Shrinkflation: Die Täuschung der Händler

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Mit der Inflation steigen die Preise aller Produkte und Dienstleistungen. Doch nicht nur das: In vielen Produkten ist jetzt auch weniger enthalten. Der Preis wird nicht unbedingt teuer, aber der Inhalt dafür weniger. Die Auswirkungen der Inflation sollen so versteckt werden. Denn nicht jedem fällt auf, dass z.B. in einer Haribo-Tüte jetzt 25g weniger enthalten sind. Wie versuchen Händler die Inflation zu vertuschen? Worauf sollte man als Konsument achten? Und mit welchen weiteren wirtschaftlichen Konsequenzen müssen wir rechnen?

Was ist Shrinkflation?

Das Wort Shrinkflation setzt sich aus den Wörtern shrink (deutsch: schrumpfen) und Inflation zusammen. Wortwörtlich wäre also eine schrumpfende Inflation gemeint. Vielmehr geht es bei diesem Ausdruck aber um die schrumpfenden Portionsgrößen vieler Hersteller. Um die Inflation zu vertuschen, verkleinern einige Händler diese nämlich nun, anstatt die Preise anzupassen. Manche Portionsgrößen verringern sich sogar trotz einer bereits erfolgten Preiserhöhung. Man erhält also jetzt viel weniger für den gleichen Preis, bzw. sogar teilweise für einen höheren. So versuchen die Händler die steigenden Preise vor der Gesellschaft zu verstecken, damit Verbraucher weiterhin wie gewohnt konsumieren.

Die Täuschung der Händler

Wenn aufgrund der Inflation alle Preise steigen, erhöhen sich die Ausgaben nicht nur für die Konsumenten, sondern auch für Unternehmen. Händler müssen mit höheren Rohstoffpreisen kämpfen und sind vor das Risiko einer Insolvenz gestellt. Um sich über Wasser halten und die Materialkosten weiter decken zu können, müssen sie Maßnahmen ergreifen. Sie erhöhen die Preise für ihre Produkte nicht direkt, sondern verkleinern die Portionsgrößen. Damit können Hersteller sich auch von der Konkurrenz abheben. Denn Konsumenten greifen weiterhin eher zu günstigeren Produkten. Und wenn sie sehen, dass sich bei der einen Marke der Preis erhöht hat, bei der anderen aber nicht, werden sie dementsprechend den Kauf der günstigeren in Betracht ziehen. Doch ihnen fällt oft nicht auf, dass die Produkte entsprechend weniger Inhalt haben. Eine andere Form von Shrinkflation ist noch raffinierter: Einige Hersteller mogeln sogar bei dem Gewicht der Verpackungen. Sie gleichen den Produktinhalt an und minimieren gleichzeitig das Verpackungsgewicht. So lässt sich die Täuschung von Konsumentenseite aus noch weniger erkennen.

Folgen für die Gesellschaft

In der Gesellschaft ist das Geld in der Krise ohnehin schon knapp. Viele Menschen kämpfen zurzeit mit finanziellen Engpässen. Alles wird teurer, doch das Gehalt wird nicht mehr. Bedingt durch das aktuelle Weltgeschehen entwickelte sich eine so enorme Inflation wie in den letzten 50 Jahren nicht mehr. Durch Shrinkflation kann die Gewinnspanne für Hersteller bei steigenden Materialkosten hoch gehalten werden. Und das, ohne, dass der Verbraucher davon erfährt. Es besteht nämlich keine Verpflichtung, das in irgendeiner Form auf dem Produkt anzugeben. Versteckte Preisänderungen bringen den Händlern einen Mehrwert. Jedoch leiden die Konsumenten darunter. Sie müssen Produkte jetzt häufiger nachkaufen. Die Shrinkflation wird sich demnach nicht für immer geheim halten können.

Die Mogelpackungen erkennen

Die Täuschungen lassen sich von Konsumentenseite ganz leicht erkennen, indem man zunächst auf die Verpackungsgröße achtet. Hat sie sich im Vergleich zum letzten Jahr vielleicht verkleinert? Aber auch die Mengenangaben können Aufschluss über weniger Inhalt geben. Natürlich muss man dafür die früheren Portionsgrößen kennen, doch die kann man im Internet meistens recherchieren. Eine Reduzierung des Verpackungsgewichtes lässt sich hingegen nicht so einfach feststellen. Daher gilt es auch hier für die Verbraucher, vor allem auf die Mengenangaben auf den Verpackungen zu achten. Zukünftig sollte es eine Regelung geben, die besagt, dass verringerte Mengen auf den Produkten gekennzeichnet werden müssen. Dennoch ist während der Inflation nahezu jeder Hersteller von erhöhten Materialkosten betroffen und muss seine Marge hoch halten. Es wird also dazu kommen, dass früher oder später alle Händler ihre Preise anpassen oder den Packungsinhalt schrumpfen lassen. Für die Konsumenten macht es dann auch keinen Unterschied mehr. Man muss sich damit abfinden, dass man jetzt weniger für sein Geld erhält.

Fazit

Krieg und Pandemie haben große Auswirkungen auf unsere Wirtschaft. Die Inflationsrate ist weit angestiegen. Für Unternehmen erhöhen sich die Kosten. Um die Gewinnspanne trotzdem aufrechterhalten zu können, sind sie gezwungen, Preise oder Packungsinhalte anzupassen. Einige Händler haben in diesem Zuge sogar das Verpackungsgewicht angepasst, um die steigenden Preise zu vertuschen. Doch die Shrinkflation wird nicht lange unentdeckt bleiben, wenn Verbraucher häufiger nachkaufen müssen. Somit erhöhen sich die Kosten auch für Konsumenten. Zwangsläufig muss man wohl damit klarkommen, dass man jetzt weniger für sein Geld erhält. Die einzige Möglichkeit, die man bekommen kann, ist eine Unterstützung vom Staat. +++ Asim Qajani

[su_note note_color="#c2e2f1" text_color="00000"]Der Autor ist Verwaltungsrat und CEO von Green Capital und Beteiligungen AG und hat besondere Expertise im Bereich Finanzen und Investments. Die Firma investiert in kleine, mittelständische und große Unternehmen und verhilft diesen über die Hürden der Nachfolge. https://www.greencapital-b.ch/ [/su_note]


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