Mobilfunklücken in Deutschland – Höchste unterversorgte Fläche in Baden-Württemberg, vor Hessen

Rund 19 Prozent der bundesdeutschen Fläche ist nicht ausreichend mit Mobilfunk versorgt – dort finden bis zu zwei Drittel der deutschen Handykunden kein Datennetz. Am schlechtesten schneidet Baden-Württemberg ab (fast 25 Prozent Netzlücken), am besten die Stadtstaaten. Das zeigt eine Analyse von Verivox auf Basis des Mobilfunk-Monitorings der Bundesnetzagentur, teilte das Vergleichsportal mit.

Der Süden schneidet schlechter ab als der Norden

18,56 Prozent der Fläche Deutschlands weisen so genannte „graue Flecken“ auf – das heißt, dort können von insgesamt drei Netzbetreibern (Telekom, Vodafone, O2) nur einer oder zwei ein Datennetz anbieten. Wer in einem anderen Netz unter Vertrag ist, kann in solchen Regionen nur das alte 2G-Netz empfangen. Dieses ermöglicht zwar Telefonate – nicht jedoch mobiles Surfen oder auch nur kleine Downloads, allenfalls den Versand einer Messenger-Nachricht oder SMS. Den höchsten Prozentsatz solcher unterversorgten Flächen hat Baden-Württemberg, vor Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. In drei Regionen ist mehr als 40 Prozent der Fläche unterversorgt, in weiteren 16 Regionen über 30 Prozent. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gibt es maximal 1,8 Prozent „graue Flecken“. Als bestes Flächenland schneidet Schleswig-Holstein ab (8,71 Prozent). „Der Netzausbau in Metropolregionen ist für die Betreiber ungleich lukrativer und öffentlichkeitswirksamer als das Schließen eines Funklochs in einer dünn besiedelten, ländlichen Region“, sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. „Bisweilen erschweren auch topografische Hindernisse den Ausbau, vor allem im Süden.“

In Bayern sind Surfer am häufigsten ohne Datennetz

Zudem haben alle deutschen Flächenländer weiterhin „weiße Flecken“: In solchen Regionen gibt es von keinem Anbieter ein 4G- oder 5G-Netz. Im bundesdeutschen Schnitt sind 2,94 Prozent der Fläche betroffen, in Rheinland-Pfalz liegt der Schnitt mit 4,56 Prozent am höchsten. Von den 20 am schlechtesten versorgten Regionen liegen neun in Bayern. Die bundesweit meisten Datenlücken gibt es mit 24,17 Prozent im Berchtesgadener Land. Die Stadtstaaten schneiden auch hier am besten ab: Berlin, Bremen und Hamburg haben den Angaben zufolge gar keine Lücken im Datennetz.
„Immer noch sind schleppende Genehmigungsverfahren und eine komplizierte Standortsuche die Hauptursachen für Unterversorgung“, sagt Jens-Uwe Theumer. „Auch die bundeseigene Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft konnte bislang wenig daran ändern, dass bis zum Bau eines Mobilfunkmastes oft zwei Jahre vergehen.“

Versorgungsgrad im O2-Netz am niedrigsten

Bundesweit am besten ausgebaut ist das Netz der Deutschen Telekom. Der Ex-Monopolist kann im Oktober 2022 in Deutschland für knapp 90 Prozent der Fläche ein 4G-Netz anbieten, das 5G-Netz der Telekom funkt in 56 Prozent des Bundesgebiets. Vodafones Zahlen liegen mit knapp 90 bzw. 55 Prozent fast gleichauf. Der dritte Netzbetreiber O2/Telefonica versorgt nur 37 Prozent der bundesdeutschen Fläche mit 5G (4G-Versorgung: 85 Prozent). Bis Ende 2022 sind weitere Auflagen der Bundesnetzagentur umzusetzen: Alle drei Netzbetreiber müssen in jedem Bundesland 98 Prozent der Haushalte sowie alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit mindestens 100 Mbit/s versorgen. „Im Vergleich zu den letzten Auflagen sind weitere Verkehrswege hinzugekommen, außerdem eine Verdoppelung der Surfgeschwindigkeit“, sagt Theumer. „Allerdings wird weiterhin keine Flächenquote gefordert, sondern eine Quote pro Haushalt. Diese ist leichter zu erreichen, weil stärker besiedelte Regionen besser abzudecken sind.“ +++

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