RKI meldet 28.438 Corona-Neuinfektionen

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Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Samstagmorgen 28.438 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 22 Prozent oder 5.120 Fälle mehr als am Samstagmorgen vor einer Woche. Außerdem meldete das RKI nun 496 Tote binnen 24 Stunden in Zusammenhang mit dem Virus. Damit wurden die Rekordzuwächse des Vortags zwar nicht übertroffen, im Sieben-Tage-Mittel wachsen die Zahlen aber auf neue Höchststände. Das RKI gibt die bundesweite 7-Tages-Inzidenz nun mit 163,8 an, wobei aber Nachmeldungen von früheren Fällen nicht mit eingerechnet werden. Nach Meldezeitpunkt berechnet liegt dieser Wert bereits bei 177 Neuinfektionen je Woche und 100.000 Einwohner. Auf den Intensivstationen wurden unterdessen am frühen Samstagmorgen 4.448 Covid-19-Patienten intensiv behandelt, 106 mehr als 24 Stunden zuvor. Es handelt sich damit um den stärksten Zuwachs an Intensivpatienten im Tagesvergleich seit einem Monat.

Intensivmediziner dringt auf harten Lockdown ab Montag

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis fordert einen harten Lockdown ab Montag: Ein vollständiger Lockdown ab dem 14. Dezember könnte zu einer baldigen Trendumkehr bei den Intensivkapazitäten führen, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Neue Modellrechnungen der DIVI zeigten deutlich, "dass ein strenger Lockdown am Montag dazu führt, dass die Intensivbelegung bis kurz vor Weihnachten noch ansteigt, und dann kurz vor Heiligabend bereits erheblich abfällt", so der Mediziner. "Jetzt runterfahren und im Januar wieder lockern", apellierte Karagiannidis. Eine weitere Verzögerung strenger Corona-Maßnahmen könnte die Intensivstationen in Deutschland dagegen an die Belastungsgrenze bringen. "Über 500 Krankenhäuser haben dem DIVI schon jetzt Betriebseinschränkungen gemeldet. Weitere 2.000 Covid- Intensivpatienten werden nicht verkraftbar sein", so Karagiannidis. Am Freitag befanden sich 4.440 Erkrankte in intensivmedizinischer Behandlung. Ohne vollständigen Lockdown würde diese Zahl laut DIVI-Prognose demnächst deutlich über 6.000 liegen, Ende Januar wären es bereits 5.800. "Wenn wir erst am 1. Januar 2021 runterfahren, werden wir schon dann über 5.000 Patienten haben und der Abfall beginnt erst am Ende des Monats", so der DIVI-Experte. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, schloss sich seiner Forderung an. "Wir müssen sofort handeln. Jeder Tag später ist ein Tag zu viel", sagte sie dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Man laufe ansonsten in ein exponentielles Wachstum bei den Infektionszahlen hinein, warnte sie. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Länder forderte die Grünen-Politikerin auf, dringend die Freihaltepauschalen für die Kliniken umzubauen, um eine Überlastung der Krankenhäuser in Hotspots zu verhindern. "Viele Intensivstationen sind am Limit", warnte sie. Dabei gehe es nicht nur um die Versorgung von Covid-19-Fällen, sondern auch um Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten. Das bisherige System unterstütze die überregionale und auch länderübergreifende Kooperation und die Umverteilung von Notfallpatienten aber nicht ausreichend, kritisierte sei. Jedes Krankenhaus, das Patienten in der entsprechenden Notfallstufe versorge und dafür auch Kapazitäten vorhalten, muss dafür eine finanzielle Absicherung erhalten. "Wenn also die Universitätskliniken in Lübeck und Kiel oder in Rostock und Greifswald freie Kapazitäten haben, sollen auch Patientinnen und Patienten, die in Bremen, Hamburg oder Berlin nur noch begrenzt behandelt werden können, dort versorgt werden", mahnte sie.

Boris Palmer: Bundesweit harter Lockdown wäre vermeidbar gewesen

Mit Blick auf einen bevorstehenden bundesweit harten Lockdown kritisiert Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) die Corona-Politik von Bund und Ländern. "Man hätte dies alles vermeiden können, wenn man frühzeitig auf den Schutz der Risikogruppen gesetzt und vor allem die Bedenken beim Datenschutz über Bord geworfen hätte", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Es ist skandalös, dass zwar unsere Handys wissen, wo wir uns infizieren, aber niemand darauf zugreifen kann." Die Corona-App schütze die Daten, aber sie schütze nicht vor dem Virus. Dies sei vor einem halben Jahr eine gravierende Fehlentscheidung gewesen, so Palmer. Nun lasse sich ein harter Lockdown nicht mehr vermeiden. "Andernfalls kommen wir an die Grenzen des Gesundheitssystems." Den derzeitigen Teil-Lockdown hält der Grünen-Politiker für einen Fehler. "Man hat Bereiche wie Kultur, Gastronomie und Hotellerie geschlossen, die keine Treiber der Pandemie sind. Die Hoffnung, dass so die Infektionszahlen sinken, war abstrus." Palmer spricht sich für deutlich mehr Corona-Tests aus. "Gerade die Symptomlosen sind die Überträger, die aber nicht wissen, dass sie die Pandemie verbreiten." Deshalb müsse man mehr testen, gerade in kritischen Situationen, sagte er mit Blick vor allem auf Altenheime. Schnelltests gebe es genug. "Wir testen bei uns auf dem Marktplatz. So kann man unmittelbar vor dem Besuch bei den betagten Verwandten sicherstellen, dass man ihnen nicht den Tod bringt." Erfreulicherweise wolle das Land Baden-Württemberg dieses Tübinger System übernehmen.

Post will bei hartem Lockdown alle Kapazitäten mobilisieren

Die Deutsche Post DHL will im Falle eines kurzfristigen harten Lockdowns ihre gesamten Kräfte in der Paket- und Postsparte mobilisieren. "Da die Menschen jetzt schon sehr viel bestellen und auch Geschenke rechtzeitig verschicken, wozu wir auch raten, ist nicht klar, ob ein kurzfristiger Lockdown nochmals deutlich mehr Menge bedingt. Ich glaube, dass kann niemand verlässlich voraussagen", sagte der zuständige Post-Vorstand Tobias Meyer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Post jedenfalls werde jede verfügbare und mobilisierbare Kapazität bereitstellen, kündigte Meyer an. Bereits in der vergangenen Woche habe die Deutsche Post einen Rekord erzielt: "Allein in der letzten Woche haben wir 56 Millionen Pakete sortiert und ausgeliefert - deutlich mehr als jemals zuvor in unserer Unternehmensgeschichte", sagte der Post-Vorstand. +++


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