Presserat rügt Fuldaer Zeitung

Bezahlte Inhalte nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar

Werbung nicht korrekt gekennzeichnet und mit redaktionellen Inhalten vermischt – dafür kassierte die Fuldaer Zeitung jüngst eine öffentliche Rüge des Presserats. Die Werbe-Veröffentlichung von Engelbert Strauss hat sich somit als presse-ethisch problematisch herausgestellt.

Die Besagte Ausgabe. Zugesendet Von Einem Leser.

Die Ausgabe der Fuldaer Zeitung vom 20. Februar war in ein vierseitiges Anzeigenblatt des Herstellers von Arbeitskleidung eingebunden, wobei die erste Seite wie die Titelseite der Zeitung gestaltet und inhaltlich mit ihr teilweise identisch war. Zudem ahmt das Advertorial – wie solche Werbe-Veröffentlichungen genannt werden – das Layout der Lokalzeitung detailliert nach. Der mehrfach erfolgte Hinweis „Advertorial“ ist kein presse-ethisch anerkanntes Pseudonym für „Anzeige“ oder „Werbung“, worauf der Presserat seit Jahren hinweist. Der Fachbegriff ist zwar in der Medien- und Werbebranche bekannt, aber in der Regel nicht der Leserschaft. „Aufgrund der mangelhaften Kennzeichnung besteht somit die Gefahr, dass zumindest ein Teil der Leser die Werbung nicht auf den ersten Blick als solche einschätzen kann und sie als redaktionellen Bestandteil der Zeitung wahrnimmt“, heißt es in einem Schreiben des Presserats, welches fuldainfo.de zugespielt wurde.

Zeitung widerspricht

Die Rechtsvertretung des Verlags ist laut dem vorliegenden Schreiben anderer Meinung. So sei die vierseitige Werbe-Veröffentlichung auf einem helleren Papier gedruckt worden. Zudem hätten ausschließlich Abonnenten die Anzeige in dieser Form erhalten. Da diese „geübten Leser“ das Blatt gut kennen würden, könnten sie auch zwischen Zeitung und Anzeige unterscheiden. Ein weiterer Hinweis sei, dass auf den vier Seiten nahezu ausschließlich Artikel und Fotos von Engelbert Strauss zu finden seien und dessen Logo prominent in unterschiedlichen Darstellungsformen zu sehen sei, was für eine „normale Berichterstattung offenkundig ungewöhnlich“ ist.

Der Pressekodex schreibt eine klare Trennung von Redaktion und Werbung vor. Die Kombination von mangelhafter Kennzeichnung und der Mix von redaktionellen und werblichen Inhalten wiegt in den Augen des Presserats so schwer, dass mit der öffentlichen Rüge die höchstmögliche Maßnahme ausgesprochen wurde. Der Verstoß wird öffentlich gemacht und die Redaktion der Zeitung gebeten, die Rüge zeitnah in ihrem Medium zu veröffentlichen. Nach uns vorliegenden Informationen ist augenscheinlich bis dato noch keine Veröffentlichung erfolgt. +++

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5 Kommentare

  1. Der Deutsche Presserat verzeichnet laut Mitteilung für 2020 einen Beschwerderekord. Und unsere Lieblingszeitung in Osthessen glaubt sie sei ein Vorbild der Treue zum Pressekodex? Dass dieses Blatt in der Liste – Spitzenreiter ein Blatt mit vier Buchstaben- nicht öfter auftaucht, ist der Gleichgültigkeit der sogenannten geübten Leser in Osthessen zu verdanken. In Osthessen gibt es so gut wie keine Menschen, die kritisch auf die Presse schauen. Denn wenn die Leser in der Region etwas wissen, dann ist es die Tatsache, dass die meisten Presseorgane in der Region machen können, was sie wollen. Dank Unterstützung von Wirtschaft und Politik. Sie müssen nur schön brav sein, dann wird fast alles ermöglicht. Etwa die Stadtseiten für über 100.000 Euro im Jahr. Der Landkreis macht es dann mit dem zum Verlag gehörendem Wochenblatt. Kosten kenne ich hier nicht. Und online? Ja, da wird vor allem einer Plattform der berühmte Zucker in den A… geblasen. Hier sind so gut wie ausschließlich wohlwollende Berichte zu finden. Und auch das gibt es in Osthessen: Wenn man dann bei meist dem Klüngel zugeordneten Gaststätten oder Geschäften auftaucht, kann man die Menschen nach dem Lockdown ablichten und diese Prosten dann auch noch in die Kamera oder zeigen ihr neu gekauftes T-Shirt. Viele sprechen hier von der “Osthessischen-Gefälligkeitspresse” und der osthessische Leser? Dem ist das alles völlig egal, so lange er weiß, wo ein Brand oder Unfall passiert ist. Allerdings nicht um etwas darüber zu lesen. Bilder sind anscheinend das einzige, was die meisten Osthessen interessiert. Wie übrigens die politische Opposition auch. Da werden Berichte auf die FB- oder Instagramseiten gepostet, die vollkommen konfus sind. Aber mit genug Bildern bestückt sind. Ich habe hier schon oft betont, dass sich weder Politik noch Wirtschaft damit einen Gefallen tun. Auch in Osthessen wird man aufmerksamer. Da hilft es auch nicht, dass man mit einem sogenannten “Mediennetzwerk” möglicherweise über eine Partnerschaft mit Neuenberg hinwegtäuschen will. Wenn, dann sollte man auch die Namen der Fotografen abändern.

    • Sie haben mit allem vollkommen recht! In Osthessen gibt es anscheinend nur Einigkeit mit Dehnen, die einem vermeidlich noch dienen könnten. Man könnte auch sagen alles nur Show!

    • “Osthessische Opposition” – was soll das sein? Bei uns gibt es keine Opposition, sondern nur Menschen mit einer anderen Parteizugehörigkeit. Die gehören aber alle zum selben Klüngel-Club und stoßen ins gleiche Horn. Niemand wird sich anmaßen, zu opponieren. Da wäre ja der örtliche Friede in Gefahr. Nein, bloß weil jemand zu den Grünen oder der SPD gehört, hat er mit Opposition noch lange nichts zu tun. Dazu gehört eine innere Einstellung, ein kritisches Denken, eine demokratisch-rechtsstaatliche Grundhaltung etc. Das alles sucht man in der osthessischen “Politik”, also dem hiesigen voll durchorganisierten Klüngeltum, leider vergebens. In einer Demokratie hat eine Opposition eine wichtige Aufgabe – leider hat sich das bis Osthessen nicht herumgesprochen.

Demokratie braucht Teilhabe!