreten zu wollen. Sie sagte damals: "Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren." Die Fragestellung lautete: "Fänden Sie es gut, wenn sich Angela Merkel sich 2021, entgegen Ihrer Ankündigung, erneut als Kanzlerkandidatin zur Wahl stellen würde?" +++

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