Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat die geplante Bundesnotbremse verteidigt, zugleich aber Verständnis für das Saarland-Modell in der Corona-Pandemie geäußert. Die Infektionszahlen im Saarland seien lange niedrig gewesen, sagte der Bundesfinanzminister der „Saarbrücker Zeitung“. „Das bot eine gute Grundlage auszuprobieren, welche Handlungsoptionen existieren, um aus dem Lockdown langsam herauszukommen.“
Es sei „nachvollziehbar, bei niedrigen Infektionszahlen zum Beispiel zu schauen, was mit intensivem Testen möglich ist“. Klar sei aber auch, „dass wir Regeln für den Fall brauchen, dass die Infektionen – wie im Augenblick – wieder schnell und stark ansteigen“. Deutschland sei keine Insel, deshalb betreffe uns das alle. Die Frage, wie Öffnungsstrategien aussehen können, werde wieder wichtig, wenn das Infektionsgeschehen sich verbessert. „Wenn wir dann die vereinbarten Öffnungsschritte gehen, werden die Erfahrungen hier an der Saar für alle wertvoll sein“, sagte der Kanzlerkandidat der SPD. Das Saarland hatte in der vergangenen Woche unter anderem Außengastronomie und Theater geöffnet, die Nutzung aber an das Vorliegen eines aktuellen negativen Corona-Tests gebunden. Ziel war es nach Aussage der Landesregierung auch, die Test-Bereitschaft zu fördern, um Infektionsketten früh unterbrechen zu können. Anfang dieser Woche hatte die Regierung angesichts der landesweit auf über 100 gestiegenen Sieben-Tage-Inzidenz die Testpflicht auch auf weite Teile des Einzelhandels ausgeweitet, der nach einem Gerichtsurteil bereits seit Wochen geöffnet war. Scholz verteidigte das bundesweite Vorgehen bei hoher Inzidenz. „Dass wir jetzt die gesetzliche Grundlage angesichts sehr stark steigender Infektionen präzisieren, dient der Einfachheit, der Klarheit und der Verbindlichkeit“, sagte er der Zeitung. Viele Bürger beklagten zu Recht, dass es an Klarheit mangele – die schaffe man jetzt.
Hausärzte beklagen Bevorzugung von Impfzentren bei Lieferungen
Der Vorsitzende des deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, hat eine Bevorzugung der Impfzentren gegenüber den Arztpraxen bei den Impfstoff-Lieferungen kritisiert. Die Hausärzte hätten in den vergangenen Tagen und Wochen gezeigt, „dass sie diejenigen sind, die beim Impftempo auf die Tube drücken“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Denn sie kennen die Krankheiten ihrer Patientinnen und Patienten, sie wissen, wie man sachgerecht und sinnvoll priorisiert. Das alles ist weitaus zeitsparender, als Menschen erst in der Praxis ein Attest auszustellen, mit dem diese dann über ein Callcenter einen Termin in einem weit entfernten Impfzentrum vereinbaren müssen. Dass Impfzentren dennoch weiterhin strukturell bevorzugt werden, befremdet uns sehr“, so Weigeldt. Zugleich zeigte er sich empört darüber, dass weiterhin Impfstoff-Dosen in den Impfzentren ungenutzt blieben. „Umso mehr kommt es nun darauf an, dass der vorhandene Impfstoff endlich in die Hausarztpraxen kommt – und zwar in weitaus größerem Umfang als bisher. Es ist skandalös, dass weiterhin mehrere Millionen schutzbringende Impfdosen in den Kühlschränken der personal- und kostenintensiven Impfzentren ungenutzt lagern oder nicht vollständig genutzt werden, während draußen die Infektionszahlen rasant steigen“, so der Hausärzte-Chef.
Intensivmediziner fürchtet „große Kündigungswelle“ in Kliniken
Der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, befürchtet, dass sich viele Pflegekräfte in der Intensiv- und Notfallmedizin nach der Pandemie einen neuen Job suchen werden. „Ich befürchte eine große Kündigungswelle“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Nach einem Jahr Pandemie seien die Mitarbeiter in den Krankenhäusern erschöpft. „Das Pflegepersonal und die Ärzte sind müde. Richtig müde.“ Als Lehre aus der Corona-Pandemie fordert er Reformen im Gesundheitssystem. „Wir brauchen eine große Krankenhausstrukturreform, die nicht nur ökonomisch orientiert ist“, sagte er der Zeitung. Sie müsse stattdessen die Daseinsvorsorge in den Mittelpunkt stellen. +++

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