Trauer um ehemalige Stadtarchivarin Dr. Rita Wehner

Die Stadt Fulda und der Fuldaer Geschichtsverein trauern um die frühere Stadtarchivarin Dr. Rita Wehner. Sie ist am 21. Januar im Alter von 93 Jahren gestorben. Wehner stand 22 Jahre lang, von 1976 bis 1998, an der Spitze des Stadtarchivs und prägte dessen Arbeit mit ihrer Persönlichkeit, ihrem umfangreichen Wissen und großem Engagement.

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld würdigte die bleibenden Verdienste der Verstorbenen. Neben ihrer Pionierarbeit im Archiv, die zu Beginn noch unter heute kaum vorstellbaren räumlichen Bedingungen geleistet worden sei, habe sich Dr. Wehner insbesondere um die Erforschung und Popularisierung der Fuldaer Stadtgeschichte verdient gemacht. Unzählige Schulklassen führte sie durch das Archiv und vermittelte Geschichte anschaulich und unmittelbar. Besonders engagiert war sie auch bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläumsjahres 1994 anlässlich „1250 Jahre Fulda“. Wichtige Publikationen im Vorfeld der Feierlichkeiten sowie die Gestaltung des Festzugs wären ohne die Zuarbeit von Dr. Wehner und dem Stadtarchiv kaum denkbar gewesen, so Wingenfeld. Vielen Nutzerinnen und Nutzern des Stadtarchivs sei sie als ebenso herzliche wie kompetente Lotsin durch die Fuldaer Geschichte und ihre Dokumente in Erinnerung geblieben.

Auch der Fuldaer Geschichtsverein nahm Abschied von Dr. Rita Wehner. Als langjährige Stadtarchivarin habe sie sich in hohem Maße um die Arbeit des Vereins verdient gemacht, erklärte der Vorsitzende Gerhard Möller. Zahlreiche Arbeiten zur Fuldaer Stadt- und Landesgeschichte habe sie angeregt und begleitet. Von 1990 bis 2001 war Wehner Mitglied im Vorstand des Vereins und brachte dort ihr profundes Fachwissen und ihre große Erfahrung ein. Im Jahr 2018 verlieh ihr der Geschichtsverein die Cuno-Raabe-Plakette. Bis ins hohe Alter habe sie die Erforschung der Fuldaer Geschichte mit nachhaltigem Interesse verfolgt. Ihr Tod hinterlasse eine große Lücke. Die Dankbarkeit bleibe über den Tod hinaus, so Möller.

Dr. Rita Wehner wurde am 9. Januar 1933 als Tochter des Kaufmanns Eugen Wehner in Fulda geboren und wuchs in der Löherstraße auf. Nach dem Abitur an der Marienschule im Jahr 1953 studierte sie in Marburg, Würzburg und Bamberg Geschichte, geschichtliche Hilfswissenschaften und Deutsche Volkskunde. Ihre Dissertation verfasste sie bei Professor Otto Meyer in Würzburg zum Thema „Die mittelalterliche Gottesdienstordnung des Stiftes Haug in Würzburg“.

Nachdem sie ihre Promotion aufgrund gesundheitlicher Probleme erst 1975 abschließen konnte, bewarb sich Wehner bei der Stadt Fulda. In der Nachfolge von Robert Pessenlehner, der die Archivtätigkeit zuvor nebenberuflich ausgeübt hatte, wurde sie als erste hauptamtliche Archivarin eingestellt. Zu Beginn war das Archiv noch in sehr beengten Räumen im Stadtschloss untergebracht. Unter ihrer Leitung erfolgte später der Umzug in neue Räume im Palais Buttlar sowie die Neustrukturierung der Sammlungen. Dort gestaltete sie unter anderem den Aufbau eines Bildarchivs und begleitete auch die ersten Schritte der Digitalisierung im Archivwesen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. +++


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