Was zunächst wie eine technische Innovation klingt, ist zugleich ein ungewöhnlicher Vorstoß in Richtung zwischenmenschlicher Begegnung: Die RhönEnergie will mit ihrer neuen „Herzschlag“-App das Laden von Elektroautos zu einem sozialen Erlebnis machen – und bringt damit Bewegung in den Alltag von E-Auto-Fahrern.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie augenzwinkernd: Wer sein Fahrzeug an einer Ladesäule anschließt, kann parallel ein Profil aktivieren – per Ladekarte oder Smartphone direkt vor Ort. Während das Auto Strom tankt, beginnt im Hintergrund ein digitaler Abgleich. Sensoren, künstliche Intelligenz und eine sogenannte Stimmungsanalyse sollen erkennen, wer gut zusammenpassen könnte. Auf dieser Basis schlägt das System mögliche „Matches“ vor und liefert gleich passende Gesprächseinstiege mit.
Für Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Gruppe, liegt der Gedanke nahe: Wenn an der Ladesäule ohnehin Energie fließe, könne dies auch zwischen Menschen geschehen. Die neue Anwendung verstehe sich daher nicht nur als technisches Zusatzangebot, sondern als Erweiterung des Nutzungserlebnisses. Ladesäulen seien aus seiner Sicht längst mehr als reine Infrastruktur – sie könnten zu Orten der Begegnung werden.
Auch Geschäftsführer Arnt Meyer greift diesen Gedanken auf und formuliert den Anspruch des Unternehmens bewusst doppeldeutig: Man wolle nicht nur Energie liefern, sondern auch „Herzschlag“ erzeugen. Die gemeinsame Wartezeit beim Laden biete ideale Voraussetzungen für Gespräche – länger und entspannter als klassische Formate wie Speed-Dating.
Tatsächlich setzt das Konzept genau hier an. Wer elektrisch unterwegs ist, bringe häufig ähnliche Interessen mit, etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit und Technologie. Diese Gemeinsamkeiten könnten als Grundlage für Gespräche dienen – und vielleicht darüber hinaus.
Für zusätzliche Atmosphäre sollen ausgewählte „Erlebnis-Ladesäulen“ sorgen. Geplant sind unter anderem Ambientebeleuchtung, dezente Hintergrundmusik und wechselnde Themenwelten je nach Tageszeit – von entspanntem Ausklang nach Feierabend bis hin zu bewusst romantisch inszenierten Settings.
Interne Tests verliefen laut Unternehmen vielversprechend: In einer Pilotphase sei es zu zahlreichen Verabredungen gekommen, in einem Fall sogar zu einer gemeinsamen Anschaffung einer Wallbox. Ob sich die Ladesäule tatsächlich als neuer Treffpunkt etabliert, wird sich zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Die RhönEnergie versucht, Elektromobilität um eine unerwartete Facette zu erweitern – irgendwo zwischen Alltag, Technik und einem Hauch von Romantik.

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