Shida Bazyar gewinnt Deutschen Buchpreis 2026 mit Roman „Die Lücken“

Die Schriftstellerin Shida Bazyar ist die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2026. Die prestigeträchtige Auszeichnung wurde am Montag, traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse, in Frankfurt am Main verliehen. Die Jury würdigte Bazyar dafür, dass sie mit ihrem Roman „Die Lücken“ verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache bringe und dabei einen Bogen von der NS-Zeit bis in die Gegenwart spanne.

Im Zentrum des Romans steht das fiktive Dorf Heimesbach, in dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte verdichten. Bazyar erzählt darin von jüdischen Familien, die während des Nationalsozialismus alles verloren, von NS-Profiteuren, die sich nach 1945 als unschuldige Mitläufer inszenierten, sowie von kurdischen und iranischen Menschen, die Jahrzehnte später in Deutschland Schutz und Zuflucht suchten. Die Jury lobte das Werk als eine „literarische Archäologie der Heimat“, die die Fundamente unserer Gesellschaft präzise untersucht und die Lügen des Neubeginns ebenso benennt wie den anhaltenden Wunsch nach Zugehörigkeit.

Shida Bazyar, 1988 in Rheinland-Pfalz geboren, bringt eigene biografische Erfahrungen in ihre Literatur ein. Als Kind politischer Aktivisten kam sie zur Welt, deren Familie kurz vor der Islamischen Revolution aus dem Iran geflohen war. Nach ihrem Studium des Kreativen Schreibens und Kulturjournalismus in Hildesheim veröffentlichte sie 2016 ihr Debüt „Nachts ist es leise in Teheran“, das umgehend vielfach ausgezeichnet wurde und ihre Position als eine der markantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur festigte. Mit „Die Lücken“ legt sie nun ihren dritten Roman vor, der erneut die Themen Exil, Migration und das Nachleben von Geschichte in den Fokus rückt.

Der Deutsche Buchpreis gilt als die begehrteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur. Mit dem Sieg ist ein Preisgeld von 25.000 Euro verbunden. Die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro. Für Bazyar ist es nach der Nominierung für ihren Roman „Drei Kameradinnen“ die zweite Anerkennung durch den Deutschen Buchpreis – diesmal mit dem entscheidenden Vorteil des Gewinns. Der Roman wird als hochaktuell und zugleich zeitlos beschrieben: ein Buch, das genau jetzt gebraucht werde und das bleibende Relevanz besitze.

Mit dieser Auszeichnung unterstreicht Shida Bazyar einmal mehr, dass Literatur nicht nur unterhalten, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen kann. „Die Lücken“ ist ein Plädoyer dafür, die Leerstellen der Geschichte zu füllen, das Schweigen zu brechen und die komplexen Verflechtungen von Schuld, Erinnerung und Hoffnung anzuerkennen – nicht nur im Hunsrück, sondern in ganz Deutschland. +++


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