Die Umweltschutzbranche in Deutschland hat im Jahr 2024 erstmals seit sechs Jahren einen Rückgang ihrer Umsätze verzeichnet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, erwirtschafteten Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors mit Gütern und Leistungen für den Umweltschutz einen Gesamtumsatz von 117,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Minus von 1,9 Prozent.
Trotz des Umsatzrückgangs blieb die Zahl der sogenannten „Green Jobs“ nahezu unverändert. Nach Angaben von Destatis sank die Zahl der Beschäftigten, die Güter und Dienstleistungen für den Umweltschutz herstellen oder erbringen, lediglich um 300 auf rund 404.900 Vollzeitäquivalente. Die Industrie investierte im Jahr 2024 zudem 21,8 Milliarden Euro in den Umweltschutz.
Den größten Anteil am Gesamtumsatz hatte erneut der Umweltbereich Klimaschutz. Dort wurden 73,0 Milliarden Euro erwirtschaftet, was einem Zuwachs von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Wesentliche Umsatzträger waren Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien mit 36,2 Milliarden Euro sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Einsparung von Energie mit 34,1 Milliarden Euro. Innerhalb der erneuerbaren Energien erwies sich die Onshore-Windkraft mit einem Umsatz von 14,8 Milliarden Euro als stärkster Bereich. Bei den Maßnahmen zur Energieeffizienz erzielte die energieeffiziente Antriebs- und Steuerungstechnik ohne Elektromobilität mit 11,0 Milliarden Euro den höchsten Umsatz.
Neben dem Klimaschutz gehörten die Luftreinhaltung und die Abwasserwirtschaft zu den umsatzstärksten Umweltbereichen. Die Luftreinhaltung erreichte 2024 einen Umsatz von 19,6 Milliarden Euro und lag damit 15,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Bereichen aus, die eng mit der Automobilindustrie verbunden sind. Zwar blieb die Elektromobilität mit 10,1 Milliarden Euro der umsatzstärkste Bereich innerhalb der Luftreinhaltung, erstmals seit Einführung dieses Erhebungsmerkmals im Jahr 2019 gingen die Umsätze jedoch um 11,5 Prozent beziehungsweise 1,3 Milliarden Euro zurück. Noch stärker fiel der Rückgang bei Maßnahmen der katalytischen Abgasreinigung aus. Hier sank der Umsatz um 25,4 Prozent beziehungsweise 1,9 Milliarden Euro.
In der Abwasserwirtschaft wurden im vergangenen Jahr 11,3 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspricht einem leichten Plus von rund 122.000 Euro beziehungsweise 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Herstellung und Installation von Kanalisationssystemen blieb mit 6,4 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres und stellte weiterhin den umsatzstärksten Bereich dar.
Mit 84,8 Milliarden Euro entfielen 72,1 Prozent aller umweltbezogenen Umsätze auf das Verarbeitende Gewerbe. Innerhalb dieses Wirtschaftsbereichs erzielte der Maschinenbau mit 27,3 Milliarden Euro erneut den höchsten Umsatz. Es folgten die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit 12,0 Milliarden Euro. Im Baugewerbe wurden umweltbezogene Umsätze in Höhe von 15,2 Milliarden Euro erzielt, im Dienstleistungssektor belief sich das Volumen auf 13,1 Milliarden Euro.
Auch bei den Beschäftigten konzentriert sich der größte Anteil auf das Verarbeitende Gewerbe. Rund 257.200 Menschen beziehungsweise 63,5 Prozent aller „Green Jobs“ arbeiteten 2024 in diesem Bereich, unter anderem bei der Herstellung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Im Baugewerbe waren 84.500 Beschäftigte beziehungsweise 20,9 Prozent tätig, etwa im Bereich der Wärmedämmung von Gebäuden. Auf den Dienstleistungssektor entfielen 55.500 Beschäftigte oder 13,7 Prozent aller „Green Jobs“, beispielsweise in der Planung und Projektentwicklung für erneuerbare Energien in Architektur- und Ingenieurbüros.
Für den Umweltschutz investierte die Industrie nach Angaben der Statistiker im Jahr 2024 insgesamt 21,2 Milliarden Euro in Sachanlagen. Dazu zählen unter anderem technische Anlagen und Maschinen, die dem Umweltschutz dienen. Mehr als die Hälfte dieser Investitionen, nämlich 11,9 Milliarden Euro beziehungsweise 56,1 Prozent, floss in den Klimaschutz. Davon entfielen 8,3 Milliarden Euro auf Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Weitere 2,1 Milliarden Euro wurden in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Energieeinsparung investiert, während 1,5 Milliarden Euro der Vermeidung und Verminderung von Treibhausgasemissionen dienten.
Nach dem Klimaschutz bildeten die Abwasser- und Abfallwirtschaft mit Investitionen von insgesamt 7,2 Milliarden Euro beziehungsweise 33,9 Prozent den zweitgrößten Investitionsbereich. Davon flossen 4,4 Milliarden Euro in Anlagen und Einrichtungen zur Verminderung der Abwassermenge und der Abwasserfracht.
Für Maßnahmen zur Luftreinhaltung wurden weitere 1,4 Milliarden Euro beziehungsweise 6,7 Prozent der Sachinvestitionen aufgewendet. Davon entfielen 609 Millionen Euro auf die Elektromobilität, etwa für den Kauf von Elektro- oder Hybridfahrzeugen sowie für den Ausbau entsprechender Ladeinfrastruktur.
Zusätzlich investierten die Industrieunternehmen 516 Millionen Euro in erstmals gemietete oder gepachtete neue Sachanlagen für den Umweltschutz, darunter beispielsweise Photovoltaikanlagen. Weitere 101 Millionen Euro flossen in immaterielle Vermögensgegenstände wie Umweltsoftware, die Unternehmen unter anderem für das Treibhausgas- oder Abfallmanagement einsetzen.
Den größten Teil der Investitionen in Sachanlagen tätigten mit 15,4 Milliarden Euro beziehungsweise 72,7 Prozent aller Umweltschutzinvestitionen die Unternehmen der Ver- und Entsorgungswirtschaft. +++ red.

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