Mobilfunkausbau in Deutschland verliert weiter an Tempo

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Deutschland kommt beim Abbau von Funklöchern langsamer voran. Der Rückgang der Netzdefizite hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Für 85 Prozent der bestehenden Netzlücken steht bereits fest, dass sie mindestens ein weiteres Jahr lang nicht geschlossen werden. Das geht aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervor, über die der Osthessenreport berichtet. Grundlage ist das aktuelle Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur.

Nach wie vor ist rund ein Siebtel der Fläche in Deutschland nicht ausreichend mit Mobilfunk versorgt. Konkret betrifft dies 13,3 Prozent der bundesweiten Fläche. In diesen Regionen können maximal zwei Netzbetreiber eine mobile Datennutzung über die Standards 4G oder 5G anbieten. Kunden anderer Anbieter müssen dort auf das ältere 2G-Netz aus den 1990er-Jahren zurückgreifen. Dieses ermöglicht lediglich Telefonate und den Versand von SMS, mobiles Surfen nach heutigen Standards ist nicht möglich. Zwar ist der Anteil der unterversorgten Fläche in den vergangenen Jahren gesunken – vor einem Jahr lag er bei 14,2 Prozent, vor zwei Jahren bei 16 Prozent –, der Abbau der Netzlücken verlangsamt sich jedoch deutlich.

Überdurchschnittlich stark betroffen sind Handynutzer in Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern und Thüringen. Den höchsten Anteil an unterversorgter Fläche weist Hessen auf. Dort sind 19,7 Prozent der Landesfläche nicht ausreichend mit Mobilfunk versorgt. Vergleichsweise gering ist der Anteil im Norden Deutschlands. Schleswig-Holstein verzeichnet mit 3,6 Prozent den niedrigsten Wert unter den Flächenländern. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gelten seit Jahren als nahezu lückenlos versorgt.

Besonders problematisch ist die Perspektive für zahlreiche bestehende Funklöcher. Für 5.804 Quadratkilometer in Deutschland ist bereits absehbar, dass sie mindestens ein weiteres Jahr ohne mobile Breitbandversorgung bleiben. Für diese Gebiete stellt die Bundesnetzagentur offiziell ein sogenanntes „Ausbaudefizit“ fest. Dort besteht derzeit keine mobile Breitbandversorgung, zudem ist innerhalb der kommenden zwölf Monate kein Ausbau geplant. Die betroffene Fläche entspricht etwa der doppelten Größe des Saarlandes. Im Vorjahr hatte die Behörde noch 6.600 Quadratkilometer als defizitär eingestuft.

„Gerade im ländlichen Raum werden viele Menschen noch lange auf eine zeitgemäße Mobilfunkversorgung warten müssen“, sagte der Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg von Verivox. Dabei gehe es selten um einzelne abgelegene Gehöfte, sondern häufig um ganze Regionen. Als Beispiel nannte Schamberg das Berchtesgadener Land, wo auf fast einem Viertel der gesamten Fläche kein mobiles Surfen möglich sei. Das betreffe nicht nur die Bewohner, sondern auch Urlauber in der beliebten Ferienregion.

In einzelnen Regionen fällt das mobile Internet vollständig aus. In 149 Gemeinden in Deutschland gibt es auf mindestens einem Fünftel der jeweiligen Fläche überhaupt kein Datennetz. Im Extremfall liegt die Funklochdichte bei bis zu 98 Prozent. In diesen Gebieten sind bei allen Netzbetreibern, wenn überhaupt, lediglich Telefonate und SMS möglich. Auch Notrufe können funktionieren, sind jedoch nicht in jedem Fall garantiert. Insgesamt machen diese sogenannten weißen Flecken 1,9 Prozent der bundesdeutschen Fläche aus.

„Der terrestrische Netzausbau kommt an seine Grenzen“, erklärte Schamberg. Das habe auch die inzwischen aufgelöste Funklochbehörde festgestellt. Insbesondere in gebirgigen Regionen seien alternative Lösungen erforderlich, etwa über Satellit. Derzeit seien dafür noch spezielle Geräte notwendig, allerdings werde auch in Deutschland daran geforscht, Mobilfunk aus dem All künftig mit handelsüblichen Smartphones nutzbar zu machen.

Nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur sollen die Netzbetreiber bis 2028 mindestens 98 Prozent der Haushalte in dünn besiedelten Regionen mit mobilen Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde oder mehr versorgen. Ob dieses Ziel angesichts des verlangsamten Ausbaus erreicht wird, ist offen. +++


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