Taubenproblem: Offener Brief an die Stadt Fulda

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Archivbild

Fulda. In einer Mitteilung der Stadt Fulda heißt es: „Die Klagen von Passanten und Anwohnern nehmen zu, die Tiere werden immer zudringlicher. Die Stadt Fulda geht daher das Taubenproblem offensiv an. Für das Jahr 2018 wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, das ein für die Stadt Fulda maßgeschneidertes Gesamtkonzept vorschlagen soll, in dem auch das seit Mai 2015 bestehende Taubenhaus am Rande der Johannisaue maßgeblich eingebunden wird.“ Die „Initiative Stadttauben Management Fulda“ hat sich nun in einem offenen Brief geäußert.

Offener Brief an die Stadt Fulda: „Taubenproblem“

Dass die Taubenpopulation sich in der Stadt Fulda nicht verkleinert hat, ist eine richtige Feststellung, dass die Tauben zudringlich sind und um Essen betteln stimmt ebenfalls und liegt im Moment vor allem daran, dass es zunehmend kälter wird und sie mehr Kalorien brauchen. Ein großer Teil der anderen Behauptungen in der Presseerklärung der Stadt Fulda vom 1.12.2017 ist schlicht falsch. Seit über 9 Jahren bemühen wir uns, – eine kleine Initiative mit leider nur wenigen Aktiven – , dass in der Stadt Fulda ein Taubenmanagement eingerichtet wird, dass sowohl die Menschen zufriedenstellt als auch den Tauben gerecht wird und gleichzeitig die Zahl der Tiere kontrolliert und begrenzt. Leider bisher ziemlich erfolglos. Wir wüssten gerne, welches denn die „vielfältigen Bemühungen“ sind, die die Stadt in der letzten Zeit unternommen hat, um das „Taubenproblem“ in den Griff zu bekommen. Wir können vor allem nur Untätigkeit erkennen, weshalb sich die Tauben weiter vermehrt haben.

Nach vielen Jahren des Drängens von unserer Seite wurde am Rande der Fulda Aue ein Taubenhaus erbaut. Von Anfang war klar, dass ein Taubenhaus an dieser Stelle die Tauben in der Innenstadt nicht anlocken kann, weil es zu weit von ihrem üblichen Aufenthaltsort entfernt ist und die Vögel sehr standorttreu sind. Zudem ist die Aue kein Taubengebiet. Tauben sind Felsbrüter, für sie sind die hohen Häuser in der Innenstadt der gut geeignete Ersatz für die Berge, aus denen sie ursprünglich stammen. In der letzten Zeit wurden angeblich mit Hausbesitzern rund um den Universitätsplatz und am Bahnhof Gespräche geführt mit dem Ziel, dort einen Taubenschlag zu einzurichten. Soweit wir wissen gab es nur Absagen. Es wäre aber ohnehin viel sinnvoller, ein Stadt eigenes Gebäude zu nutzen, weil man damit eine größere Kontrolle über die Immobilie hätte. Jetzt werden zwei Maßnahmen angekündigt: eine Verschärfung des Fütterungsverbots und ein Gutachten, dass ein „maßgeschneidertes Gesamtkonzept“ vorschlagen soll.

Zu ersten ist zu sagen, dass schon das bestehende Fütterungsverbot nichts gebracht hat. Das liegt aber nicht daran, dass die Vögel gefüttert werden, sondern dass sie in ihrem Lebensumfeld genügend Essensreste finden. Die sind für sie zwar eher ungesund, lassen sie aber überleben. Dass die Tauben bei zunehmender Kälte immer zudringlicher werden, zeigt im Gegenteil, dass sie gerade nicht genug zu fressen finden. Wenn die Tauben trotz Verbots artgerecht gefüttert werden, was ab und an passiert, kann man beobachten, dass sie nach dem Fressen friedlich und zufrieden z.B. auf dem Dach der Adolf-von-Dalberg Schule sitzen und der Platz fast völlig frei von den Tieren ist. Durch kontrollierte und sachkundige Fütterung bei der eben kein Futter liegen bleibt, ist auch die Gefahr, dass „Ratten gezüchtet würden“ hinfällig.

Zum zweiten, dem Gutachten für ein „maßgeschneidertes Gesamtkonzept“ ist zu bemerken, dass gar keine Notwendigkeit besteht dafür Steuergeld auszugeben. Seit Jahren empfehlen wir das Augsburger Modell des Taubenmanagements, ein Konzept, dass in vielen Städten Deutschlands wunderbar funktioniert. Dabei wird den Vögeln ein Taubenschlag z.B. auf einem Dachboden nahe ihres bisherigen Standorts angeboten, mit Wasser, artgerechtem Futter und Nistschalen. Der Kot, der fast vollständig dort abgesetzt wird, wird entfernt und die Umgebung bleibt sauber. Die Eier werden durch Gips oder Plastikeier ersetzt. Auf diese Weise wird die Zahl der Tauben kontrolliert und reduziert. Die Materialien für einen solchen Taubenschlag mit Einflugbrettern und Ausstattung kosten ca. Euro 2000. Natürlich kommen noch Ausgaben für Betreuung, Futter und Reinigung hinzu, aber die entstehen auch jetzt beim Taubenhaus in der Fulda Aue, das sehr viel mehr gekostet hat.  Das Augsburger Modell ist die wirksamste Maßnahme um Menschen und Tauben zufrieden zu stellen. Die Erfahrung zeigt, dass alle anderen Versuche wie die Vergrämung durch Netze, Spikes u.a., die Verrammelung möglicher Brutstätten, das Bejagen durch Falken und selbst Vergiftungsaktionen keine so nachhaltige Wirkung haben wie ein solches Taubenmanagement.

Anscheinend gibt es an verantwortlicher Stelle in der Stadtverwaltung Menschen, die Tauben nicht leiden können. Dafür spricht auch der Ton der Presseerklärung und die völlig überzogene Darstellung der Gefahren, die angeblich von diesen Vögeln ausgehen. Alle unsere Haustiere, mit denen wir viel engeren Kontakt haben als mit Stadttauben, haben zuweilen Zecken, Flöhe und Milben. Die Papageienkrankheit ist in Deutschland sehr selten und gut zu behandeln, wird aber wie der Name schon sagt zwar auch von Tauben und Möwen, vor allem aber von Papageien übertragen. Auch wenn Tauben in der Fuldaer Stadtverwaltung nicht geschätzt werden, haben die Verantwortlichen ihre Arbeit zu machen und dafür zu sorgen, dass Menschen und Tauben gedeihlich nebeneinander leben können, dass Belästigungen durch hungrige Tiere aufhören und die Stadt sauber ist. Wenn jetzt erst mal ein Gutachten geplant ist, bedeutet das nur, dass wieder Zeit verloren geht und nichts passiert. Dabei wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, weil nur wenige Tauben brüten und die Tiere leicht an einen neuen Ort gewöhnt werden können. Zuletzt sollte noch bemerkt werden, dass auch Tauben ein Recht auf Leben haben.

Ein Fütterungsverbot bedeutet, dass man die Tauben zum Hungertod verurteilt. Der Hinweis auf das Taubenhaus in der Fulda Aue zieht nicht, weil es zu weit weg und seine Umgebung nicht taubengerecht ist. Die Verurteilung zum Tod durch Hunger kann doch von der Fuldaer Stadtverwaltung wohl kaum gemeint sein und wäre auch mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar. Stadttauben sind verwilderte Haustauben, die von Menschen u.a. auf starke Vermehrung gezüchtet wurden. Insofern haben wir Menschen eine Verantwortung für die Tiere, vor der sich auch die Stadt Fulda nicht drücken kann.

Mit freundlichen Grüßen

Alja Epp-Naliwaiko

+++ pm


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