SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Die Niederlage schmerzt nicht, aber die SGB sollte daraus lernen

Sgb

Genug hatten sie in den letzten Wochen und Monaten getan. Genug Punkte hatten sie gesammelt. Um den Klassenerhalt der Regionalliga Südwest frühzeitig unter Dach und Fach zu bringen. Das ist die wichtigste Botschaft der bald beendeten Saison. Und es kann nicht immer gelingen, 50:50-Spiele auf seine Seite zu ziehen, schließlich ist der Kraftaufwand enorm, ständig Energien anzuzapfen, hervorzuholen und bisweilen herzukratzen. Physisch und psychisch. Die 0:2 (0:1)-Niederlage gegen den fußballerisch besseren und reiferen SGV Freiberg, der die Meisterschaft in den letzten Wochen hergegeben hatte, hinterlässt keinen großen Schmerz – bot und bietet aber einige Dinge, über die die SGB sportlich nachdenken sollte.

Die Szenerie war wie so oft bei Heimspielen des Fuldaer Teams in den letzten Wochen. Und das Muster hieß so: gegen den Ball sehr ordentlich bis gut, mit dem Ball mau. Gegen den Ball gab es kaum etwas zu beanstanden, gewohnt zweikampfstark waren die SGB-Kicker, halfen sich, schoben und stellten Räume zu – abgesehen von zwei Dingen. Bei Freibergs Führungstor war der Gastgeber einfach nicht wach. Und kam zu spät. Man kann auch sagen: Das ist halt der Unterschied zwischen der SGB und einem Topteam der Liga. Gästespieler Jacob Engel trieb das Spiel seines Teams auf seiner linken Seite voran, spielte Doppelpass mit dem starken und auffälligen Matt-Brahan Zie, stellte vor Roko Ivankovic den Körper rein, ging an Milian Habermehl vorbei, sein Innenverteidiger-Kollege Aaron Frey ging zwar mit letztem Einsatz, aber zu früh runter, Engel legte die Kugel zu Gal Grobelnik rüber – und der Ex-Barockstädter traf sehenswert, an die Unterkante der Latte, von wo aus der Ball ins Tor ging.

Ja, Grobelnik – einer von drei ehemaligen SGB-Spielern; auch Marius Köhl stand in der Anfangsbesetzung, Leon Petö, bester Schütze seines Teams, fehlte indessen. Grobelnik spielte nicht konstant gut, wurde oft gesucht, machte den Ball nicht immer fest oder ließ ihn selten klatschen. Köhl hatte es auf seiner linken Seite meist mit Keanu Kraft zu tun. SGB-Trainer Daniyel Cimen kommentierte das Tor in seiner Entstehung so: „Wenn du wiederholt einen Schritt zu spät kommst, werden solche Dinger auf diesem Niveau halt bestraft.“ Der zweite, aber nicht so wesentliche Aspekt: Hans Sarpei, Schlüssel des SGB-Defensivverhaltens, war weniger präsent als sonst.

Freiberg war besser in Hälfte eins – ohne wirklich gut zu sein. Kleinteiliger, durchdachter und strukturierter waren die Aktionen in engen Räumen; oft mit Sechser Lukas Laupheimer als „Backup“ im Aufbau, stärkster Akteur auf dem Platz in der ersten Hälfte. Oder mit dem emsigen und präsenten Zie, der fast überall in den Räumen zu finden war und unglaublich viel für das Spiel seiner Mannschaft tat. Manko in dessen: Im letzten Drittel fehlten Zielstrebigkeit und hier und da vertikales Spiel oder ein Chip-Ball; die Entscheidungen in der „roten Zone“ oder in die Box zu kommen, waren verbesserungswürdig. Neben dem 0:1 war dreimal Pech im Abschluss-Verhalten des Gastes: Erst köpfte Diamant Lokay, neben Laupheimer zweiter Sechser, einen Freistoß aus dem Halbfeld aus Abseitsstellung ein (16.), dann rutschte Kraft gegen Lokaj, der von Zie in Szene gesetzt wurde, rein (18.) – und rettete Sarpei im letzten Moment gegen Zie, der sich durch eine Finte auf engstem Raum Platz verschafft hatte (35.).

Und die SGB? Eine frühe Szene machte Appetit, als Tobi Göbel einen langen Ball direkt und gekonnt auf Nicola Arcanjo Köhler weiterleitete, der den Ball trieb und ihn vertikal einsetzte, Göbel an Gästekeeper Eljuga vorbeiging, mit links vors Tor passte – Paul Polauke aber zur Stelle war. Das war nach zehn Minuten. Ansonsten war es mit dem Ball wenig. Wieder einmal waren die Abstände zu groß, so sehr Pomnitz und Köhler (Pech, als er per Dribbling in den Strafraum eindrang, sein Schuss aber geblockt wurde/35.) auch liefen, zuliefen und kitteten, Ivankovic blieb meist blass. Auffallend, dass Barockstadts Spieler sehr große Laufwege und Energie aufwenden müssen, um zu Chancen zu kommen – sollte man hier an mannschaftlicher und gruppentaktischer Ausrichtung nicht feilen im Hinblick auf kommende Saison? Cimen bewertete das so: „Wir waren in der ersten Halbzeit mit Ball zu hektisch. Freiberg war auch stark im Gegenpressing.“

Was der Gast im zweiten Abschnitt vorhatte, beschrieb Gästetrainer Kushtrim Lushtaku so: „Ich habe meinen Spielern gesagt: „Lasst uns mal aufs Umschaltspiel gehen.“ Die SGB indessen verbesserte ihr Verhalten mit Ball. Sie verlagerte es in die Hälfte des Gegners und setzte sich dort fest, beschäftigte den Gegner mehr. Defizite aber: Oft hielt der Gastgeber den Ball zu lang, spielte viel zu langsam, kam nicht in entscheidende Räume, auch nicht in den Halbpositionen oder traf falsche letzte Entscheidungen – zudem kamen Eingaben und Flanken nicht an. Dennoch boten sich der SGB einige nennenswerte Möglichkeiten – man sollte den Ausgang des Spiels aber nicht auf diese Szenen reduzieren.

Zunächst klärte Freiberg Schmitts Flanke per Kopf (52.) – und zweimal war Moritz Dittmann, der nicht mehr so klar in seinen Aktionen wirkt wie noch vor Wochen, involviert. In Minute 66 arbeitete er sich Eins-gegen-eins-stark über links in die Box vor – seinen Abschluss aufs lange Eck lenkte Eljuga aber zur Ecke. Später kam Iljazis Flanke schlecht (85.), ging Sarpeis noch abgefälschter Flachschuss mit Pech knapp vorbei (87.) – und verzog Dittmann nach starker Vorarbeit des eingewechselten Reinhard in der Nachspielzeit.

Da war gerade das 2:0 für den Gast gefallen. Der ebenfalls ins Spiel gekommene Henrick Selitaj startete zu einem sehenswerten Tempo-Dribbling, kreuzte gegen Ivankovic, spielte einmal mit James Ojiekhai, bekam die Kugel direkt zurück – und legte quer zum Torschützen Zie. Nur kurz dachte man sich: Solche Tore sind halt der Unterschied. „Wir haben in der zweiten Halbzeit alles probiert. Zum Schluss mussten wir Risiko gehen“, schloss Fuldas Trainer ab. Kurz vor dem 2:0 hätte Meghon Valpoort – für Gal Grobelnik gekommen – schon alles klar machen müssen für den Gast. Er war frei durch auf dem Weg zum Tor, auch schon an „Zapi“ vorbei, schoss – aber Arlind Iljazi kratzte den Ball mit allerletztem und grandiosem Einsatz noch von der Torlinie.

Der Schluss soll dieses Mal dem Gästetrainer gehören. Nach vier Niederlagen am Stück freute er sich einfach nur über den Sieg bei der SG Barockstadt, die sich den Ruf erarbeitet hat, dass man erst einmal gegen sie gewinnen muss in der Regionalliga. „Ich bin happy nach so‘ ner Phase. Es war wichtig, mit so einer Energie hier reinzugehen und zu gewinnen.“ Die SGB schmerzte die Niederlage nicht so sehr. Sie wird aber daraus lernen.

SG Barockstadt: Zapico – Kraft (86. Hillmann), Habermehl, Frey, Schmitt (74. Reinhard) – Sarpei – Ivankovic, Pomnitz – Dittmann, Köhler (65. Iljazi) – Göbel

SVG Freiberg: Eljuga – Schmidt, Polauke, Hetemaj – Laupheimer, Lokaj (77. Pietzsch) – Bradara, Engel (77. Ballo) – Zie, Grobelnik (56. Valpoort), Köhl (77. Selitaj)

Schiedsrichter: Mika Forster

Tore: 0:1 Gal Grobelnik (43.), 0:2 Matt-Brahan Zie (90.)

Zuschauer: 1.063

Gelb-Rot: Schmidt (Freiberg, 71.), Hillmann (SGB, 90.+1) +++ rl


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*