In der Stiftskirche in Hünfeld beginnt eine neue Phase kirchlichen Lebens – getragen von einem Modell, das Tradition und Aufbruch miteinander verbindet. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurden am Sonntag Pfarrerin Kirsten Schulte und Prädikantin Gabriele Weidig in ihre Ämter eingeführt. Die Einführung durch den stellvertretenden Dekan Marvin Lange beendet zugleich eine Zeit der Vakanz, die seit dem Ruhestand von Pfarrer Jürgen Gossler im Herbst 2024 bestanden hatte.
Doch es ist mehr als nur eine personelle Neubesetzung. Die evangelische Kirchengemeinde geht bewusst einen neuen Weg: Künftig wird die pastorale Arbeit von einem Dreierteam gestaltet. Neben Schulte und Weidig gehört auch Pfarrer Stefan Remmert dazu. Ein Modell, das auf Zusammenarbeit setzt – und auf die Vielfalt unterschiedlicher Zugänge zum Glauben.
Für Kirsten Schulte ist die Rückkehr nach Hünfeld zugleich ein Wiedersehen mit vertrautem Terrain. Bereits zwischen 2003 und 2007 war sie hier als Gemeindepfarrerin tätig. Nun übernimmt sie eine halbe Pfarrstelle vor Ort, während sie weiterhin zur Hälfte als Altenheimseelsorgerin im Kirchenkreis Fulda arbeitet. Auch Gabriele Weidig ist der Gemeinde längst bekannt. Bisher als Prädikantin und Kooperationsraumassistentin aktiv, übernimmt sie nun erstmals auch hauptberuflich pastorale Aufgaben.
Dass damit eine Nicht-Theologin in dieser Form Verantwortung trägt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels. Marvin Lange sprach offen von einem Schritt ins Neuland. Sinkende Pfarrerzahlen erforderten neue Modelle, in denen unterschiedliche Berufsgruppen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Dabei knüpfte er an einen zentralen Gedanken der Reformation an: das „Priestertum aller Getauften“. Weidig bringe dafür eine fundierte Ausbildung mit, die sie zur Predigt sowie zur Durchführung von Taufen, Trauungen und Beerdigungen befähigt.
Wie dieses Zusammenspiel konkret aussehen kann, wurde im Gottesdienst selbst sichtbar. In einer Dialogpredigt gestalteten Schulte und Weidig eine gemeinsame Auslegung, die sich den inneren Konflikten des Menschen widmete. Gefühle wie Neid, Eigennutz und Streitsucht – Themen, die bereits den Apostel Paulus beschäftigten – standen im Mittelpunkt. Dem stellten sie eine klare Botschaft gegenüber: Nachsicht, Vergebung und die Ausrichtung auf Christus als tragfähige Grundlage für das Miteinander.
Auch von kommunaler Seite wurde der Neuanfang begleitet. Der designierte erste Stadtrat Wolfram Becker überbrachte die Grüße der Stadt und sagte dem neuen Team Unterstützung und Gesprächsbereitschaft zu. Pfarrer Karl Josef Gruber schloss sich den guten Wünschen an und sprach von einem Gewinn für den gesamten Kooperationsraum Hünfelder Land.
Nach dem Gottesdienst verlagerte sich das Geschehen ins Gemeindehaus. Bei einem Empfang kamen Gemeindemitglieder, Gäste und Verantwortliche miteinander ins Gespräch – persönlich, offen, zugewandt. Es war ein Auftakt, der nicht nur eine personelle Veränderung markierte, sondern vor allem eines deutlich machte: Kirche in Hünfeld will sich weiterentwickeln, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. +++

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