„NIPT darf keine Routine werden“ – Brand fordert klare Grenzen und wird persönlich

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MdB Michael Brand, CDU-Wahlkreisabgeordneter

Es ist ein Appell, der über das rein Politische hinausgeht. Als der Deutsche Bundestag am Freitag erstmals über einen interfraktionellen Antrag zur Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) auf Trisomien 13, 18 und 21 berät, rückt ein Abgeordneter die Debatte bewusst weg von Zahlen und Verfahren – hin zu einer grundsätzlichen Frage: Wie will diese Gesellschaft mit Leben umgehen, das nicht der Norm entspricht?

Michael Brand, Bundestagsabgeordneter aus Fulda und Mitinitiator des Antrags, wählt dafür deutliche Worte. „Wir dürfen und sollten Kinder mit Down-Syndrom und andere nicht auf eine Belastung reduzieren“, sagt er. Es gehe um mehr als medizinische Möglichkeiten, mehr als statistische Wahrscheinlichkeiten. Der Umgang mit diesen Kindern, mit ihren Familien, mit den Herausforderungen des Alltags – all das sei ein „Prüfstein“, wie human eine Gesellschaft tatsächlich sei.

Brand bleibt nicht auf der abstrakten Ebene. Er wird persönlich. Er spricht von Johannes, von Titus, von Menschen aus seinem eigenen Umfeld. Menschen, die, wie er sagt, „ohne Zweifel nicht nur mein Leben bereichern“. Es ist eine bewusste Verschiebung der Perspektive: weg von der Diagnose, hin zum Individuum.

Der Antrag, den mehr als 100 Abgeordnete aus mehreren Fraktionen unterstützen, verfolgt ein konkretes Ziel. Gefordert wird ein umfassendes Monitoring der Nutzung und Auswirkungen des Tests sowie die Einrichtung eines interdisziplinären Expertengremiums. Bis spätestens 2027 soll eine belastbare Datengrundlage entstehen. Hintergrund ist eine Entwicklung, die viele der Beteiligten mit Sorge betrachten.

Denn was einst als gezielte Untersuchung für Risikoschwangerschaften gedacht war, hat sich offenbar längst ausgeweitet. Nach Zahlen der Krankenkasse BARMER nutzt inzwischen jede zweite Schwangere den Test – unabhängig von einem erhöhten Risiko. Für Brand ist das ein Warnsignal. „Damit droht aus einem gezielten Angebot für Risikofälle schleichend ein Routine-Screening zu werden“, sagt er. Eine Entwicklung, die so „nie beabsichtigt“ gewesen sei.

Der Abgeordnete spricht von einer „rasanten Entwicklung in einem hochsensiblen Bereich“ – und verweist zugleich auf eine andere, weniger beachtete Seite: höhere Fehldiagnosen als erwartet. Gerade deshalb sei es notwendig, genau hinzusehen. Der medizinische Fortschritt sei ausdrücklich zu begrüßen, betont Brand, „aber er braucht zugleich klare ethische Leitplanken“.

Es ist ein Spannungsfeld, das sich durch die gesamte Debatte zieht: zwischen dem technisch Machbaren und dem moralisch Vertretbaren. Brand formuliert es so: Fortschritt entbinde nicht von Verantwortung. Im Gegenteil – er verschärfe sie. Risiken müssten mitgedacht, Warnsignale früh erkannt werden.

Besonders eindringlich wird er, wenn er über mögliche Folgen spricht. „Der Test selbst ist nicht invasiv, aber seine Folgen sind es sehr wohl“, sagt Brand. Gemeint ist die Gefahr, dass aus der Diagnose eine Entscheidung wird – und aus der Entscheidung eine Entwicklung, die ungeborenes Leben zunehmend nach bestimmten Kriterien bewertet.

Genau hier setzt der Antrag an. Das geforderte Monitoring soll nicht nur Zahlen liefern, sondern ein Gesamtbild ermöglichen. Nur auf dieser Grundlage könne der Gesetzgeber entscheiden, wie mit dem Verfahren künftig umzugehen sei. Es gehe um Orientierung in einem Bereich, in dem einfache Antworten selten geworden sind.

Am Ende kehrt Brand noch einmal zu seinem Ausgangspunkt zurück. Zu der Frage nach dem Wert des Lebens – unabhängig von genetischen Voraussetzungen. „Was es nicht geben darf, ist eine falsche Anwendung, wenn damit ungeschütztes, schwaches Leben akut gefährdet wird“, sagt er. Es sei eine Verpflichtung, eine Verantwortung, die aus diesem Verfahren erwachse.

Und vielleicht ist es genau diese Verschiebung – vom Technischen ins Grundsätzliche –, die der Debatte an diesem Tag ihre eigentliche Schärfe verleiht. Nicht die Frage, was möglich ist, steht im Zentrum. Sondern die, was gewollt ist. +++


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