Spendenquittung wirft Fragen auf – Lebenshilfe fordert Transparenz

Der Skandal um die Sozialen Förderstätten Bebra (SFB) nimmt neue Dimensionen an. Eine auffällige Spendenquittung der Lebenshilfe Rotenburg sorgt nicht nur intern für Irritationen – sie lenkt den Blick auch auf die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg. Welche Rolle spielte das Geldinstitut bei den fragwürdigen Finanztransaktionen des Vereins? Immer mehr Fragen drängen an die Oberfläche, während die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Fulda laufen.

Millionenverluste und dubiose Geldflüsse

Seit 2023 häufen die Sozialen Förderstätten Bebra rote Zahlen in Millionenhöhe. 2,7 Millionen Euro Defizit sind bereits bekannt, weitere Verluste folgten 2024 und 2025. Doch die finanziellen Schieflagen sind nur ein Teil des Problems: Auffällig sind auch Zahlungen und Quittungen, die ohne klare Herkunft oder nachvollziehbare Verwendung ausgestellt wurden. Recherchen legen nahe, dass dabei Konten der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg eine Rolle gespielt haben könnten. Insider berichten von ungewöhnlichen Überweisungen, die nicht unmittelbar dem Vereinszweck zugeordnet werden konnten. Vor allem eine Spendenquittung der Lebenshilfe Rotenburg wirft Fragen auf: Wurde hier Geld in den Büchern „rundgerechnet“ – und falls ja, wer wusste davon?

Untreuevorwürfe und Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt wegen Untreue. Anfang Juli wurden Geschäftsführer, Stellvertreter und ein Angehöriger freigestellt, nachdem interne Hinweise auf mögliche persönliche Bereicherung und Verstöße gegen Compliance-Regeln laut wurden. Nun wächst der Verdacht, dass die Sparkasse – möglicherweise ohne Absicht – Teil der problematischen Geldflüsse war. Eine schriftliche Anfrage an das Kreditinstitut blieb zunächst unbeantwortet.

Offenbar Geldspenden von der Sparkasse

Neu ins Licht rückt zudem ein anderer Aspekt: Offenbar hat die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg der Lebenshilfe Rotenburg seit 2019 mindestens zwei Mal Geld gespendet. Der Verein taucht in einer Übersicht von Spendenempfängern auf, die 2019 in der Hersfelder Zeitung veröffentlicht wurde. Auf Nachfrage erklärte die Bank zunächst, sie kenne den Verein nicht. Erst nachdem der Hessische Rundfunk ihr die Artikel vorlegte, räumte die Sparkasse die Spenden ein. Man habe an eine als gemeinnützig anerkannte Organisation gezahlt, so die Bank. Fragen zur konkreten Verwendung des Geldes ließ das Kreditinstitut jedoch unbeantwortet.

Auffällige Anschaffungen und Inventarisierung

Neben den Geldbewegungen stehen auch Anschaffungen im Fokus. Hochwertige DeWalt-Werkzeuge im Wert von bis zu 20.000 Euro, ein Pizzaofen für 1.000 Euro sowie mehrere Kisten mit Geräten wurden nachträglich in den Bestand aufgenommen. Beobachter vermuten, dass private Käufe als Vereinsvermögen deklariert wurden – bezahlt über Sparkassenkonten des Vereins.

Lebenshilfe drängt auf Transparenz

Die Lebenshilfe Rotenburg, die im Vorstand der SFB vertreten ist, fordert vollständige Aufklärung. Der Verband sieht in der fragwürdigen Spendenquittung ein Symptom tiefer liegender Probleme im Finanzgebaren des Vereins. „Es darf nicht sein, dass Gelder für Menschen mit Behinderung zweckentfremdet werden. Hier muss lückenlos aufgearbeitet werden – auch, welche Rolle Banken dabei gespielt haben“, heißt es aus Verbandskreisen. Der SFB-Vorstand hat inzwischen zwei unabhängige Wirtschaftsprüfungsinstitute eingeschaltet: eines zur Analyse der Finanzen, ein weiteres zur Überprüfung der Compliance-Strukturen. Landrat Karsten Warnecke kündigte an, die Ergebnisse öffentlich zu machen.

Vertrauen auf dem Prüfstand

Die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg sieht sich nun in Erklärungsnot, denn als Hausbank des Vereins stand sie an entscheidender Stelle der Finanzströme. Spenden an die Lebenshilfe, widersprüchliche Auskünfte und die Nähe zu den fragwürdigen Geldflüssen verschärfen die Debatte. Ob die Bank interne Kontrollmechanismen versäumt hat oder lediglich passiv Zahlungen abwickelte, wird nun Teil der Aufarbeitung sein. Für die SFB geht es um nicht weniger als die eigene Glaubwürdigkeit – und für die Sparkasse um die Frage, ob sie ungewollt zum Katalysator eines der größten Vereins-Skandale in der Region wurde. +++


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